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Nur noch Skalp-Imitate in der Vitrine

Das Karl-May-Museum entfernt die echten Kopfhäute aus der Ausstellung – aus politischen und ethischen Gründen.

Von Wolf Dieter Liebschner

Die echten Indianer-Skalpe sind ab sofort nicht mehr im Radebeuler Karl-May-Museum zu sehen. In der betreffenden Vitrine liegen nun nur noch zwei Imitate.

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„Das hat aber nicht nur mit der Rückgabeforderung durch den Stamm der US-amerikanischen Ojibwa-Indianer zu tun“, sagte Kustos Hans Gruner. Es habe schon längere Zeit Überlegungen gegeben, diese Stücke aus der Ausstellung zu nehmen.

„Bei der Konzipierung der neuen Ausstellung haben wir uns gefragt, ob die Zurschaustellung der Kopfhäute überhaupt noch zeitgemäß ist“, so Hans Grunert weiter. Erst jetzt habe man aber in die Ausstellung eingegriffen – aus politischen und ethischen Gründen“, wie Grunert weiter sagte. „Aber zurückgeben werden wir die Stücke nicht.“ Mitte des vergangenen Monats war im Museum ein Brief von Vertretern dieses Indianerstammes eingetroffen, in dem die Rückgabe eines Skalps gefordert worden war. Der Umgang mit den Überresten ihrer Vorfahren sei „respektlos, beleidigend und unverantwortlich“, hieß es in dem Schreiben. Er solle in der Heimat bestattet werden.

Der Indianer-Experte und Artist Patty Frank, der erste Direktor des Karl-May-Museums, hatte den Ojibwa-Skalp 1904 von einem Dakota-Indianer erworben. Der Museumskatalog nennt die genaue Kaufsumme: Neben diversen Spirituosen waren das 1 100 Dollar. Das Museum besitzt insgesamt 14 Skalpe, die meisten von Indianern, aber auch solche von Weißen. Hinzu kommen Imitate.

„Das sind Zeitdokumente“, sagt Hans Grunert. „Damit belegen wir die Kulturgeschichte der Indianer, für die die Skalps Trophäen erfolgreicher Kämpfe waren. Wir dokumentieren damit auch einen Teil der Ausrottungspolitik durch die Weißen.“ Das Radebeuler Museum ist bis in die USA für seine besondere, wissenschaftlich geführte Sammlung bekannt.