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Nur Pfützen rund ums Wasserschloss

Da steht in jedem Reiseführer für Sachsen etwas vom Wasserschloss Moritzburg in der berühmten Teichlandschaft, in der August der Starke zur Jagd blasen lies. Doch derzeit ist es rund ums Schloss trocken. Die Touristen sind enttäuscht.

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Von Katja Solbrig

Das Schloss ist da, die geschwungene Treppe auch – aber das Wasser, in dem sich das Barock-Ensemble auf Postkarten, Büchern, Puzzles spiegelt, das fehlt. Stattdessen umrahmt das Schloss eine in diesem Sommer auffallend saftig grüne Wiese. Was ist da los, fragen besorgt die Touristen, wenn sie die Fotos in ihren Reiseführern mit dem Original vor Ort vergleichen. Sie wenden sich an die Kutscher, die mit ihren Pferden auf dem Parkplatz warten, an das Schloss-Personal oder an die Touristen-Information.

Management: Bauverzug wird wieder aufgeholt

Die Antwort ist überall die gleiche: Kein Grund zur Panik, es ist alles so geplant und mit den Verantwortlichen abgestimmt. Hier wird gebaut. Bald soll alles wieder in Ordnung sein. Unter der Regie des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements (SIB) wurde das Wasser aus dem Teich abgelassen, damit die notwendigen Sanierungsarbeiten am Dammweg und dem Mauerwerk trockenen Fußes durchgeführt werden können. Durch den langwierigen Streit um das Fällen der alten Kastanien (die SZ berichtete), die für die Bauarbeiten weichen mussten, kam es zum Bauverzug an der Schlosszufahrt. „Aber wir sind uns sicher, dass wir die durch den Kastanienstreit verlorene Zeit wieder aufholen können“, sagt SIB-Sprecher Ludwig Coulin.

Das würde bedeuten: Ab Oktober soll das Jagdschloss wieder von reichlich Wasser umgeben sein. Die wuchernde Wiese beunruhigt die Fachleute beim SIB nicht, im Gegenteil: „Alles Natur“, sagt Coulin, „das verschwindet mit dem Wasser wieder unter der Oberfläche.“ Rund zwei Millionen Euro lässt sich das SIB die Sanierungsarbeiten kosten, allein für die jungen Kastanienbäume, die die alten im nächsten Jahr ersetzen sollen, sind 45 000 Euro vorgesehen. Trotzdem bleiben Fragen offen. Der kleine Timo zum Beispiel fragt seine Oma: „Wo gehn denn da die Fische hin, wenn kein Wasser da ist?“ „Die sind schon lange in andere Teiche umgesetzt worden“, beruhigt Rosemarie Schulze von der Teichwirtschaft Moritzburg. Die Baumaßnahme war mit den Pächtern des Teiches abgesprochen und bereitet den Fischern im Moment die wenigsten Sorgen.

Schildbürgerarbeit vor dem Abfischen

„Zwar machen wir in diesem Jahr eine Schildbürgerarbeit“, sagt Frau Schulze. „Kurz vor dem Fischzug im Oktober setzen wir die Karpfen wieder ein.“ Vor dem traditionellen Abfischen Ende Oktober wird normalerweise Wasser abgelassen. Das ist in diesem Jahr nun nicht nötig.

Aber um den Ausgangszustand wieder herstellen zu können, muss es wieder regnen. „Es handelt sich um so genannte Himmelsteiche“, erklärt Rosemarie Schulze. Also nicht durch künstliche Zuflüsse wird der Teich wieder gefüllt; die Himmelsschleusen müssen das übernehmen . Erst dann wird sich erneut das von Postkarten und Reisebüchern gewohnte Bild vom Wasserschloss bieten.