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Nur vom Storch redet keiner

Schmetterlinge, Uhu und Schildkröten bestimmten das Storchenfest am Sonntag im Naturschutz Tierpark Görlitz.

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Von Frank Fischer

An diesem Nachmittag wird beim Storchenfest auf der Festwiese im Naturschutz Tierpark überwiegend polnisch gesprochen. 85 Mädchen und Jungen aus den Schulen in Zgorzelec, Zawidow, Lauban, Zarska Wies und Sulikow sind eingeladen worden, um sich selbst davon zu überzeugen, wie ihre kleinen Kunstwerke beim Storchenfest präsentiert werden. Bilder und Plastiken, die bei Projekttagen entstanden sind, um bei der europäischen Kampagne zum Schutz von Schildkröten mitzumachen.

Auch die beiden 16-jährigen Gymnasiasten Zaneta Rysiowska und Paulina Juzink aus Zawidow zeigen ihre Arbeit. Ein modelliertes Naturgebiet, in dem Schildkröten ihren notwendigen Lebensraum finden. „Ich habe selbst eine Schildkröte besessen und liebe diese Tiere mit ihrem dicken Panzer“, begründet Zaneta ihre Bereitschaft, sich freiwillig an dieser Aktion zu beteiligen.

Samanta Gumiamel wohnt in Zgorzelec und hat viel über die Schildkröte gelesen. Danach bekam sie richtig Lust, mit grüner Tusche eine Schildkröte nach ihren Vorstellungen zu malen.

Streicheleien für Griechen

Zoopädagogin Kathrin Matthieu äußert sich begeistert von den vielen Bildern, die nach einer Schildkröten-Flyeraktion des Tierparks, leider nur aus Polen eingegangen sind. Texte wie „Lasst uns leben“, „Wir haben auch ein Gefühl“ oder „Sei kein Schildkrötenhenker“ machen die Aussagen der Zeichnungen noch deutlicher.

Natürlich gibt es auch originale Exemplare dieser Echsengattung zu sehen. In einem kleinen Gehege bekommen vier griechische Landschildkröten an diesem Nachmittag unendlich viele Streicheleinheiten. Kann man diese Schildkröten nicht in die Hand nehmen, ist das auf der Bastelstraße ganz anders.

Am Keramikstand von Ilona Niederstraß aus Königshufen darf auch die sechsjährige Jenny aus Ton eine Schildkröte formen. Neben ihren Händen braucht sie dabei unter sachkundiger Anleitung noch Modellierhölzer, Klebstoff und Pinsel, um das Tier abschließend mit Engobefarbe zu bemalen.

Natürlich gehört auch der Vogel des Jahres 2005, der Uhu, zum Storchenfest. Mit ihm hatte sich schon in Vorbereitung der Veranstaltung Sophie Nixdorf beschäftigt. Sie macht zurzeit ein freiwilliges ökologisches Jahr im hiesigen Tierpark und dachte sich: „Lass dir doch mal für diesen Festtag ein Lernspiel über den Uhu einfallen.“

Das ist ihr offenbar so gut gelungen, dass sich ständig Leute niederlassen, um sich die Spielregeln erklären zu lassen. Jeder Mitspieler kann eine Karte aufnehmen, auf der Fragen über die Lebensweise des Uhus gestellt werden. Zwei Studenten, die aus dem biologischen Fach kommen, liefern sich mit den nachgestellten Uhufiguren ein Kopf-an-Kopf-Rennen und sparen gegenüber der Erfinderin nicht mit Komplimenten.

Schmetterlinge aus Jonsdorf

Auch das Schmetterlingshaus Jonsdorf hat sich auf der Festwiese einquartiert. Infotafeln berichten über die Lebensweise von Tagfaltern (Kohlweißling, Tagpfauenauge) und Nachtfaltern (Holunderspanner, Hummelschwärmer). Leute lesen die Ratschläge, wie man den eigenen Garten durch Raupen- und Nektarpflanzen für mehr Überlebenschancen der Schmetterlinge öffnen kann. Ein Schmetterlingskalender dokumentiert, welche Falter in welchen Monaten besonders oft zu sehen sind.

Die gut besetzten Bänke bieten auch Platz für eigene Aktivitäten. Das Schachspielen auf einem Minibrett, das Karten spielen oder ganz einfach sich dem Genuss von Kaffee und Kuchen hingeben, gehören dazu. Für die musikalische Power ist an diesem Nachmittag das Jugendblasorchester der Europastadt zuständig.

Vom Storch war übrigens gestern gar nicht die Rede. Das Fest ist nur nach ihm benannt, weil der Storch das Wappentier des Tierparks ist, erläutert Zoopädagogin Katrin Matthieu.