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Wirtschaft

Nur wenig Mietschulden durch Corona

Genossenschaften verzeichnen kaum Einbußen. Eine überraschende Auswirkung zeigt sich woanders.

Wohnungsgenossenschaften spüren Corona kaum – zumindest nicht bei den Mieteinnahmen.
Wohnungsgenossenschaften spüren Corona kaum – zumindest nicht bei den Mieteinnahmen. © Marion Doering

Mietschulden im Zuge der Corona-Pandemie sind in Sachsen bislang offenbar ein eher geringes Problem. Der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften hat dazu Daten erhoben. Die Dachorganisation für mehr als 200 Genossenschaften mit knapp 300.000 Wohnungen kommt zu dem Schluss, dass Mietausfälle kaum ins Gewicht fallen, erfasst wurden etwa 100.000 Euro. Zusätzliche 70.000 Euro wurden gestundet, wie der Verband mitteilte.

Bislang sind nur 0,2 Prozent aller Mietverhältnisse von Ausfällen durch Corona betroffen. Der Dachverband befragte im Rahmen einer bundesweiten Erhebung mehr als die Hälfte der Mitgliedsunternehmen. Möglicherweise führen Kurzarbeit und Verdiensteinbußen zu weiteren Ausfällen. Mit Blick auf den Termin der zwischen Mitte und Ende April durchgeführten Umfrage teilte der Verband mit: „Zu diesem relativ frühen Zeitpunkt ließ die finanzielle Lage vieler Mieter eine Zahlung in den allermeisten Fällen noch zu.“

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Etwas schlechter ist die Lage bei Läden und Büroräumen. Bislang fielen in der Gewerbevermietung rund 150.000 Euro für die Genossenschaften aus. Ab Mai rechnen sie aufgrund der Einschränkungen aber mit deutlich höheren Verlusten.

Verzögerungen bei geplanten Investitionen

Die Bundesregierung hat Mietern und Pächtern, die wegen der Pandemie in Zahlungsschwierigkeiten geraten, Kündigungsschutz verschafft. Er gilt bislang bis zum 30. Juni. Bis dahin darf niemandem wegen coronabedingt ausgefallener Zahlungen gekündigt werden.

„Die Regelungen stellen sicher, dass Mieter und Gewerbetreibende in dieser schwierigen Zeit nicht ihr Zuhause oder ihr Betriebs- oder Ladenlokal verlieren“, hatte Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) beim Inkrafttreten betont. Die Mieten müssten aber später gezahlt werden. Für Wirbel hatte die Ankündigung des Sportartikelproduzenten Adidas gesorgt, ab April Geld für geschlossene Läden nicht mehr zu überweisen. Der Konzern nahm das jedoch zurück und entschuldigte sich kurz darauf.

Sachsens Genossenschaften befürchten noch andere Pandemiefolgen als Mietausfälle. Sie rechnen mit Verzögerungen bei geplanten Investitionen. „Die Auswirkungen sind vor allem da zu erwarten, wo ein direkter Kontakt mit den Mietern besteht, also vor allem bei Modernisierungsmaßnahmen, die die Wohnung betreffen.“ Der Verband rechnet mit Verzögerungen von etwas mehr als zwei Monaten. Ein Grund: Aus Sorge vor einer möglichen Infektion haben manche Mieter Sorgen, Handwerker in ihre Wohnungen zu lassen.

Neubauten entstehen ungehindert

Energetische Modernisierungen wie das Dämmen von Außenwänden oder Fenstersanierungen verzögern sich nach Genossenschaftseinschätzung im Schnitt um knapp zwei Monate. Instandhaltungsarbeiten werden der Erhebung zufolge um etwa eineinhalb Monate verschoben. Die gute Nachricht: Auf die Arbeit an Neubauten hat Corona offenbar kaum Auswirkungen. Der Genossenschaftsverband kalkuliert mit Verzögerung von allenfalls drei Wochen.

Größere Folgen hat die Pandemie dort, wo bislang Ansturm herrschte – bei der Vermietung von Wohnungen. In wachsenden Städten wie Dresden und Leipzig gilt es seit Jahren als schwierig, eine bezahlbare Bleibe zu finden. Ob sich das grundsätzlich ändert, ist zwar offen. Klar ist aber: Corona wirkt hemmend. „Die Nachfrage nach Neuvermietungen ist im Befragungszeitraum um 63 Prozent zurückgegangen.“

Ob Mietinteressenten Angst vor einer Infektion bei einer Besichtigung haben, können die Genossenschaften nicht wirklich erfassen. Dennoch beschreiben sie Einschränkungen. Bei knapp einem Drittel der Genossenschaften sind Mitarbeiter im Homeoffice. Weitere sechs Prozent der Beschäftigten müssen wegen der Betreuung ihrer Kinder zu Hause bleiben. Die „normale Arbeit“ bei der Vermietung sei nur mit großen Einschränkungen oder gar nicht möglich. Verbandsvorstand Mirjam Luserke betonte aber, dass die Ergebnisse der Umfrage im Vergleich zu anderen Wohnungsanbietern positiv ausfielen und hob die soziale Verantwortung der Genossenschaften hervor. Sie bewirtschaften knapp 20 Prozent des Mietwohnungsbestandes im Freistaat. Eine halbe Million Sachsen leben in Genossenschaftswohnungen.

Aktuelle Informationen rund um das Coronavirus in Sachsen, Deutschland und der Welt lesen Sie in unserem Newsblog.

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