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So sieht das Millionenprojekt am O-See aus

Der gewagte Entwurf für die neue Uferpromenade ist fertig. Hier wird er erstmals gezeigt. Aber Olbersdorf muss eine schwere Entscheidung treffen.

Das ehemalige Landesgartenschaugelände am Olbersdorfer See soll gewaltig aufgemöbelt werden. Jetzt aber geht es erst einmal ums Geld.
Das ehemalige Landesgartenschaugelände am Olbersdorfer See soll gewaltig aufgemöbelt werden. Jetzt aber geht es erst einmal ums Geld. ©  Matthias Weber

Die Oppacher Landschaftsarchitektin Ulrike Neumann und ihre Mitarbeiter haben ganze Arbeit geleistet: Der Auftrag aus Olbersdorfer hat Gestalt angenommen. Der Gemeinderat hatte das Planungsbüro beauftragt, das Ufers am Olbersdorfer See neu zu gestalten. Der gesamte Bereich zwischen dem Badestrand und dem Hotel "Haus am See" soll umgestaltet werden. Eine Million Euro will die Gemeinde dafür ausgeben. 

Jetzt sind Ulrike Neumanns Entwürfe fertig. Am Mittwochabend hat sie sie erstmals im Olbersdorfer Hauptausschuss präsentiert: Es ist ein großer Wurf geworden, den die 45-Jährige den Gemeinderäten jetzt vorschlägt: Eine Uferpromenade, die schöne Sichtachsen freigibt, Terrassen mit Sitzstufen, die abends stimmungsvoll beleuchtet werden, breite Treppen, die ins Wasser führen, Terrassengärten mit Gräsern und Trockenstauden, die sogar im Winter für stimmungsvolle Effekte sorgen, Blühwiesen, Bootsanleger, einen markanten Fotopunkt, einen Ort für eine Strandbar und Toiletten.

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Mit einem verkaufsoffenen Sonntag läutet der NeißePark Görlitz den Herbst ein. Am Sonntag, 27. September, öffnen mehr als 40 Geschäfte und Gastronomiebetriebe.

Und ein großes Highlight: Einen Steg, der halbkreisförmig über das Wasser führt, dahinter ein mit Findlingen befestigtes Steinufer, am Anfang und am Ende jeweils ein kleiner Schilfgürtel. 

So sieht der Entwurf für die neue Gestaltung des Uferbereichs zwischen dem Hotel Haus am See und dem Strandbereich aus. 
So sieht der Entwurf für die neue Gestaltung des Uferbereichs zwischen dem Hotel Haus am See und dem Strandbereich aus.  © Planungsbüro Neuland
Ein Steg über das Wasser soll das Highlight der Neugestaltung werden. Wegen der schwierigen Gründung würde allein dieser Steg mehr als eine halbe Million Euro kosten.
Ein Steg über das Wasser soll das Highlight der Neugestaltung werden. Wegen der schwierigen Gründung würde allein dieser Steg mehr als eine halbe Million Euro kosten. © Planungsbüro Neuland
Im Gestaltungskonzept sind auch viele Blühstreifen enthalten. Gepflanzt werden sollen vor allem Gräser und Trockenstauden, die pflegearm sind und auch im Winter schön aussehen. 
Im Gestaltungskonzept sind auch viele Blühstreifen enthalten. Gepflanzt werden sollen vor allem Gräser und Trockenstauden, die pflegearm sind und auch im Winter schön aussehen.  © Planungsbüro Neuland
Zur Gestaltung gehört ein neues Beleuchtungskonzept, das auf stimmungsvolles, warmweißes LED-Licht setzt. Für eine schöne Abendstimmung sollen Sitzstufen und Steg unterbeleuchtet und Effektleuchten in Bäume gesetzt werden.
Zur Gestaltung gehört ein neues Beleuchtungskonzept, das auf stimmungsvolles, warmweißes LED-Licht setzt. Für eine schöne Abendstimmung sollen Sitzstufen und Steg unterbeleuchtet und Effektleuchten in Bäume gesetzt werden. © Planungsbüro Neuland
Beispiele wie diese zeigen, wie ein besonderes Kunstwerk ein Highlight an einem Fotopunkt setzen  und sogar zu einem Markenzeichen des O-Sees werden könnte.
Beispiele wie diese zeigen, wie ein besonderes Kunstwerk ein Highlight an einem Fotopunkt setzen  und sogar zu einem Markenzeichen des O-Sees werden könnte. © Planungsbüro Neuland

Da kommt selbst der Mann der Zahlen ins Schwärmen: Der Olbersdorfer Gemeinderat Matthias Frei, der viele Jahre Stadtkämmerer in Zittau und Geschäftsführer der Landesgartenschau 1999 war, kennt sich bestens aus, wenn es ums Geld geht. Und er weiß, dass in einer Gemeinde auch immer gespart werde muss. Aber bei so einem Projekt? Da springt auch schon mal der Sparfuchs über seinen Schatten:

"Wenn man Visionen hat, dann muss man sich auch mal durchringen, einen mutigen Schritt zu gehen", sagt Frei. Und er könne sich durchaus vorstellen, dass Olbersdorf diesen Mut aufbringt - und dass das auch gelingt.

Mut und Visionen brauchen die Gemeinderäte jetzt tatsächlich, wenn sie Ja sagen wollen zu den Plänen von Ulrike Neumann. Denn nach ersten Kostenplanungen ist klar: Die eine Million Euro, die Olbersdorf für das Projekt ausgeben will, reicht bei weitem nicht. "Es wird mindestens das Doppelte kosten", erklärt die Planerin den Ausschussmitgliedern gleich ganz offen und ehrlich.

Allein für das Highlight, den Steg übers Wasser, wird es mehr als eine halbe Million Euro brauchen. Es ist vor allem der schwierige Baugrund, der das Projekt so viel teurer macht als ursprünglich gedacht. Unterm See ist Braunkohle, erklärt Bauingenieur Jörg Rudolph, der die Tragwerksplanung für die Steganlage übernommen hat. Zwölf Meter tief müssen die Stützpfeiler in den Grund. Und auch für alle anderen geplanten Bauten am Ufer braucht es eine tiefe Gründung. 

Und mehr als eine Viertelmillion Euro ist für die Medienerschließung nötig, wenn die Voraussetzungen für Toiletten und vielleicht auch eine Strandbar auf östlicher Seeseite geschaffen werden sollen, so fügt Klaus Schwager hinzu, der die Fachplanung in diesem Bereich übernommen hat. 

Gemeinderat muss jetzt entscheiden

Jetzt müssen die Olbersdorfer Gemeinderäte entscheiden: Wollen sie das Projekt angehen wie geplant? Oder wollen sie die Investitionskosten auf die vorher bereits fest veranschlagte eine Million begrenzen und Abstriche am Gesamtpaket machen? Auf den Steg oder die Erschließung für eine Strandbar verzichten?

Bürgermeister Andreas Förster (FDP) muss da nicht lange überlegen. Er plädiert für die große Lösung und für Wagemut. Für den 59-Jährigen ist das Projekt "Olbersdorfer See" schließlich auch ein Lebenswerk. Förster, schon seit der Wende Bürgermeister in Olbersdorf, ist es maßgeblich zu verdanken, dass es den Anziehungspunkt O-See, so wie er heute ist, überhaupt gibt, dass eine derartige Umgestaltung der ehemaligen Tagebaulandschaft zu einem Naherholungsgebiet so gut gelingen konnte.

Es war unter anderem sein fast schon berühmt gewordener Satz, den er in den 1990er Jahren an seinen damals eher zögerlichen Zittauer Amtskollegen gerichtet hatte, weil jener sich nicht so richtig durchringen konnte für die Bewerbung zur Landesgartenschau: "Dann machen wir eben halbe-halbe“, hatte Förster damals vorgeschlagen - und die Landesgartenschau damit vielleicht erst möglich gemacht.

Der Erfolg hat ihm Recht gegeben. Mehr als zehn Millionen Euro hat Olbersdorf seitdem in die weitere Gestaltung des Geländes investiert - auch weil immer wieder Erneuerungs- und Instandhaltungskosten auf die Gemeinde zukommen. Andreas Förster ist guten Mutes, auch eine entsprechende Fördersumme für die nun vorliegende Zwei-Millionen-Investition zu bekommen.

Er setzt dabei auch auf Geld aus dem Kohle-Programm für die Lausitz. Schließlich, argumentiert er, ist der Olbersdorfer See ebenfalls eine Braunkohle-Folgelandschaft, die nun zu einer noch attraktiveren Tourismusregion ausgebaut werden soll. Und Tourismus schafft Arbeitsplätze.

Und noch ein Argument, sagt der Bürgermeister, spreche für die Investition: Die Gemeinde müsste jetzt wieder viel Geld in die Hand nehmen für notwendige Instandhaltungs- und Sicherheitsmaßnahmen wie beispielsweise für den Ersatz des marode gewordenen alten Bootsstegs. Das sind Kosten, die ohnehin auf die Gemeinde zukämen. Die könnten am Ende aber sogar höher sein als der Eigenanteil, den die Gemeinde für die nachhaltige Zwei-Millionen-Investition beisteuern muss.

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Gemeinderat Mike Herglotz hat dennoch Bauchschmerzen: "Wenn ich daran denke, was wir alles noch in die Schulen und Kitas stecken müssen, dann muss ich abwägen, ob mir die Kita oder dieses Projekt wichtiger ist", sagt er. Über eine endgültige Entscheidung muss nun der Olbersdorfer Gemeinderat abstimmen. Sie könnte schon im Oktober fallen.

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