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OB-Gerüchteküche landet im Fernsehen

Für das Dokumentationsformat ZDFzoom begleitete ein Team den Stadtchef von Weißwasser einen ganzen Tag.

Jürgen Schönfelder (links) scheute sich nicht, trotz Anwesenheit eines Fernsehteams gestern bei OB’s Gerüchteküche auf dem Marktplatz in Weißwasser sein Anliegen und Problem mit Stadtchef Torsten Pötzsch zu diskutieren.
Jürgen Schönfelder (links) scheute sich nicht, trotz Anwesenheit eines Fernsehteams gestern bei OB’s Gerüchteküche auf dem Marktplatz in Weißwasser sein Anliegen und Problem mit Stadtchef Torsten Pötzsch zu diskutieren. © Joachim Rehle

Weißwasser. Sonnenschirm und Tisch standen kaum, da waren die ersten Bürger da, um mit Oberbürgermeister (OB) Torsten Pötzsch zu sprechen. „Heute ist ein Fernsehteam dabei. Wenn Sie nicht gefilmt werden wollen, sagen Sie es bitte“, begann der Stadtchef jedes Gespräch.

Jürgen Schönfelder hatte damit kein Problem. „Mir geht es heute um die Seen in Weißwasser, die alle stark abgesenkt sind und nur noch wenig Wasser führen. Dadurch geht die Natur in der Stadt kaputt, sinkt die Lebensqualität“, wendet er sich an Pötzsch. „Ich habe gehört, dass die Leag Wasser aus dem Tagebau über Weißkeißel und den Floßgraben in die Neiße leitet. Kümmern Sie sich doch bitte mal darum, dass auch städtische Teiche mehr Wasser bekommen!“. Technisch sei das kein Problem. Auch kein großer Aufwand für die Kohleindustrie, meint Schönfelder, der seit 1962 in Weißwasser lebt und als Rohrleitungsingenieur arbeitete.

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Torsten Pötzsch weiß um die Wasserproblematik der Region, die auch die Stadt schon lange beschäftigt. Trotz Wassermonitoring. „Man kann nicht alles auf die Wärme zurückführen“, sagt er. Auch deshalb habe man sich im Vorfeld beim als Neubaugebiet vorbereitetem Areal um den Ziegelteich hinter den Stadtwerken um Wege bemüht, damit „Wasser nicht gleich wieder weg“ sei. Dem Hinweis von Jürgen Schönfelder, der Bereiche wie Landzunge, Berliner Straße, Käseteich und andere nannte, versprach er nachzugehen.

Neue Doku über Kommunalpolitiker

Das ganze Gespräch wurde, wie viele weitere, gefilmt. Welche Sequenzen der Gerüchte-Küche-Aufnahmen sowie vom gesamten Arbeitstag des Stadtchefs letztlich gezeigt werden, bleibt abzuwarten. Dass die Gerüchteküche und OB Pötzsch im Septemmber, der genaue termin steht noch nicht fest, öffentlich-rechtlichen Fernsehen landen, hat einen ernsten Hintergrund. „Immer mehr Kommunalpolitiker in Deutschland sind Hetze und Hass in sozialen Medien, verbalen und tätlichen Angriffen ausgesetzt. Das, Folgen für Betroffene udn Hintergründe haben wir bereits in einem ersten Teil einer Dokumentation beleuchtet. Nun drehen wir Teil 2,, bei dem es um den Umgang Betroffener damit geht“, begründet Autor Sebastian Galle von der ZDF Digital Medienproduktion, die im Auftrag von ZDFzoom in Weißwasser drehte. Im neuen Teil der Doku wird Torsten Pötzsch der einzige Kommunalpolitiker aus Sachsen sein, der vorgestellt wird. Weil er Angriffen ausgesetzt ist und sich couragiert dagegen stellt. Auch mit seinem Dialogformat „Gerüchteküche“, in dem er den offenen Dialog mit Bürgern in ungezwungener Art und Weise gezielt sucht und bietet. Ohne Voranmeldung, ohne Begleitschutz, ohne Themenvorgabe oder räumliche Entfernung zur Bevölkerung. Vielmehr steht er mitten im wöchentlichen Markttreiben, wo ihn jeder sehen und ansprechen kann. Nur den Corona-Abstand – den wahrt der OB.

Bei der Gerüchteküche erfährt er viele Probleme, Sorgen und Nöte, die ihm sonst wohl nicht zu Ohren kommen würden. So, wie die Meinung von Horst Günzel. „Was sollen junge Leute, wenn sie keine oder nur schlecht bezahlte Arbeit finden, in Weißwasser? Außerdem ist hier tote Hose. Für jedes Alter“, sagt der Weißwasseraner, der zudem zu lange Wartezeiten bei Ärzten, schlechte Verkehrsanbindungen, immer mehr schließende Geschäfte und Gaststätten sowie die Zunahme trinkender Menschen vor Tankstellen und auf Straßen anspricht. „Auch von der Industrie ist kaum was übrig. Hoffentlich wird die Glasfachschule nicht Alters- oder Pflegeheim. Überhaupt dauert es viel zu lange, dass sich was positiv verändert. Und die Menschen müssten viel mehr informiert werden“, kritisiert der Senior.

Kritische Fragen – offene Antworten

Was die Glasindustrie betreffe, erklärt der OB, denke Stölzle über Erweiterung nach. Auch ein Glasfaserunternehmen stehe kurz vor der Ansiedlung. „Das Problem hier und in anderen Wirtschaftszweigen ist Fachpersonal“, sagt Pötzsch. Die einen seien gegangen, andere im Ruhestand, manche würden nicht arbeiten wollen. „Aber ich verspreche, dass wir zu unseren Wurzeln zurückkehren und nächstes Jahr in der Glasfachschule mit Bauen anfangen, um was mit Bildung zu errichten. Jugend belebt die Stadt.“ Pötzsch zeigt sich optimistisch, dass im Zuge des Strukturwandels auch Weißwasser im Fokus steht. „Geld ist genug da, und die Chancen sind groß, Stadt und Wirtschaft zu entwickeln. Wenn wir es vergeigen, sind wir selbst schuld.“ Bezüglich mangelnder Freizeitaktivitäten gab er Horst Günzel den Hinweis, dass am 5. September im Volkshaus-Garten wieder Kino für jedermann sei. „Ich lade Sie ein, mit mir hinzugehen.“

Begeistert von Stadt und Region zeigten sich dagegen Christine und Bolko Keil aus Straubing. Sie wollten eigentlich Urlaub an der Ostsee machen. Wie immer. Da die Niederbayern schon den Spreewald kennen, entschieden sie sich diesmal gegen die überfüllte Ostsee und für die Erkundung der Region um Weißwasser. „Es gibt hier so tolle Ecken. Wir sind begeistert. Das gilt auch für unseren Campingplatz in Kromlau. Dort habe ich am Bäckerstand sogar meine bisher beste Buchweizensemmel gegessen“, schwärmt Christine Keil, die mit ihren Mann in Weißwasser auch Schweren Berg, Glasmuseum und Eishalle besichtigte. „Die Eisarena musste ich für unseren Sohn sogar fotografieren. Er ist Eishockeyfan und kennt natürlich die Füchse.“

Das Lob freut den OB und bestärkt ihn, sich weiter für seine Stadt und Region einzusetzen – und gegen Hetze und Hass.

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