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Warum Leipzigs OB fast die Wahl verlor

Wahlforscher haben das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Jung und Gemkow untersucht. Mit dem Ergebnis: Viele Wähler entschieden sich kurzfristig um.

Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses gaben sich die Leipziger OB-Kandidaten Sebastian Gemkow (CDU, l.) und Burkhard Jung (SPD) die Hand.
Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses gaben sich die Leipziger OB-Kandidaten Sebastian Gemkow (CDU, l.) und Burkhard Jung (SPD) die Hand. © Hendrik Schmidt/dpa

Von Sven Heitkamp

Leipzig. Es war ein denkbar knappes Kopf-an-Kopf-Rennen, als sich Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) bei der Wahl am 1. März noch einmal im Amt durchsetzen konnte: Der heutige CDU-Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow, ebenfalls Leipziger, war dem Rathauschef nach einem zwischenzeitlichen Vorsprung bis auf 1,5 Prozent auf den Fersen. 

Lediglich 3.355 Stimmen fehlten zum ersten Leipziger CDU-Oberbürgermeister seit 1990. Dabei hatten sogar die Spitzenfrauen der Grünen und Linken im zweiten Wahlgang ihre Kandidatur zu Jungs Gunsten zurückgezogen. So wurde der Sieg zugleich eine deutliche Schlappe für den 62-jährigen OB.

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Zum ersten Mal hat die Stadt Leipzig während der beiden Wahltage rund 1.700 Bürgerinnen und Bürger zu ihrem Wahlverhalten befragt. Das Ergebnis lässt tief blicken: Mehr als die Hälfte der Gemkow-Wähler hat noch bei der vorigen Wahl 2013 Sozialdemokrat Jung gewählt. Jeder Fünfte gab als Grund für seine Wahlentscheidung an, einen Wandel und Veränderung in der Stadt zu wollen.

Jung kommt bei jungen Wählern an

Weitere Zustimmung verlor Jung nach dem ersten Wahlgang offenbar, als er einen Lagerwahlkampf zwischen Links und Rechts ausrief: Es gehe um „ein weltoffenes, internationales und buntes Leipzig – oder eine konservative Stadt: rechts gescheitelt, rechts gekämmt“, so Jung damals. „Immerhin sechs Prozent, die im ersten Wahlgang für Jung gestimmt hatten, wanderten im zweiten Wahlgang zu Gemkow“, stellen die Wahlforscher fest. Im ersten Wahlgang waren dabei noch Sachthemen entscheidend, im zweiten Wahlgang die Personen und strategisches Ermessen.

Jung gewann seine nunmehr letzte OB-Wahl daher in erster Linie mit Erstwählern und Zugezogenen, die zuvor noch Linke oder Grüne gewählt hatten. „Im zweiten Wahlgang stammte fast jede dritte Stimme aus dieser Gruppe“, sagt Stadtforscherin Andrea Schultz.

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Ohnehin hat sich die Leipziger Wahlbevölkerung von 2013 bis zu diesem Frühjahr komplett verändert: Die Stadt erlebte einen Zuzug von mehr als 250.000 Menschen und zugleich Fortzüge von 175.000 Einwohnern. Jung habe vor allem bei jungen Erwachsenen und der gut qualifizierten Mitte mit mittleren Einkommen gepunktet. Gemkow hat indessen ältere, gut Situierte, gut Qualifizierte und viele Rentner angesprochen. Das Ergebnis: ein SPD-dominierter Innenstadtbereich mit einem CDU-beherrschten Ring in den Außenbezirken.

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