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Obenauf dank Sicht von unten

Der Dresdner Schmierstoffhersteller Elaskon hat sich in Asien etabliert - und daheim Großes vor.

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© Wolfgang Wittchen

Von Michael Rothe

Elaskon-Chef Karl Schwald hatte gestern gleich zwei nachhaltige Personal-Termine in seinem Unternehmen. Am Vormittag schnupperten gut 20 Berufsschüler Praxisluft beim Dresdner Schmierstoffhersteller. Und wenig später stellte Sachsens amtierender „Unternehmer des Jahres“ seinen 80. Mitarbeiter ein: einen besonderen, denn er heißt Haifeng Han und ist Chinese.

Das Reich der Mitte ist Programm. Zuerst wollte Schwald mit Elaskon sogar in China produzieren: „vor Ort zugekaufte Rohstoffe und ein vorgemischtes Paket von uns“. Doch das hat sich aus Sorge um die Qualität und womöglich verlustige Rezepturen erledigt. Nun tun es ein Zwischenlager in Südchina und seit Jahresbeginn ein Verkaufsbüro in Schanghai mit jeweils drei Mitarbeitern. Trotz des wachsenden Engagements dort steht für den Chef fest: „Die Produktion erfolgt weiter nur in Dresden.“

Schwald hatte das Unternehmen im Dresdner Osten 1999 anteilig und später ganz übernommen und die bekannte, aber eingerostete DDR-Marke Elaskon, Kürzel für „elastisch konservieren“, wieder aufgepäppelt. Ostdeutschen ist sie vor allem als Rostschutzmittel K 60 ML für Trabant & Co bekannt. Das gibt’s noch immer: verbessert und auch für Schneeräum- und Transportflotten vieler internationaler Flughäfen.

Das legendäre Gemisch findet auch junges Interesse: Gestern bei angehenden Karosseriebauern. Die Lehrlinge diverser Autohäuser absolvierten bei Elaskon eine praktische Lehreinheit. Nicht uneigennützig für Schwald: „Alle reden von Fachkräftemangel, wir tun etwas dagegen.“ Auch die Azubis gewinnen. „Wir liefern nur die Theorie“, sagt Uwe Dittmer vom Beruflichen Schulzentrum für Technik in Dresden. „Da sagen wir bei solchen Praxisangeboten nicht Nein.“ Der Besuch seiner Schützlinge mache Appetit auf mehr.

Heute sieht sich Elaskon vor allem als Hersteller von Drahtseilschmierstoffen. Rote Tonnen mit dem patentierten Inhalt stehen an der Seilbahn des Tafelbergs im südafrikanischen Kapstadt, am Mont Blanc in den Alpen, auf Ölbohrinseln vor Singapur, beim Instandhaltungskommando von Venedigs Brücken – in Summe Drahtseilakte in mehr als 50 Ländern. Weitere Standbeine sind Pflegeprodukte für Pkw, Lkw und Landmaschinen mit allein 850 Stationen in Mitteleuropa sowie Formen- und Trennmittel für die Bauindustrie.

Bei Elaskon brummt es. „Mit 25 Millionen Euro Umsatz, einem Plus von sieben Prozent zum Vorjahr, waren wir 2013 absolut im Plan“, sagt Schwald. Zahlen zum Ertrag nennt der Mann aus dem Allgäu nicht. Es muss  einiges sein, sonst hätte Elaskon wohl nicht so eine millionenschwere Liste von Investvorhaben: „Aus der alten Verwaltung aus DDR-Zeiten entsteht ein moderner Sozialtrakt für unsere Mitarbeiter“, sagt Schwald. Der Abriss einer Baracke schaffe Platz für ein 1 000 Quadratmeter großes Hochregallager. Das habe aber noch Zeit, so der Chef. Nicht so ein „Schandfleck“ auf der anderen Seite des zweiteiligen Firmenkomplexes. Eine leer stehende 1 300 Quadratmeter große Halle des Ex- Baywa-Geländes soll zum Lager umgebaut werden. Eine Rampe macht es dann möglich, Schiffscontainer schon im Werk und nicht erst in den Überseehäfen zu beladen.

Die Großladungen gehen auch nach Indien, Indonesien, Südkorea und Malaysia. „Dort haben wir den Einstieg geschafft“, freut sich der Chef. Es entwickle sich ein Riesenmarkt für Pflegeprodukte. „Auch wenn nicht alle wie die Deutschen das Auto ihr liebstes Kind nennen, gibt es auch in Asien ein Umdenken“, so Schwald. Und da sei es „gut, von Anfang an dabei zu sein“.

Hobbyjäger Schwald gibt sich auch im Geschäft zielsicher und mit Waidsicht. „Ich will nicht zu schnell marschieren“, sagt er. Trotz der Entwicklung am Schwarzen Meer und Großkunden sowohl in der Ukraine als auch in Russland gerät der 56-Jährige nicht in Panik. Dank breiter Aufstellung sei auch das Geschäftsrisiko gut verteilt. „Dennoch hoffe ich, dass es keine Sanktionen gibt und alle Beteiligten vernünftig werden“.

Eigentlich wollte Schwald das Rekordjahr 2013 mit seinen Mitarbeitern groß feiern. Doch nach der Taifunkatastrophe auf den Philippinen war denen nicht danach. Sie spendeten die angedachten 7 000 Euro für die Organisation Ärzte ohne Grenzen.