merken
PLUS

Dippoldiswalde

Das sagt der OB-Kandidat zur Todesfahrt

Der Dippoldiswalder Stadtfestorganisator Dirk Massi wurde vor Jahren wegen einer Trunkenheitsfahrt mit Todesfolge verurteilt. Im Wahlkampf holt ihn das ein. 

THW-Mann und Stadtfestorganisator: Dirk Massi (59) beim SZ-Wahlforum.
THW-Mann und Stadtfestorganisator: Dirk Massi (59) beim SZ-Wahlforum. © Egbert Kamprath

Der Mann ist in Dippoldiswalde nahe Dresden bekannt wie sonst nur wenige. Er ist Stadtfest-Cheforganisator und stellte mit seinen Mitstreitern sogar die große 800-Jahr-Feier der Großen Kreisstadt auf die Beine. Im Technischen Hilfswerk war er Gründungsmitglied und in den vergangenen Jahren immer wieder zur Stelle, als es darum ging, die Stadt vor Katastrophen zu schützen. 

Nun will Dirk Massi, parteilos, 59 Jahre, Oberbürgermeister von Dippoldiswalde werden. Am 26. Mai entscheiden die Wähler, ob sie ihm oder der 47-jährigen CDU-Kandidatin Kerstin Körner, Abteilungsleiterin im Landratsamt, ihr Vertrauen geben.

Beim SZ-Wahlforum am Donnerstag holte nun Massi seine Vergangenheit ein. Vor bald 16 Jahren wurde in Reichstädt ein junger Radfahrer, der nach einem Sturz auf der Straße lag, von einem Auto überrollt. Der Fahrer hielt nicht einmal an. Später wurde Dirk Massi rechtskräftig zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Er soll den Unfall betrunken verursacht zu haben. Die Strafe ist verbüßt, der 59-Jährige kann wählen und ist selbst wählbar. Juristische Einschränkungen gibt es nicht. 

Doch fragen sich Dippoldiswalder, ob Massi charakterlich geeignet ist, Rathaus-Chef zu werden.  "Der Oberbürgermeister ist Leiter der Ortspolizeibehörde, er repräsentiert die Große Kreisstadt. Wie wollen Sie den Bürgern moralisch gegenübertreten?", sagt etwa Andrea Kaden, die Tante des damals getöteten 16-Jährigen. Massi habe für die Tat nie Verantwortung übernommen, es habe keine Entschuldigung bei den Angehörigen gegeben. 

Der OB-Kandidat hat für sich längst einen Schlussstrich gezogen. Er sagte: "Ich habe dafür gebüßt, habe meinen Führerschein verloren, bin nervlich, finanziell in die Gosse gegangen." Er habe viele Rückschläge erlebt, das sei aber auch ein großer Vorteil - wegen der Lebenserfahrung. Eine weitere Frage aus dem Publikum zu der Todesfahrt ließ Massi unbeantwortet. Für seine Ausführungen zuvor bekam er teilweise Applaus.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Wer wird neuer Stadtchef?

Der Sonntag wird spannend in Dippoldiswalde. Die Stadt wählt einen neuen Oberbürgermeister. Die SZ vergleicht beide Kandidaten.

Symbolbild verwandter Artikel

So schlugen sich die Kandidaten auf dem Wahlforum

Dirk Massi hat eine Lösung für den Busbahnhof im Auge. Kerstin Körner macht den Steuerzahlern ein Versprechen.

Über zwei Stunden diskutierten die beiden Kandidaten über ihre Ideen und Konzepte für Dippoldiswalde, welche Investitionen sie vorrangig anpacken wollen und wie sie die Arbeit im Rat und Rathaus verbessern wollen. Die OB-Wahl am 26. Mai findet vorzeitig statt, nachdem der bisherige Verwaltungschef Jens Peter Anfang des Jahres zurückgetreten war.