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Kottmar-Bademeister in Quarantäne

Hartmut Weder reist jedes Jahr nach Südamerika für sein Hilfsprojekt. Jetzt saß er fest und erlebte, wie streng dort die Corona-Regeln überwacht werden.

Hartmut Weder ist Schwimmmeister im Freizeitbad Obercunnersdorf - hier ein Archivbild an seinem Arbeitsplatz. Jedes Jahr reist er nach Südamerika und hilft dort ehrenamtlich in Schulen.
Hartmut Weder ist Schwimmmeister im Freizeitbad Obercunnersdorf - hier ein Archivbild an seinem Arbeitsplatz. Jedes Jahr reist er nach Südamerika und hilft dort ehrenamtlich in Schulen. © Archivfoto: Rafael Sampedro

Hartmut Weder ist wieder zu Hause in Obercunnersdorf - endlich. Das Frühlingswetter kann er aber bisher nur drinnen genießen. Er ist in Quarantäne und zählt damit zu den aktuell 156 Menschen im Landkreis, bei denen das Gesundheitsamt die Isolation angeordnet hat. Noch bis zum Wochenende muss er in der Heim-Quarantäne ausharren. 

Mit Corona infiziert hat sich Hartmut Weder nicht - aber er ist erst vor wenigen Tagen aus dem Ausland wieder nach Hause gekommen, aus Südamerika. Dort war er nicht nur auf Urlaub, sondern für sein eigenes Hilfsprojekt. Er unterstützt Schulen in abgelegenen Dörfern in Bolivien. Die Rückreise wollte er eigentlich schon Mitte März antreten. Doch dann kam Corona dazwischen. Auch in dem südamerikanischen Land gibt es Infizierte und Tote - und deshalb Ausgangssperren, die streng überwacht werden. 

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Regierung droht mit Gefängnis

Gerade als er in Boliviens Nachbarland Peru einreiste, um vom Flughafen Lima Richtung Deutschland zu starten, verhängte dort der Präsident eine landesweite Quarantäne. "Alle Flüge wurden eingestellt, die Überlandbusse fuhren nicht mehr", erzählt Hartmut Weder. 86 Corona-Fälle gab es zu dem Zeitpunkt in der Hauptstadt Lima. Am 16. März suchte sich der Obercunnersdorfer ein Hotelzimmer in der peruanischen Stadt Arequipa, die er noch erreichen konnte. "Hier habe ich dann die nächsten 18 Tage verbracht." 

Wie Hartmut Weder erzählt, wird die Quarantäneregelung dort sehr streng gehandhabt und auch überwacht. Tagsüber konnte man zwar einkaufen gehen, erzählt er. Aber von 18 Uhr abends bis 5 Uhr früh herrschte komplette Ausgangssperre, an die sich jeder zu halten hatte. "Andernfalls riskierte man, ins Gefängnis gesteckt zu werden." Auch die Mundschutzpflicht wurde eingeführt. 

Zurück nach Hause kam der Obercunnersdorfer schließlich durch eine Rückholaktion, die von der deutschen Botschaft organisiert wurde. Betroffene konnten sich bei der Botschaft in Rückhollisten eintragen. "Über 4.000 Deutsche waren zu dem Zeitpunkt in Peru", weiß Hartmut Weder. Aller paar Tage wurden sie über die aktuelle Lage, über Rückflüge und Transporte zu Sammelstellen informiert. Für die südliche Region Perus war die Millionenstadt Arequipa, wo Hartmut Weder untergekommen war, zum Sammelpunkt für rückreisende Deutsche ausgewählt. Alles war sehr gut organisiert von den Botschaftsmitarbeitern, lobt Hartmut Weder. Zu einem kleinen Abenteuer geriet die Rückreiseaktion dennoch. Denn, bewegte man sich in den Straßen, musste man immer damit rechnen von Polizei oder Militär kontrolliert zu werden. Für seinen Weg zum Sammelpunkt benötigte Hartmut Weder sogar einen Passierschein. "Dabei war der von meiner Unterkunft nur gut einen Kilometer entfernt." 

In 15 Stunden bis Frankfurt

Mit 300 Anderen wurde er zum Flughafen gebracht, zunächst ging es nach Santiago de Chile und von dort weiter nach Deutschland. "Bevor wir in den Großraumflieger steigen durften, wurde bei jedem wieder die Temperatur an der Stirn gemessen", erzählt der Obercunnersdorfer. 15 Stunden später landete er in Frankfurt. Mit dem Zug reiste Hartmut Weder weiter nach Berlin und in die Oberlausitz. Dass man sich nach der Rückkehr beim zuständigen Gesundheitsamt melden soll, hatte er im Internet gelesen. Die Görlitzer Behörde ordnete bei ihm auch einen Corona-Test an, der negativ ausfiel. 

Auch, wenn Corona dazwischen kam, seine Hilfe in Südamerika hat das nicht beeinflusst. Seit vielen Jahren reist Hartmut Weder regelmäßig dorthin. Zunächst wollte er sich die Länder ansehen und spanisch lernen. Schließlich hat der Bademeister über die Wintermonate Zeit. Arbeitet er im Sommer oft abends länger und auch an den Wochenenden im Obercunnersdorfer Bad, hat er im Winter umso mehr Freizeit.

Auf seinen Reisen nach Peru und Bolivien kam er auch in den Dschungel und sah, unter welchen kargen Bedingungen die Kinder dort lernen müssen. "Das hat mich geärgert, dass sie so wenig Ausstattung haben." Es fehlt an Stiften und allen möglichen Unterrichtsmaterialien. Hartmut Weder wollte helfen - und startete vor zehn Jahren sein eigenes Hilfsprojekt. Inzwischen verbringt er einen Großteil seiner jährlichen Südamerika-Reisen damit, Unterrichtsmittel und auch Spielzeug, wie zum Beispiel Bälle, in die Dorfschulen zu bringen. 

Ein Klassenzimmer in einer Dorfschule. Solche Einrichtungen unterstützt Hartmut Weder mit Schulmaterialien. 
Ein Klassenzimmer in einer Dorfschule. Solche Einrichtungen unterstützt Hartmut Weder mit Schulmaterialien.  © privat
Eine Dorfschule im Örtchen Alto Colorado.
Eine Dorfschule im Örtchen Alto Colorado. © privat
Hartmut Weder (ganz rechts) verteilt die Schulsachen selbst an Kinder und Lehrer. Alle freuen sich über seine Besuche. 
Hartmut Weder (ganz rechts) verteilt die Schulsachen selbst an Kinder und Lehrer. Alle freuen sich über seine Besuche.  © privat
So werden Lebensmittel und andere Waren transportiert. 
So werden Lebensmittel und andere Waren transportiert.  © privat

Hilfe für über 20 Dörfer

Anfangs bezahlte er die Sachen alle selbst. Inzwischen sammelt er zu Hause in Deutschland übers Jahr Geld. Freunde, Bekannte und andere Förderer unterstützen ihn und spenden dafür. Von dem Geld kauft er dann vor Ort in Südamerika die Sachen: Stifte, Hefte, Kreide für die Lehrer und vieles mehr - und bringt sie selbst in die Schulen. 

Zwei Monate ist er immer in Südamerika unterwegs. Fünf Wochen davon braucht er, um die Schulen zu beliefern. Denn er macht alles allein. In den größeren Städten besorgt er die Schulsachen, reist dann damit in den Dschungel in die Dörfer. Zu seinem Konzept gehört es auch, die Materialien vor Ort zu kaufen. "So ist auch den Händlern dort geholfen." Außerdem wäre der Transport im Flieger durch mehrere Länder umständlich und aufwendig. 

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"Ich unterstütze Schulen 24 indigener Dörfer im Dschungel und in der Pampa am Rio Beni", erzählt Hartmut Weder. Mit einer einzigen Schule fing vor zehn Jahren alles an. Immer mehr kamen hinzu, denen Weder seine Hilfe anbot. Und die kommt gut an, Kinder und Lehrer freuen sich über seine Besuche. Der Obercunnersdorfer selbst freut sich über Unterstützer, die mit Geldspenden seinem Projekt helfen. Wer helfen will, kann sich direkt an Hartmut Weder wenden, per Mail: [email protected].de.

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