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Oberkörper frei

Michael Hefele gehört zu Dynamos wackeren Jungs, die vor der Partie in Münster nicht kränkeln. Dabei verstößt gerade er gegen die Kleiderordnung.

© Robert Michael

Von Sven Geisler

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Mit Steven Rupprich bleibt ein weiterer Stammspieler der vergangenen Jahre dem Team von Eislöwen-Cheftrainer Bradley Gratton erhalten. 

Die Kritik entlockt ihm nur ein leichtes Grinsen. Dabei müsste sich Michael Hefele angesprochen fühlen, als Stefan Böger an die Eigenverantwortung der Profis appelliert und sie daran erinnert, die zur Jahreszeit passende Kleidung zu tragen. „Es sollte jedem klar sein, dass wir uns im Winter befinden“, sagt Dynamos Trainer. „Mütze, Schal und Handschuhe gehören nun mal dazu. Aber das ist offenbar doch nicht jedem klar.“ Und deshalb seine gute Laune getrübt: „Die hängt auch davon ab, wie es meinen Spielern geht.“

Ausgerechnet in der letzten Woche vor dem Punktspielstart konnte Böger sein Programm nicht wie geplant durchziehen, weil sich einer nach dem anderen krank meldete. Dennis Erdmann und Marvin Stefaniak konnten am Freitag wieder mitmachen. Dafür fehlten Benjamin Kirsten, der am Donnerstagabend sein Comeback im Testspiel der zweiten Mannschaft gegen Bischofswerda (2:2) gegeben hatte, Justin Eilers und Cristian Fiel.

„Am Spieltag brenne ich sowieso“

Und so teilt Böger die Mannschaft in vier Gruppen ein: Langzeitverletzte, Grippekranke, Trainingsrückständler und „die 14 wackeren Jungs, die voll trainiert haben“. Hefele grinst, denn er gehört vor der Partie am Sonntag bei Preußen Münster zu Letzteren. Dabei ist der Vizekapitän kein gutes Vorbild, was die Kleiderordnung betrifft. Er spielt nicht nur bei jedem Wetter in einem kurzen Trikot. „Am Spieltag brenne ich sowieso.“ Er trägt auch sonst bei Minusgraden am liebsten nur ein T-Shirt unter der Jacke. „Ich mag dieses langärmelige Zeug nicht“, erklärt der 24-jährige Bayer, der den Dresdner Winter sowieso als „sehr mild“ empfindet, so ohne Frost und Schnee.

Wenn er zu Hause bei offenem Fenster mit nacktem Oberkörper rumläuft, beschwert sich zwar seine Freundin manchmal, was kaum an dem Anblick liegen dürfte; zusätzliche Einheiten im Fitnessstudio braucht Abwehrrecke Hefele keinesfalls. Sie sorgt sich um sein Wohlbefinden. Doch er bleibt cool. „Ich mag es eben ein bisschen kälter. Im Auto habe ich 17, 18 Grad eingestellt, egal, was für Wetter ist.“

Einen Rüffel vom Trainer muss Hefele trotzdem nicht fürchten, schließlich ist er bisher gesund geblieben. „Jeder hat ein anderes Kälteempfinden“, meint Böger, der sich wundert, wenn Spieler im kurzen Trikot, aber mit Handschuhen auflaufen. „Was das bringen soll? Na ja, jeder mag seinen eigenen Style.“ Entscheidend ist jedoch, wer auf dem Platz steht. Hefele steht. Für den Trainer hat sich allerdings binnen einer Woche die Ausgangslage grundlegend geändert. War Böger nach dem Test gegen FK Teplice von Härtefällen bei seiner Personalauswahl für das Münster-Spiel ausgegangen, muss er jetzt Ersatzlösungen finden. Er formuliert das anders, passend zur Grundstimmung: positiv und angriffslustig. „Auch wenn der eine oder andere ausfällt, der fest eingeplant war: Das eröffnet den jungen Wilden die Möglichkeit, sich zu beweisen.“

Wie viele Nachrücker tatsächlich in Münster auflaufen, bleibt abzuwarten. Böger hofft, dass sich Fiel und Eilers rechtzeitig zum Abschlusstraining am Sonnabendvormittag gesund melden. „Ich möchte aber keine halbfitten Spieler mitnehmen und einen Rückschlag riskieren. So wichtig ist das Spiel nun auch wieder nicht“, sagt der 48-Jährige vor dem Duell des Tabellenvierten beim -zweiten. „Wir haben eine richtig gute Ausgangsposition vor dem Rest der Serie. Dafür mussten wir eine Menge leisten“, meint Böger. „Dort gilt es weiterzumachen, kein Spiel zu verschenken.“

Er verschwendet keinen Gedanken daran, dass die Partie wegen des Wintereinbruchs in Nordrhein-Westfalen abgesagt werden könnte. Die Rasenheizung in Münster läuft auf Hochtouren. „Wir sind bereit, wollen spielen, wollen siegen“, sagt der Trainer trotz der Fragezeichen um die Einsatzbereitschaft einiger Stammkräfte.

Münster holt Ex-Dynamo Schulz

Mit Verstärkung kann Böger wohl nicht mehr rechnen. Als „höchst unwahrscheinlich“ bezeichnet Sportchef Ralf Minge einen weiteren Neuzugang bis zum Ablauf der Transferfrist am Montag. Münster dagegen verpflichtete am Freitag Thorsten Schulz. Der Außenverteidiger war trotz eines gültigen Vertrages bei Dynamo nach dem Abstieg für geschätzt 80 000 Euro Ablöse zu Erzgebirge Aue gewechselt, um weiter zweite Liga spielen zu können. Doch bei den „Veilchen“ kam der 30-Jährige nur dreimal zum Einsatz, zog sich zudem eine Sprunggelenkverletzung zu. Nun wolle er sich wieder für höhere Aufgaben empfehlen, kündigt Schulz an. Zumindest dieser Anspruch verbindet ihn noch mit Dynamo.

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