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Oberland auf Wolke Sieben

Bildung. Am Tag Eins nach der Entscheidung zum Schulnetz: Neukirch plant mit, Demitz ohne Mittelschule. – Schiebock ringt weiter um Goldbach.

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Von Gabriele Naß

Neukirchs Bürgermeister Gottfried Krause hatte gestern einen Platz auf Wolke Sieben. Ja, er freue sich sehr, dass sich der Kreistag für die Variante des Erhalts von drei Mittelschulen im Oberland und damit auch für Neukirch entschieden hat, sagte er. (SZ, 31.5.,S.11).

Auf eine Entscheidung in diesem Sinne hatte ganz Neukirch gehofft. Selbstverständlich war sie nicht, das räumte gestern auch Bürgermeister Krause ein. Keine Schule habe es verdient, dass sie geschlossen wird, alle seien gut. Dass die Nachbarmittelschule Wilthen im Oberland derzeit keinen Mitwirkungsentzug des Kultusministeriums zu befürchten hat, weil genug Kinder angemeldet werden, und der Kreis das Haus erst 2009 schließen will, macht Neukirch nicht nervös. Gottfried Krause: „Das lässt uns Gestaltungsspielraum.“

Gestalten will Neukirchs Bürgermeister natürlich jetzt vor allem im Sinne seiner Schule, deren Stärken er gestern noch einmal hervorhob: starkes Gewerbe mit enger Bindung zur Schule, gute Schuljugendarbeit und intensiver Kontakt zum Jugendhaus im Ort. Darüber, dass solche Standortfaktoren das Kultusministerium, wenn überhaupt, nur am Rande interessieren, ist man sich in Neukirch allerdings auch im Klaren. Darum heißt es jetzt, Nägel mit Köpfen zu machen. So kündigte der Bürgermeister an, er werde sich mit dem Landkreis zunächst darum bemühen, dass die Dresdener Schulbehörde ihre Entscheidung gegen die Einrichtung einer fünften Klasse in der Mittelschule Neukirch für das Schuljahr 2005/2006 rückgängig macht. Zudem wolle er ab sofort für die neue fünfte Klasse „offensiv werben“.

Die Fühler streckt Neukirch auch in Richtung Demitz-Thumitz aus, wo die Schule 2006 geschlossen wird. Wohl wissend, dass die Schulbehörden, die Demitzer Schulkinder möglichst geschlossen nach Bischofswerda Süd umlenken wollen und so aller Voraussicht nach auch die Schulbusse organisiert werden. Im Zweifel könne er sich vorstellen, dass die Gemeinde einen eigenen Kleinbus einsetzt, um Kindern aus dem ländlichen Umland die Chance zu geben, ohne Probleme Neukirch zu erreichen, sagte Krause.

Demitz schaut nach vorn

Solche Aufgaben wie sein Amtskollege würde jetzt am liebsten auch der Demitzer Bürgermeister Horst Wittholz erledigen, doch das wird ihm verwehrt. Am Montag unternahm er im Kreistag einen allerletzten Versuch, seine Mittelschule zu retten und fragte die Kreisräte unter anderem: Ist Ihnen bekannt, das der Gemeinderat Demitz-Thumitz eine strukturelle Standortentscheidung zu Gunsten einer ländlichen Mittelschule im Raum Bischofswerda zu Lasten einer zweiten Mittelschule in Bischofswerda gefordert hat?“ Es half alles nichts.

Im Gemeinderat am Montagabend einigten sich die Demitzer darauf, auf eine Klage gegen die Schulschließung zu verzichten und jetzt mit aller Kraft „einen geordneten unserer Schüler in andere Schulen“ zu organisieren. Verbittert ist Demitz dennoch. „Wir hätten es besser gefunden, die Schule auslaufen zu lassen“, sagte Elternsprecher Heiko Söhnel und Bürgermeister Wittholz wiederholte: „Alle müssen wissen, dass wir uns nicht an der Finanzierung einer anderen Schule beteiligen werden.“ Bei der Nutzung der erst vor zehn Jahren gebauten Sporthalle in Demitz bietet Horst Wittholz der Stadt Bischofswerda die Zusammenarbeit an. Was aus dem Gebäude der Demitzer Mittelschule wird, ist klar: Hierher soll die Grundschule Demitz umziehen. Wer noch einzieht, sei zu klären, genauso die Frage, wie für die Grundschule notwendige Umbauten finanziert werden, so Horst Wittholz.

In Bischofswerda hat gestern Abend der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, heute Klage gegen den Bescheid des Kultusministeriums einzureichen, in Goldbach keine erste Klasse bilden zu dürfen. Der Bildung eines gemeinsamen Schulbezirkes für die Grundschulen Kirchstraße, Süd und Goldbach stimmten die Abgeordneten zu. Das eröffnet jetzt unter anderem die Chance, dass Eltern aus Bischofswerda, die eine ländliche Schule bevorzugen, Goldbach wählen können. Die neue erste Klasse soll Goldbach verwehrt werden, weil nicht, wie im Gesetz gefordert, 15 Kinder angemeldet wurden.