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Oberlausitz: Weniger Kurzarbeit im Juli

Der Arbeitsmarkt erholt sich von der Corona-Krise: Nur noch wenige Chefs melden verkürzte Arbeitszeiten an. Und es gibt wieder mehr freie Stellen.

Auch Steffi Kahmann von der Nordsee-Filiale im Bautzener Kornmarkt-Center kann wieder für ihre Kunden da sein. Viele Geschäfte hatten wegen Corona geschlossen und die Zeit mit Kurzarbeit überbrückt.
Auch Steffi Kahmann von der Nordsee-Filiale im Bautzener Kornmarkt-Center kann wieder für ihre Kunden da sein. Viele Geschäfte hatten wegen Corona geschlossen und die Zeit mit Kurzarbeit überbrückt. © Steffen Unger

Bautzen. Die Corona-Krise auf dem Arbeitsmarkt in den Landkreisen Bautzen und Görlitz scheint überwunden. Das belegen die neuesten Zahlen aus der Arbeitsagentur Bautzen.

Am augenfälligsten ist der Rückgang der Kurzarbeitsmeldungen. Im Juli meldeten noch 61 Chefs von Firmen und Behörden für insgesamt 898 Beschäftigte Kurzarbeit an. Zum Vergleich: In den Monaten März bis Juni wurden im Agenturbezirk Bautzen 6.584 Anzeigen über Kurzarbeit gestellt und geprüft. Hinter diesen Anzeigen standen insgesamt 71.634 Arbeitnehmer. 

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In wie vielen Unternehmen und Ämtern seit März wirklich kurzgearbeitet wurde, vermag die Agentur jedoch noch nicht zu sagen. Sprecherin Dana Kostroa gibt zu bedenken: "Erst, wenn im Betrieb tatsächlich kurzgearbeitet wird, kann der Betrieb innerhalb von drei Monaten die erforderliche Abrechnungsliste einreichen. Erst danach liegen endgültige Daten dazu vor, wie viele Personen tatsächlich in Kurzarbeit waren, in welcher Branche und wie groß der Arbeitsausfall war." 

Diese Abrechnungslisten würden die Arbeitgeber bei der Agentur nur zaghaft einreichen, auch für den März, obwohl der erste Corona-Monat nun schon wieder über ein Vierteljahr zurückliegt. "Eine seriöse Zahl, wie viele Menschen in den vergangenen Monaten tatsächlich kurzgearbeitet haben, können wir noch nicht nennen", sagt die Agentursprecherin.

Arbeitslosenzahl nur leicht gestiegen

So wurde teilweise auch Kurzarbeit angemeldet, ohne dann davon Gebrauch machen zu müssen. Beispielsweise hatte der Bombardier-Konzern Kurzarbeit signalisiert, laut Sprecherin Janet Olthof dann aber darauf verzichtet. Indes konnten vor allem Handel und Gastronomie nicht auf dieses arbeitsmarktpolitische Instrument verzichten - und können es zum Teil bis heute nicht vollständig. Nach Informationen von Sächsische.de wird beispielsweise in Modegeschäften teilweise noch verkürzt gearbeitet, weil Kunden-Zuspruch und Umsatz noch keine Vollzeit-Arbeit für alle Beschäftigten rechtfertigen.

Ein weiteres Indiz dafür, dass es dem Oberlausitzer Arbeitsmarkt wieder besser geht: Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juli nur noch leicht auf 18.534 gestiegen, 28 mehr als im Juni. Rückblende: Im April war die Arbeitslosenzahl um 1.147 gegenüber dem Vormonat gestiegen, im Mai um 387. Im Juni gab es schon einen leichten Rückgang gegenüber Mai. Wenn die Juli-Zahl nun wieder etwas höher liegt als im Juni, liegt das auch am Schuljahresende. Wie in jedem Jahr haben sich auch diesmal viele Schulabsolventen erst einmal arbeitslos gemeldet, ehe sie im Spätsommer eine Ausbildung oder ein Studium beginnen.

Wer bis jetzt noch keinen Lehrvertrag unterschrieben hat, kann auf ein baldiges Ende des Schwebezustandes hoffen. Im Bereich der Arbeitsagentur Bautzen sind aktuell noch 1.052 Schüler auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Dem gegenüber stehen 1.271 freie Lehrstellen. Die meisten gibt es in den Bereichen Rohstoffgewinnung/Produktion/Fertigung sowie kaufmännische Dienstleistungen/Handel/Vertrieb/Tourismus.

Derzeit mehr als 4.000 freie Stellen

Von Oktober 2019 bis Juli 2020 meldeten sich reichlich 3.050 Jugendliche bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit oder den Jobcentern der Landkreise Bautzen und Görlitz und ließen sich bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz beraten und helfen. Gleichzeitig akquirierte der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur Bautzen 2.653 betriebliche Ausbildungsstellen. Das sind 16 mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

"Unser Augenmerk richtet sich weiter auf die berufliche Zukunft junger Menschen - einerseits am Übergang von der Schule in den Beruf, andererseits am Übergang von der abgeschlossenen Ausbildung ins Berufsleben", sagt Agenturchefin Kathrin Groschwald. Vor allem mit Aktionstagen und Hotlines zur Beratung will das Amt Jugendliche bei der Ausbildungs- und Arbeitssuche unterstützen. "Sie sind die Fachkräfte, auf die wir morgen bauen."

Die Chancen, nach Arbeitslosigkeit oder Lehre einen Job zu finden, stehen derzeit in der Oberlausitz nicht schlecht. Allein im Juli wurden der Arbeitsagentur Bautzen insgesamt 824 freie Stellen gemeldet, das waren 115 mehr als im Juni. Gegenüber dem Vormonat stieg die Nachfrage nach Arbeitskräften im Gesundheits- und Sozialwesen, im Bereich der Zeitarbeit sowie im verarbeitenden Gewerbe an. Dagegen ging die Arbeitskräfte-Nachfrage vor allem im Bereich der freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen zurück. Aktuell können die Mitarbeiter der Arbeitsagentur auf knapp 4.380 freie Jobs zurückgreifen, das sind genau 100 mehr als im Juni.

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