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Oberlausitzer Bauern legen Berlin lahm

Mit rund 120 Traktoren aus etwa 80 Betrieben fahren Landwirte aus dem Kreis Görlitz zum Protest in die Hauptstadt. Wer und was steckt dahinter?

Kein Durchkommen: Bei der Bauerndemo durch Görlitz am 22. Oktober war in der Innenstadt kaum ein Durchkommen.
Kein Durchkommen: Bei der Bauerndemo durch Görlitz am 22. Oktober war in der Innenstadt kaum ein Durchkommen. © Nikolai Schmidt

Die Bilder des jüngsten Bauernprotestes am 22. Oktober waren beeindruckend: Ein Korso aus 120 Traktoren aus dem ganzen Kreis legte den Verkehr in Görlitz und vor allem vor dem Landratsamt lahm. Was nun kommt, ist nach Angaben des Kemnitzer Landwirts Hagen Stark aber um einige Nummern größer: Am Dienstag werden 7.000 Traktoren und etwa 20.000 Demonstranten den Berliner Alltag zum Stillstand zwingen. Darunter werden erneut etwa 120 Traktoren aus etwa 80 Betrieben aus dem ganzen Landkreis Görlitz sein, gemeinsam mit den Teilnehmern aus dem Kreis Bautzen komme man sogar sicher auf 200 Traktoren, schätzt Mitorganisator Stark ein.

Organisiert wird die Trecker-Demo vom Verein "Land schafft Verbindung". Worum es dabei geht, lässt sich grob mit drei großen Zielen zusammenfassen: "Uns geht es erstens um das Agrarpaket, das unter anderem eine erneute Verschärfung der Düngeverordnung vorsieht, zweitens um die permanente Stimmungsmache gegen uns Bauern und drittens um das geplante Mercosur-Handelsabkommen mit der EU, wo südamerikanische Staaten ihren Markt für Europa öffnen wollen", erklärt der Kemnitzer Landwirt. Gerade bei Letzterem fürchten die Bauern, dass billiges - und keineswegs tier- und umweltfreundlich produziertes - Fleisch den deutschen Markt überschwemmt. "Allein durch die Ankündigung dieses Handelsabkommens, sind die Kälberpreise rapide gefallen", skizziert Hagen Stark die Lage.

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Bemerkenswert an der neuen Bewegung "Land schafft Verbindung", die seit 6. November in Sachsen als eingetragener Verein geführt wird, ist die Einmütigkeit, mit der sich die Bauern hier versammeln: Sie stammen aus verschiedenen Zweigen der Landwirtschaft - vom Milchbauern bis zum Imker und Förster - und kommen aus allen Regionen des Kreises und des Landes: "Wir haben sowohl Biobauern als auch konventionell arbeitende Landwirte bei uns", betont Hagen Stark, der stellvertretender Vorsitzender des neuen Vereins in Sachsen ist. 

Die derzeitige Umwelt- und Agrarpolitik gefährde nicht die Wirtschaftskraft der Unternehmen, sondern auch den sozialen Frieden - darin sind sich die Mitstreiter einig. Starks Ansicht nach liege die große Resonanz vor allem am Leidensdruck der Landwirte, aber auch daran, dass der Verein sich als parteineutral und verbandsoffen versteht. So finden auch Unternehmen, die nicht im Bauernverband sind, den Weg zu "Land schafft Verbindung".

Der Kemnitzer Landwirt Hagen Stark ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins "Land schafft Verbindung" Sachsen und organisiert die Proteste mit.
Der Kemnitzer Landwirt Hagen Stark ist stellvertretender Vorsitzender des Vereins "Land schafft Verbindung" Sachsen und organisiert die Proteste mit. © André Schulze

Der Bauernverband unterstützt Protest und Demo in Berlin aber ebenfalls. Rainer Peter, Geschäftsführer dieser Vereinigung in der Oberlausitz, bestätigt, dass man bei der Finanzierung von Bussen helfe, um Demoteilnehmer nach Berlin zu bringen. "Die aktuellen Schwierigkeiten betreffen alle Betriebe, egal, ob groß oder klein, wir finden den Protest richtig", sagt Peter, der auch schon den stillen Protest der grünen Kreuze auf den Feldern in der Region als Achtungszeichen begrüßt hatte.

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Dass sich die Bauern ihren Protest etwas Kosten lassen - Zeit und Geld - zeigt ebenfalls, wie wichtig ihnen das Thema ist: "Mit den Dieselkosten für einen großen Traktor und dem Arbeitsausfall legt man schon einen Tausender hin", kalkuliert Hagen Stark. Um Dienstagmittag pünktlich um 12 Uhr in Berlin am Brandenburger Tor zu sein, müssen die Traktoren zwölf Stunden vorher losfahren. Welche Route sie einschlagen - ob Autobahn oder Landstraße - war zuletzt noch unklar. Die rund 200 Traktoren aus der Oberlausitz werden sich dann in den großen Konvoi einreihen und auf der Straße des 17. Juni und Unter den Linden buchstäblich alles zum Erliegen bringen. Sternförmig fahren die Traktoren aus allen Regionen Deutschlands in Berlin ein und bilden am Ende eine Trecker-Kette von zehn Kilometer Länge.

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