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Wie es den Fischern im Corona-Jahr geht

Bisher hat das Virus die Arbeit der Oberlausitzer Teichwirte kaum beeinflusst. Doch in den nächsten Wochen könnte sich das ändern.

Die Teichwirtschaft Ringpfeil hat schon mit dem Abfischen begonnen. Diesen prächtigen Karpfen holte Karsten Ringpfeil am Freitag aus dem Oberen Bleichenteich bei Wartha.
Die Teichwirtschaft Ringpfeil hat schon mit dem Abfischen begonnen. Diesen prächtigen Karpfen holte Karsten Ringpfeil am Freitag aus dem Oberen Bleichenteich bei Wartha. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Wenn die Tage kürzer und die Nächte kälter werden, legt sich der Duft von frischem Fisch über die Oberlausitzer Teichlandschaft. Das ist so seit Jahrhunderten, und das wird auch im Corona-Jahr 2020 so sein.

Das Virus hat die Arbeit der Teichwirtschaften bisher kaum beeinflusst, sagt Andreas Stummer. Er ist selbst Fischwirt und führt die Geschäfte des sächsischen Landesfischereiverbandes, zu dem etwa 250 Betriebe gehören. Die meisten davon bewirtschaften die Chefs allein oder mit ganz wenigen Angestellten, die immer genug Abstand zueinander halten können. Etwa jede dritte Teichwirtschaft im Freistaat befindet sich im Landkreis Bautzen, weiß Stummer.

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Corona gefährdet Fischerfeste im Herbst

Im Frühjahr konnten die Fischhändler keine Hotels und Gaststätten beliefern, weil diese schließen mussten. Da aber in diesem Jahr mehr Deutsche ihren Urlaub im Inland oder gleich zu Hause verbringen, kaufen sie auch mehr in der Heimat ein. Hofläden spüren eine gestiegene Nachfrage.

In den nächsten Wochen könnte sich Corona aber doch noch als Problem erweisen. Die  Fischerfeste im Herbst gehören sonst zu den wichtigsten wirtschaftlichen Standbeinen. Doch in diesem Jahr werden diese entweder gar nicht oder nur mit weniger Besuchern stattfinden können, ahnt Andreas Stummer.

Lausitzer Fischwochen finden statt

Noch steht auch nicht fest, wie viele öffentliche Veranstaltungen im Rahmen der diesjährigen Lausitzer Fischwochen stattfinden. Immerhin: Die Fischwochen gibt es. Vom 19. September bis 1. November gibt es in mehr als 30 Gaststätten und Teichwirtschaften der Region Gerichte mit heimischem Fisch, Exkursionen zu Teichen und auch Fischerfeste. Aber ob sie im Kalender bleiben, entscheidet jeder Betrieb selbst, erklärt Lisa Willenberg von der Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien. Zum Beispiel steht fest, dass Deutschbaselitz am 3. Oktober sowie die Teichwirtschaften in Rammenau und Petershain am 31. Oktober zum Abfischen einladen wollen.

Corona könnte also für die Fischwirte immer noch zum Problem werden, die Dürre ist es nach drei trockenen Sommern in Folge bereits. "Die Lage ist brisant", sagt Markus Stecher, Geschäftsführer der Teichwirtschaft Weißig bei Kamenz. Schon im Frühjahr hätten die Teiche zu wenig Wasser geführt. Jetzt laufen "jeden Morgen die Notstromaggregate, um Notbelüftung in diversen Teichen zu sichern. Eine ganze Reihe von Teichen wurde bereits notgefischt, liegt trocken oder ist ausgetrocknet." Notabfischung heißt, dass die Tiere noch gerettet werden und in einem anderen Gewässer weiterleben können.

Karpfen verkraften Wärme gut

Auf ihr Hoffest zum Abfischen am 10. Oktober möchten die Weißiger nicht verzichten. Dagegen veranstaltet Teichwirt Karsten Ringpfeil aus Wartha bei Königswartha dieses Jahr wahrscheinlich kein Fischerfest. Das fand sonst immer am Ballackteich bei Lohsa statt. "Aber wir müssten dort zum Beispiel den Zugang begrenzen, für so  hohe Aufwendungen habe ich im Herbst weder Zeit noch Personal."

In Ringpfeils Hofladen gibt es natürlich Fisch zu kaufen. Die diesjährige Ernte verläuft durchwachsen, erklärt der 45-Jährige. Schon im Juli musste er mangels Wasser anfangen, die ersten sechs seiner mehr als 50 Teiche notzufischen. Nach den jüngsten Niederschlägen hat sich die Lage etwas entspannt. An diesem Freitag fischte Karsten Ringpfeil mit seinen Leuten im Oberen Bleichenteich bei Wartha, "da war ich hochzufrieden". 

Mit hohen Wassertemperaturen kommt der Karpfen als sächsischer Fisch Nummer eins "ganz gut zurecht", sagt Andreas Stummer vom Landesfischereiverband. Trotzdem "hat die Trockenheit negative Auswirkungen". Denn manche Teiche bekommen ihr Wasser nicht aus einem Zufluss, sondern sind auf Niederschläge angewiesen. Und genau dort fehlt Wasser. Diese Teiche müssen die Fischwirte notfischen. Zudem haben Reiher, Fischotter und Co. in Teichen mit niedrigem Wasserstand leichtes Spiel.

Abfischsaison startet in Königswartha

Stummers Fazit: "In Teichen mit guter Wasserversorgung können in warmen Jahren gute Ergebnisse erzielt werden, in Teichen mit Wassermangel sind jedoch schlechte Ergebnisse zu erwarten. In den letzten beiden Jahren haben sich beide Effekte ungefähr ausgeglichen. Dieses Jahr erwarten wir eine ähnliche Situation."

Allein rund 1.700 Tonnen Karpfen ernten Sachsens Fischer jährlich. Schleie, Hecht, Zander und alle anderen kommen zusammen auf 300 bis 500 Tonnen. Die sächsische Karpfensaison startet am 12. September in Königswartha wie immer mit Politprominenz. 

Viele Teichwirte finden keinen Nachfolger

Die soll, fordern die Teichwirte, mehr an die Sorgen der Betriebe denken. Der Landesfischereiverband bringt einige davon auf den Punkt: Teichwirte haben mit ihrer Arbeit eine Kulturlandschaft geschaffen, die weithin unter Schutz steht - doch genau deshalb dürfen die Flächen nur eingeschränkt bewirtschaftet werden. Eine weitere Sorge: Schafhalter etwa können bei Wolfsrissen eine Entschädigung bekommen, Teichwirte bleiben auf den Schäden durch Fischfresser sitzen. 

Noch eine Sorge treibt viele Chefs um: Sie finden keinen Nachfolger. Zwar gebe es jedes Jahr Lehrlinge - doch die meisten Ausgelernten würden sich dann einen anderen Beruf suchen. "Klar, wenn man  Gabelstapler fährt, ist das stressfreier, man bekommt mehr Geld, und die Arbeitszeiten sind geregelter", sagt der Landesgeschäftsführer. Zwar sei der Beruf des Fischwirtes sehr interessant und vielfältig - doch die Politik müsse etwas tun, um ihn attraktiver zu machen.

Diese Karpfen wurden am Freitag in Wartha bei Königswartha abgefischt.
Diese Karpfen wurden am Freitag in Wartha bei Königswartha abgefischt. © SZ/Uwe Soeder
Nachdem die Fische aus dem Wasser gezogen wurden, kamen sie in große Bottiche.
Nachdem die Fische aus dem Wasser gezogen wurden, kamen sie in große Bottiche. © SZ/Uwe Soeder
Wildes Zappeln im Netz. Die Fischer halten die Netze hoch, damit kein Tier entwischt.
Wildes Zappeln im Netz. Die Fischer halten die Netze hoch, damit kein Tier entwischt. © SZ/Uwe Soeder
Nur mit wasserdichter Bekleidung kann die Arbeit bewältigt werden.
Nur mit wasserdichter Bekleidung kann die Arbeit bewältigt werden. © SZ/Uwe Soeder
Uwe Ringpfeil, bis  2013 Chef der Teichwirtschaft, beobachtet das Abfischen und fasst selbst mit an.
Uwe Ringpfeil, bis  2013 Chef der Teichwirtschaft, beobachtet das Abfischen und fasst selbst mit an. © SZ/Uwe Soeder
Karsten Ringpfeil leitet jetzt den Fischereibetrieb in Wartha.
Karsten Ringpfeil leitet jetzt den Fischereibetrieb in Wartha. © SZ/Uwe Soeder
Technik hilft beim Herausheben der Netze.
Technik hilft beim Herausheben der Netze. © SZ/Uwe Soeder
Was zappelt da im Netz?
Was zappelt da im Netz? © SZ/Uwe Soeder
Keine leichte Arbeit für die Fischer der Teichwirtschaft.
Keine leichte Arbeit für die Fischer der Teichwirtschaft. © SZ/Uwe Soeder
Alle Fische kommen auf das Band.
Alle Fische kommen auf das Band. © SZ/Uwe Soeder
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Können die Fischer zufrieden sein? © SZ/Uwe Soeder
Welch ein Gewimmel im Netz. 
Welch ein Gewimmel im Netz.  © SZ/Uwe Soeder

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