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Oberlausitzer Internetportal trotzt Facebook

Die Plattform „Snapscouts“ behauptet sich im Schatten des Branchen-Primus. Mitbegründer Sven Pommer verrät, wie das geht.

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Von Tobias Hoeflich

Eine Milliarde Nutzer. Diese Schallmauer hat das Internet-Netzwerk Facebook kürzlich durchbrochen. Die Macher von Snapscouts können davon nur träumen. Und doch ist es eine kleine Erfolgsgeschichte, die sich seit Jahren an der Neiße abspielt. Sven Pommer erzählt sie gern. Nicht weil Snapscouts viel Gewinn abwirft. Sondern weil es das Hobby des Großschönauers ist. 2003 rief der 31-Jährige das Netzwerk mit den Brüdern Thomas und Carsten von Skrbensky aus Görlitz ins Leben. „Wir haben das Rad sicher nicht neu erfunden“, gibt Sven Pommer zu. „Aber bei uns steht der lokale Aspekt im Vordergrund.“

Die Idee: Auf der Internetplattform finden sich Veranstaltungen in der Region. Hobby-Fotografen machen für Snapscouts Fotos von den Gästen – die am nächsten Tag die Party-Schnappschüsse sehen wollen. „Das ist das Tolle an sozialen Netzwerken“, findet Pommer. Er ist auch Mitglied bei den Görlitzer Wirtschaftsjunioren. „Es ist keine einseitige Kommunikation, sondern ein Miteinander.“

Und dieses Miteinander fand immer mehr Anhänger. Snapscouts breitete sich aus: von der Neiße bis nach Dresden, inzwischen ganz Sachsen, auch Südbrandenburg. Neunköpfig ist mittlerweile das Team, alle hobbymäßig engagiert, dazu mehrere Dutzend Fotografen. „Es gab Zeiten, da verzeichneten wir 1 000 neue Anmeldungen wöchentlich“, erinnert er sich. Durch Facebook hat sich die Entwicklung abgeschwächt, rund 200 000 Mitglieder sind dennoch aktiv.

Inzwischen hat sich Sven Pommer in Zittau mit einer Werbeagentur selbstständig gemacht, beschäftigt dort zwei weitere Angestellte. Er profitiert von seinen Erfahrungen mit Snapscouts. Denn auch für Firmen werden soziale Netzwerke immer wichtiger, vor allem Facebook. Um sich zu präsentieren, zu werben, in Kontakt mit Kunden zu stehen. Pommer arbeitet für Dutzende Unternehmen in der Region und erstellt deren Facebook-Profil im Internet. Große Namen sind darunter: die Sparkasse etwa oder der Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien.

Facebook-Seiten für Firmen erstellen, das macht inzwischen fast 20 Prozent der Aufträge aus. „Wie eine Website sollte man auch die Facebook-Präsenz von Experten machen lassen“, sagt Pommer. Und Frank Großmann von der Industrie- und Handelskammer bestätigt das: „Unternehmen stehen mit der Nutzung von Facebook und Co. noch in den Anfängen.“ Doch bieten die Netzwerke für sie eine große Chance. „Gerade in so einer dünn besiedelten Region wie hier ist jeder Kunde wichtig“, sagt Großmann. Facebook sei ideal, Informationen zu streuen und mit Kunden in Verbindung zu bleiben. Weil aber eine Facebook-Seite allein nicht ausreicht, hat Großmann mit Sven Pommer einen Experten vor Ort.

Was es zu beachten gibt und welche Fehler oft gemacht werden, darüber wird der Snapscouts-Mitbegründer bei der IHK aufklären. „Das Seminar richtet sich in erster Linie an Unternehmer und Existenzgründer, aber es ist jeder willkommen“, so Großmann. Bei großem Interesse sind weitere Veranstaltungen denkbar.