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Döbeln

Obstbauern wollen Saisonkräfte halten

Knapp 50 Rumänen und Polen schneiden zurzeit die Bäume. Doch für die Ernte werden die Kräfte nicht reichen.

Der Rumäne Lucian Hertel ist derzeit zum Baumschnitt auf den Plantagen der Klosterobst GmbH in Sornzig unterwegs. Er ist eine erfahrene Saisonkraft und war schon oft im Obstland im Einsatz.
Der Rumäne Lucian Hertel ist derzeit zum Baumschnitt auf den Plantagen der Klosterobst GmbH in Sornzig unterwegs. Er ist eine erfahrene Saisonkraft und war schon oft im Obstland im Einsatz. © Lutz Weidler

Region Döbeln. Damit im Spätsommer und Herbst die Obstbauern reichlich qualitative Äpfel ernten können, werden zurzeit eifrig die Bäume geschnitten. Mit eigenen Kräften kann die Klosterobst GmbH Sornzig das nicht bewältigen. Das Tochterunternehmen der Obstland Dürrweitzschen AG hat sich Hilfe geholt, von Saisonkräften aus Rumänien.

 Sechs sind zurzeit dabei, auf knapp 23 Hektar die Bäume zu schneiden. Das verhindert nicht nur zu kleine Früchte, sondern sorgt auch dafür, dass die Bäume neue Triebe bekommen, erklärt Thomas Arnold von der Klosterobst GmbH.

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Seine sechs Helfer werden bis zur Ernte bleiben. Zu tun gebe es für die Rumänen bis dahin genug, sagt Arnold. „Das war von Anfang an so geplant“, so der Geschäftsführer. Für die Ernte reichen die sechs Rumänen aber nicht aus. „Da brauchen wir 50 Kräfte“, sagt Arnold. Je nach Witterung beginnt zwischen dem 15. und 20. Mai die Ernte der Erdbeeren. Woher bis dahin die Helfer kommen? Arnold weiß es nicht.

„Wir brauchen 250 bis 300 Saisonkräfte, um die Ernte abzusichern“, sagt Jan Kalbitz vom Vorstand der Obstland AG. Im gesamten Unternehmen seien zurzeit 50 Kräfte aus Polen und Rumänen im Einsatz, um die Obstbäume zu schneiden. Ob alle bis zum Beginn der Ernte bleiben, ist ungewiss. 

Die Bemühungen von Kalbitz sind groß, den Helfern vorübergehend Arbeit zu verschaffen, damit sie den Obstbauern erhalten bleiben. Dafür sei er auch mit anderen Firmen im Gespräch, sagt der Vorstand. Normalerweise fahren die Saisonkräfte nach dem Schnitt der Bäume erst einmal wieder nach Hause und kommen dann zur Ernte wieder. 

Damit sie nun aber bleiben, sind die Regelungen für Saisonkräfte gelockert worden. Sie dürfen nun bis 31. Oktober 2020 bis zu 115 Tage sozialversicherungsfrei arbeiten, bisher waren nur 70 Tage möglich, teilte das Landwirtschaftsministerium am Freitag mit. „Einige wollen trotzdem gerne nach Hause, müssten dort aber in häusliche Quarantäne“, weiß Kalbitz.

Nächsten zwei Wochen entscheiden

Fraglich ist, ob sie dann wieder nach Deutschland kommen. Denn seit Mittwoch sind die Grenzen für die Saisonkräfte aus Osteuropa dicht. Wie sich die Situation weiter entwickelt, ist noch unklar. 

Doch die Landwirte und Obstbauern suchen nach einer Lösung. Entscheidend sein werden die kommenden zwei Wochen, sagt Torsten Krawczyk, Präsident des Landesbauernverbandes Sachsen und Landwirt aus Westewitz. Der Verband sei diesbezüglich im Gespräch mit dem Sächsischen Ministerpräsidenten. 

Wenn die Zahl der Corona-Fälle bis nach Ostern nicht weiter steigt, dann soll darüber nachgedacht werden, die Grenzen zumindest sukzessiv für die systemrelevanten Berufsgruppen, auch die Erntehelfer, wieder zu öffnen. Den Spargelbauern, wie sie zum Beispiel dem Spargelhof Schertenleib bei Ostrau, wird das nicht mehr viel helfen. Denn die Ernte des Spargels beginnt meist um die Osterzeit, mitunter schon früher, sagt Krawczyk.

Ein weiterer Weg, der schon eingeschlagen worden ist, sind verschiedene Plattformen im Internet, auf denen sich potenzielle Erntehelfer melden können. Eine dieser Plattformen ist www.daslandhilft.de. Viele Eintragung aus der Region gab es dort, Stand Freitag, noch nicht. 

Auch Jan Kalbitz hat sich auf den Plattformen bereits umgeschaut. „Ein paar Tausend haben sich da schon angemeldet, aber man muss auch sehen, dass sich nicht jeder für die Arbeit eignet“, meint der Vorstand der Obstland Dürrweitzschen AG. Die Arbeit sei körperlich anstrengend, verlange Kondition. Auch logistisch gebe es bei der Ernte einiges zu beachten.

Die Erntehelfer aus Osteuropa hätten da Erfahrung, seien geübt und schnell. Zudem sei es wichtig, dass sich die Helfer über einen längeren Zeitraum engagieren, damit die Abläufe nicht immer wieder neu erklärt werden müssen. Daher ist Kalbitz auch froh, dass jedes Jahr immer auch Erntehelfer zu ihm kommen, die schon einmal da gewesen sind. 

Koordiniert wird deren Einsatz von Agenturen in Rumänien und Polen, erklärt der Obstland-Vorstand. Etwa eine Woche im Voraus trete er mit diesen in Kontakt, wenn der Bedarf an Kräften absehbar sei. Mit Beginn der Erdbeer-Ernte steige der Bedarf an Helfern ständig an.

Saisonkräfte aus der Region gibt es bisher auf der Plattform „daslandhilft“ kaum. „Ich weiß, dass körperlich schwere Arbeit auf mich zukommt. Ich denke mal, das schreckt viele auch von der Arbeit ab“, so ein Helfer aus dem Raum Döbeln, der seine Arbeitskraft dort anbietet.

 Über einen Aufruf im Sozialen Netzwerk Facebook sei er auf die Plattform aufmerksam geworden. Und habe sich direkt angemeldet, auch mit der Hoffnung auf einen kleinen Zuverdienst. Bisher habe sich noch kein Betrieb bei ihm gemeldet. Stattdessen habe er von sich aus den Kontakt, zum Beispiel zu einer Firma nach Ostrau, gesucht.

 Diese habe jedoch keinen Bedarf gehabt. „Die Plattform ist zurzeit überlastet“, sagt der Helfer. Vielleicht seien dadurch auch nicht alle Kontaktversuche durchgekommen.

Vonseiten der Regierung sind zudem die Regelungen für Bezieher von Kurzarbeitergeld sowie für Ruheständler angepasst worden, um auch aus diesen Reihen Helfer zu gewinnen.

 Die Bundesregierung prüft Ausnahmeregelungen für Asylsuchende und Geduldete aus sicheren Herkunftsländern, für die bisher ein Arbeitsverbot gilt, wenn der Asylantrag erst nach dem 31. August 2015 gestellt worden ist.

Lebensmittel drohen zu verderben

Findet sich keine Alternative, dann drohe der Verderb von Lebensmitteln sagt Kalbitz. Noch sei der Schaden durch die Corona-Krise im Obstbau kaum spürbar. Seit dieser Woche fallen die Stände auf den Wochenmärkten weg. Für die einzelnen Mitarbeiter, die davon betroffen sind, gilt es nun, neue Arbeiten zu finden. Ansonsten sei für sie Kurzarbeit denkbar. Die Ware könne in den Hofläden verkauf werden.

In der Landwirtschaft generell sei Schaden derzeit noch nicht zu verzeichnen, sagt auch Torsten Krawczyk. Doch nach Ostern müsse sich die Lage bei den Arbeitskräften ändern. „Passiert das nicht, ist auch in der Landwirtschaft mit Schäden und Produktionsausfällen zu rechnen“, ist der Westewitzer überzeugt.

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