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Oderwitz ist jünger als bisher angenommen

Ortschronisten entdecken in Prag, dass die erste urkundliche Erwähnung von „Odrowitz“ aus dem Jahr 1324 stammt.

Von Angelika Dornich

Oderwitz hat eine etwas verworrene Geschichte. Das stellen die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Ortsgeschichte bei ihren Nachforschungen immer wieder fest. Jetzt unterbreiteten sie dem Gemeinderat sogar eine ganz entscheidende neue Entdeckung: Eine Falschauslegung des Datums der urkundlichen Ersterwähnung.

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Nach den bisherigen Veröffentlichungen über die Ersterwähnung von Oderwitz auf der Grundlage des Zittauer UrkundenbuchesI (1234 bis 1437) würde im Jahr 2020 die 700-Jahrfeier anstehen. Ein genaues Gründungsdatum ist nicht bekannt, denn für einen Ort gibt es keine Geburtsurkunde. Nach dem Verständnis von Ortschronisten ist deshalb die urkundliche Ersterwähnung von besonderer Bedeutung. Die überwiegende Anzahl von Ortsjubiläen bezieht sich so auf die erste nachweisliche schriftliche Überlieferung des Ortsnamens.

Suche führte nach Tschechien

Für den Ortsnamen gibt es im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Schreibweisen, so zum Beispiel Wudrijecz, Odrawitz oder auch Odrowitz. Aber obwohl der Ort bis zum Jahr 1999 schon immer sehr zersplittert war, ist in historischen Dokumenten bei Abgaben an Zittau und Prag nur von Oderwitz die Rede. „Allerdings unter verschiedenen Herrschaften“, berichtet Klaus Reichel, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Ortsgeschichte. Weil bisher in der Gemeinde selbst keine Kopie der Ersterwähnung vorlag, stellte sie sich in Vorbereitung des Ortsjubiläums das Ziel, den beglaubigten Nachweis heranzuholen. Die acht Mitglieder gingen zunächst auf eine Exkursion nach Prag. Bei ihrer Suche wurden sie vom Kloster Strahov und vom Nationalarchiv in Prag unterstützt. Umfangreiche Recherchen und Schriftwechsel im Internet folgten. Ihm nahm sich vor allem AG-Mitglied Karl-Heinz Erdmann an. Schließlich teilte das Nationalarchiv mit, dass sich die Urkunde im Archiv der Malteserritter des Großpriorats Böhmen befindet und genehmigte auch die Kopie aus dem Internet und die weitere Veröffentlichung dergleichen.

Eine Überprüfung mithilfe von Sachverständigen sorgte dann für die Überraschung: Bei der Übersetzung aus dem mittelalterlichen Late ist wahrscheinlich im Zittauer UrkundenbuchI ein Fehler passiert. Der ursprüngliche Urkundenschreiber von 1324 hatte das Datum in römischen Ziffern auf der Urkundenvorderseite nicht auf eine Zeile gebracht und musste es auf einer neuen fortsetzen. Das hatte zu Irritation und Falschauslegung geführt. Das richtige Ausstellungsdatum der Urkunde – und damit der Ersterwähnung von Oderwitz – ist der 15.Mai 1324.

Die Oberoderwitzer feierten bereits im September 1950 eine 750-Jahrfeier. Ganz aus der Luft gegriffen sei das nicht, so Reichel. In dem Programmheft erklärt der damalige Ortschronist Alwin Förster , dass Oderwitz um 1200 als Waldhufendorf entstand. Und zwar mit dem alten Weißen Kretscham, der bis 1804 bestand. Belegt ist das jedoch nicht. Nach den neuen Erkenntnissen muss nun entschieden werden, wann es die 700-Jahrfeier gibt.