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Oderwitzer Firma exportiert nach Australien und in die USA

Die Arno-Hentschel GmbH feiert 75-jähriges Firmenjubiläum. Jetzt plant das Unternehmen etwas ganz Besonderes.

© Matthias Weber

Von Holger Gutte

Oderwitz. Stolz führt Thomas Scholz durch die Arno Hentschel GmbH in Oderwitz. Was hier hergestellt wird, ist weltweit gefragt. Alle Gitterrostbefestigungen im Hafen der US-amerikanischen Stadt Seattle stammen beispielsweise aus der Oderwitzer Produktionshalle der Arno Hentschel GmbH. „Bei der Ausschreibung der Bauarbeiten im Hafen gab es 2015 sogar die Auflage, dass nur Gitterrostbefestigungen von Arno Hentschel verwendet werden dürfen“, erzählt der Geschaftsführer. „Darauf sind wir schon stolz“, sagt er. Mit den speziellen Befestigungen hat das Oderwitzer Unternehmen 2015 eine Produktnische gefunden und damit binnen kürzester Zeit weltweit Fuß gefasst. Damals hatte er gerade die Firma als Geschäftsführer übernommen.

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Bis 2015 sind in der Oderwitzer Firma nämlich noch Gitterroste und stählerne Dachtrittbretter hergestellt worden. Danach hat sich das Unternehmen aber auf die Entwicklung und die Produktion von Gitterrostbefestigungen spezialisiert. Und mit ihren speziellen Klammen sind die Oderwitzer noch erfolgreicher am Markt.

„Es ist schon erstaunlich, wie wir heute arbeiten – Einkauf in China, Verkauf in Dubai, Produktion hier in Oderwitz“, schildert der Geschäftsführer. Oft weiß er gar nicht, wo die Produkte der Arno Hentschel GmbH überall eingebaut werden. „Wir liefern manchmal zehn bis 20 und an manche Kunden 100 000 Stück“, berichtet Thomas Scholz. Die speziellen Klammern halten die Gitterroste auf Ölplattformen im Golf von Mexiko zusammen, genauso wie auf Aussichtsplattformen in zig Ländern der Erde. Auch beim Schiffbau sind sie gefragt. Der Einsatz reicht von der Industrie, dem Großhandel bis hin zum Maschinen- und Anlagenbau. Quasi überall, wo Gitterroste in vielfältigster Form verbaut werden. „Wir staunen immer wieder, von wo wir plötzlich Aufträge herbekommen“, sagt er. Manchmal sind Firmen aus Ländern darunter, zu denen sie bisher noch nie Geschäftsbeziehungen hatten, wie beispielsweise Australien und Aserbaidschan. Am Donnerstag ist von Oderwitz aus wieder eine große Lieferung von Gitterrostbefestigungen nach Finnland verschickt worden. Derzeit wird unter anderem für Kunden in Griechenland und Spanien produziert.

Weil es sich im Welthandel besser vermarkten lässt, hat sich die Arno Hentschel GmbH 2016 den Markennamen „Arnell“ zugelegt. In Arnell steckt der Name Arno Hentschel. „Das zweite L haben wir nur hinzugefügt, weil es sich so in einigen Sprachen besser aussprechen lässt“, erklärt Thomas Scholz. Mit einem Exportanteil von über 40 Prozent steht die GmbH für ein weltoffenes Denken. Thomas Scholz ist froh, dass das Unternehmen seit diesem Jahr in zwei von drei Standorten auf ein schnelles Internet zurückgreifen kann.

Die Gitterrostbefestigungen sind aber nur ein Standbein des Unternehmens, wenn es auch 70 Prozent des Umsatzes ausmacht. Die anderen beiden Standbeine sind der Werkzeugbau sowie die Produktion von Stanz- und Biegeteilen und Baugruppen. Den Werkzeugbau, den es in der Firma bereits seit 1968 gibt, bezeichnet Thomas Scholz sogar als Lebensversicherung für das Unternehmen. Der Kunde wird beim Bau von Werkzeugen von der Entwicklung bis zum einsatzfähigen Werkzeug in der Serienproduktion betreut.

Seit 75 Jahren haben in der Arno Hentschel GmbH die Firmenchefs immer zukunftsorientiert das Unternehmen geführt und dabei auch schwierige Zeiten überstanden, sagt Thomas Scholz. Mit großer Achtung schildert der 39-jährige Geschäftsführer, wie der damals in Dresden lebende Arno Hentschel durch Zufall 1943 erfahren hatte, dass die Klempnerei Fuchs in Oberoderwitz einen Nachfolger sucht. Weil er seine Waren nicht immer zum Emaillieren bis nach Dresden schaffen wollte, hatte er 1950 in Oberoderwitz einen zweiten Standort in der Dorfstraße eröffnet und eine eigene Feuerverzinkerei in Betrieb genommen – damals die einzige in Ostsachsen. Auch Scholzes Vorgänger Heiner Schwaar und Renate Faust haben das Unternehmen vor ihm zukunftsorientiert weitergeführt und nach dem Hochwasser 2010 und 2013 ebenfalls schwierige Zeiten gemeistert.

„Technologiebegeisterung tragen wir hier seit Generationen im Herzen“, sagt Thomas Scholz. Bei der Jubiläumsfeier am Freitagnachmittag kündigte er schon mal an, in den nächsten zwei Jahren über eine Million Euro in den 3D-Metalldruck sowie in Fertigungstechnologien und in die Messtechnik zu investieren.

Von den einst vier Firmenstandorten in Oderwitz sind bis heute mit der Verwaltung in der Hauptstraße 71, dem Werkzeugbau im Kirchweg und der Produktion und Stanzerei in der Dorfstraße 147 drei erhalten geblieben. Die Arno Hentschel GmbH beschäftigt 23 Mitarbeiter und bildet zwei Lehrlinge aus.