merken
PLUS

Politik

Öffentliches Zittern

Alle Welt spekuliert nach den Zitteranfällen über den Gesundheitszustand der Kanzlerin. Dabei ist das Thema Gesundheit grundsätzlich Privatsache. Ein Kommentar.

© dpa/SZ

Ein Papst, wird gescherzt, gilt bis zwei Tage nach seinem Ableben als kerngesund. Doch auch bei den weltlichen deutschen Regierungschefs sind Verlautbarungen über Erkrankungen, so es sie überhaupt gibt, bestenfalls Annäherungen an die Wahrheit. Früher, bei Willy Brandt, Helmut Schmidt oder Helmut Kohl, erfuhr die Öffentlichkeit erst im Nachhinein, dass ihr Kanzler gesundheitlich ernsthaft angeschlagen war – meist aus Sorge, körperliche Schwäche könne auch zu Machteinbußen führen.

Das Gesetz kennt formal keine Krankheitsregelungen. In jenem, das ansonsten so ziemlich alles für die Bundesminister einschließlich Anführer regelt, steht dazu einfach nichts. Nicht nur daraus folgt: Gesundheit ist grundsätzlich Privatsache – auch bei einer Kanzlerin. Das Private hört bei Regierungschefs allerdings dort auf, wo Krankheit dauerhaft oder jedenfalls längerfristig die Ausübung von Amtsgeschäften maßgeblich einschränkt.

Anzeige
IT-Administrator gesucht
IT-Administrator gesucht

Sie sind Netzwerkspezialist und lieben die Arbeit in Windows-Umgebungen? Der IT-Dienstleister INFOTECH sucht erfahrene IT-Administratoren (m/w/d).

Weiterführende Artikel

Merkel hört Nationalhymne im Sitzen

Merkel hört Nationalhymne im Sitzen

Einen Tag nach ihrem jüngsten Zitteranfall weicht die Kanzlerin bei der Begrüßung der dänischen Ministerpräsidentin vom üblichen Zeremoniell ab.

Angela Merkel äußert sich nach Zitteranfall

Angela Merkel äußert sich nach Zitteranfall

Zum dritten Mal innerhalb von drei Wochen zittert Merkel in der Öffentlichkeit heftig. Laut der Kanzlerin hängen die Vorfälle zusammen.

Dass sich zumindest Fragen danach aufdrängen, liegt bei Merkel an zweierlei: Zum einen passierten ihre Unpässlichkeiten nicht hinter verschlossenen Türen, sondern vor den Augen der ganzen Welt. Und das öffentliche Zittern widerspricht so offensichtlich allen bisherigen Eindrücken von einer überaus robusten Frau, dass es auf Dauer nicht ausreichen wird zu erklären, ihr ginge es gut. Irgendwann braucht es eine plausible Erklärung, ob Kräfte und Fähigkeiten ausreichen, das Amt auszufüllen. Noch besser: Merkel würde erklären, sie sei wieder gesund.

E-Mail an Peter Heimann

Mehr zum Thema Politik