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Ölbilder und Gipsbank im Garten

Andrea Müller-Hutschenreuter öffnet ihren Garten für Kunstbegeisterte. Mit Malen bewältigte sie eine Lebenskrise.

Von Frank Klinger

Zum zehnten Mal fand am Pfingstwochenende die Aktion „Kunst-offen“ in Sachsen statt. An 242 Orten im Freistaat konnten Besucher Kunstwerke aus unterschiedlichen Bereichen und Stilen in Galerien, Ateliers und auch im Freien erleben. Eine der Teilnehmerinnen war die Fotografin und Malerin Andrea Müller-Hutschenreuter aus Dresden, die ihren Garten im Niederstriegiser Ortsteil Grunau öffnete.

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Die 1958 geborene Hobby-Künstlerin hat schon einiges erlebt. Früh begann sie mit dem Fotografieren. Ihre Lieblingsmotive fand sie in Irland, wo sie schon zehnmal weilte. „Ich habe dort viele Menschen fotografiert“, erzählte sie. „Eine Fotostrecke von jungen, rothaarigen, irischen Mädchen habe ich in Dresden ausgestellt.“ Weil sie mit der Schau unter dem Titel „Rote Schöpfe“ viel Erfolg hatte, wurde sie in ihrer Leidenschaft bestärkt. Nicht immer ging alles glatt, wie sie lachend bekannte: „Später wollte ich die Blüte von Rhododendren-Hecken direkt am Strand der Irischen See fotografieren. Leider war ich zu zeitig dort. Von Blüte war noch keine Spur.“

Ernst und freimütig erzählte sie weiter, dass sie in einer persönlichen Krise, die durch Probleme ihres Partners ausgelöst wurde, zur Malerei kam. „Ich habe meine ganze Wut, meine Enttäuschung in die Bilder gelegt. Hinterher ging es mir dann besser“, erklärte sie und zog das Fazit, dass ihr nicht nur das Malen, sondern auch das Betrachten und die Freude über ein fertiges Bild eine doppelte Therapie bescherte. „In dieser Phase habe ich vor allem in Richtung Expressionismus gemalt“, erläuterte sie in ihrem Garten vor einer fünfteiligen Bilderserie. „Am Anfang gab es nur das geviertelte Bild in der Mitte, dann stand ich davor und dachte, dass es doch nicht fertig sei“, erinnerte sie sich. Also malte sie noch vier Bilder dazu – in jedem kommt eines der vier Motive des Anfangswerkes vor.

Später kam Andrea Müller-Hutschenreuter, die in ihrem täglichen Job psychisch kranke Menschen betreut, auf die Landschaftsmalerei. Dabei experimentiert sie auch gern. „Auf dem Bild, das auf den Florida Keys entstanden ist, sind echte Muscheln als Schmetterlinge verarbeitet“, erläuterte sie in einem anderen Teil ihres über das Pfingstwochenende zu einer Open-Air-Galerie umgestalteten Gartens.

Die Malerei setzt sie auch in ihrer Tätigkeit im Dresdner Projekt Gesop ein, dem betreuten Wohnen für psychisch Kranke. Menschen, die nicht mehr allein wohnen wollen oder können, werden in Familien vermittelt und in diese integriert. Sie selbst hat zurzeit einen jungen Mann bei sich wohnen, der ihr auch im Grunauer Garten hilft. Vorher betreute sie eine ehemalige Strafgefangene, die mit ihrer Hilfe und durch die Beschäftigung mit der Malerei wieder in ein normales Leben zurückfand.

„Sowohl ich als auch die Kranken profitieren von der Beschäftigung mit der Kunst. Beide Seiten haben etwas davon“, erzählte sie, als sie auf einer ganz besonderen Bank saß. „Die stand schon hier, als wir das Grundstück vor zwei Jahren erwarben. Sie hatte zwei Fluten überstanden und sah dementsprechend aus“, erläuterte Andrea Müller-Hutschenreuter. Sie schoss Fotos davon und gestaltete die Gartenbank mit einem vergipsten und lackierten weißen Bettlaken zu einer ganz besonderen Sitzgelegenheit. Das auf der einen Seite angebrachte Foto und das gegenüber platzierte großformatige Bild einer Rosenblüte geben der Bank ein ganz besonders Flair. Aber das hat der Garten ohnehin.

Am Wochenende hielt sie ihr Freiluftatelier ganztägig für Besucher geöffnet. „Besonders am Sonntag hatte ich viele Besucher hier, mit denen es interessante Gespräche über die Kunst und das Leben gab“, stellte sie erfreut fest und meinte: „Das Malen ist nicht nur ein Hobby für mich, sondern ebenfalls ein Ausgleich. Wenn die Bilder auch anderen gefallen, ist es umso erfreulicher.“