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Oelsnitz-Drama ist noch nicht vergessen

Drei Wochen nach dem großen SEK-Einsatz ist die Welt da längst noch nicht in Ordnung. Und der Täter im Haftkrankenhaus.

Von Catharina Karlshaus

Oelsnitz. Auf der Straße, die sich durch das Dorf schlängelt, ist niemand zu sehen. Es ist Mittwochvormittag, ddie Bewohner des kleinen Örtchen Oelsnitz sind arbeiten oder gehen in ihren Grundstücken irgendeiner Beschäftigung nach. Auch vor drei Wochen dämmerte das Dorf, welches Teil der Gemeinde Lampertswalde ist, in seiner gewohnten ländlichen Idylle dahin. Bis zu jenem Moment, als diese von einem 46-jährigen Großenhainer zerstört wurde. Bis zu jenem Augenblick, als der bereits inhaftiert gewesene Mann seinen 24 Jahre alten Neffen und dessen Nachbarn als Geisel nahm. Bis zu jenem Nachmittag, als schließlich Polizei und das Spezialeinsatzkommando (SEK) am späten Nachmittag den angedrohten Amoklauf beendeten. Ein Teil des Großaufgebots von immerhin 130 Mann stürmte das Wohnhaus und zwang den mit einer Armbrust bewaffneten Täter durch einen Schuss zum Aufgeben.

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Ereignisse, die in Oelsnitz nicht vergessen sind. „Dass so etwas mal bei uns passiert, hätte doch kein Mensch gedacht! Was ist das bloß für eine Welt geworden“, sagt ein Rentner, winkt ab und buddelt weiter in seinem Vorgarten. Auch derjenige, der an diesem Mittwoch vor drei Wochen zum unfreiwilligen Hauptakteur der leidvollen Geschichte geworden war, lenkt sich mit ganz praktischen Tätigkeiten ab. Rene, der aus der Gewalt des Onkels hatte fliehen können – dieser hatte sich mit einer Schreckschusspistole in den Mund geschossen und war ohnmächtig geworden – versucht eben jetzt, einfach normal weiterzuleben. „Mir geht es wirklich gut. Ich denke auch nicht ständig daran, was passiert ist“, versichert er. Es tue ihm gut, mit Kumpels und Freunden zusammen zu sein, mit ihnen zu sprechen und sich von den Geschehnissen ablenken zu lassen. Sicherlich von Vorteil: Alle Formalitäten sind mittlerweile erledigt, alle Fragen der Polizei beantwortet. Melden wollen sie sich, so Rene, erst wieder bei ihm und der Familie, wenn es etwas Neues gibt. „Und ich bin froh, dass wohl der Freistaat Sachsen für die entstandenen Schäden aufkommen wird. Wir haben eine Liste abgegeben, auf der alle kaputt gegangenen Dinge aufgeführt sind“, sagt Rene. Für seine Eltern sei zumindest das eine große Erleichterung.

Wie es demjenigen geht – Vaters Bruder also – der für den dramatischen Mittwoch in Oelsnitz verantwortlich ist, weiß der junge Mann nur vage. Ein Onkel, der seinen Platz innerhalb der familiären Gemeinschaft verspielt habe. Der aber tatsächlich überlebt hat. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, Lorenz Haase, gestern betont, gehe es ihm zwar nicht gut, aber auch nicht schlecht. Er liege noch immer im Haftkrankenhaus Leipzig. Mit seinem Tod aufgrund der Verletzungen – er lag kurzzeitig im Koma – müsse nicht gerechnet werden. „Wenn es ihm gesundheitlich bessergeht, ist davon auszugehen, dass er in die Untersuchungshaft überstellt wird“, erklärt Lorenz Haase.

Die Ermittlungen der Polizei laufen, möglich, dass vielleicht auch noch ein Sachverständigengutachten über den psychologischen Zustand des Großenhainers in Auftrag gegeben wird. Aber das sei alles noch nicht geklärt. Was letztlich nach all den notwendigen Befragungen, Vernehmungen und Auswertungen herauskommen wird, sollte jetzt nicht voreilig gemutmaßt werden. „Es wird sich auf jeden Fall noch etwas hinziehen“, ist sich Lorenz Haase sicher.