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Ölwerk stinkt den Anwohnern

Bürger beklagen sich über den Geruch, den das Unternehmen umgibt. Doch Beschwerden sind dort nicht eingegangen.

Von Robert Reuther und Antje Steglich

Es ist ein modrig-süßlicher Geruch, der Lothar Hahnefeld stinkt. „Es riecht wirklich übel, was da vom Ölwerk herüber geweht wird. Besonders, wenn Südwind herrscht, ist es kaum auszuhalten“, sagt der Riesaer. Er wohnt in einem Hochhaus am Karl-Marx-Ring und klagte schon mehrfach über die Geruchsbelästigung durch die Riesaer Ölwerke GmbH. Eine Zeit lang sei es auch besser gewesen, doch im Oktober habe es wieder angefangen zu stinken. Und in der vergangenen Woche sei das auch so gewesen. „Ich hatte Freunde aus Dresden zu Gast, selbst denen ist das aufgefallen. Sie haben gesagt, dass das nichts mehr mit Lebensqualität zu tun habe. Und das sehe ich ganz genauso“, sagt Lothar Hahnefeld.

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Nicht nur er ärgert sich, auch andere Anwohner. Wie Hahnefeld aus Gesprächen mit Mitarbeitern des Ölwerks erfahren haben will, würden sich täglich etwa fünf Leute über die Geruchsbelästigung beklagen. „Ich finde, hier muss das Unternehmen reagieren. Mir ist durchaus bewusst, dass das Ölwerk für Arbeitsplätze sorgt. Ich will ja auch nicht, dass es zu macht. Aber es wäre schön, wenn man auch auf die Anwohner eingeht“, so Lothar Hahnefeld. Der Riesaer glaubt, dass die Filter in dem Unternehmen, welche vor den Gerüchen der Produktion schützen sollen, wieder einmal gereinigt werden müssten. „Vor einigen Jahren haben wir uns schon einmal beschwert. Damals wurden dann die Filter erneuert“, sagt Hahnefeld.

Im Ölwerk selbst zeigt sich Geschäftsführer Wolf-Rüdiger Bautzsch überrascht von der Geruchsbelästigung. „Bei uns sind keine Beschwerden über den Gestank eingegangen“, so Bautzsch. Nach der SZ-Nachfrage habe er sich auch nochmals an das Umweltamt des Landkreises gewendet. Auch dort hätte sich niemand beklagt.

„Die Nachbarschaft hat für uns die höchste Priorität. Lärm- und Geruchsprobleme nehmen wir sehr ernst“, sagt Wolf-Rüdiger Bautzsch weiter. Das Unternehmen gebe deshalb pro Jahr mehrere Hunderttausend Euro für Filter aus. Diese würden aller zwei Jahre ausgetauscht, was erst im Juni dieses Jahres der Fall gewesen sei.

Bautzsch räumt allerdings ein, dass es im November durchaus zweimal stärker gerochen hat. Am 6. November musste eine Filteranlage für ein paar Stunden außer Betrieb genommen werden. Es gab eine undichte Stelle in der Isolierung eines Ventilators, welche ausgebessert werden musste. Am 28. November wurde die Anlage noch mal für eine Stunde ausgeschaltet, um ein Ersatzteil einzubauen. „Dann riecht es kurz. Das lässt unsere Genehmigung durch die Behörden aber auch zu“, so Wolf-Rüdiger Bautzsch.

Dass es ab und zu Geruchsbelästigungen kommen kann, das liege in der Natur der Sache. Im Ölwerk verarbeiten 100 Mitarbeiter jährlich etwa 400 000 Tonnen Raps und Sonnenblumenkern zu Speiseöl. „Bei der Nutzung von organischen Stoffen lassen sich Gerüche nie hundertprozentig vermeiden. Das ist wie in der Küche“, so Bautzsch. Leider herrsche noch immer das Vorurteil, dass das Ölwerk nachts die Filter öffnen würde. Das sei allerdings absoluter Quatsch. Mit Nachbarn, die sich darüber beschweren, hätten in der Vergangenheit Werksführungen stattgefunden. „Sie waren danach alle begeistert von dem Werk und die Sache war geklärt“, so Bautzsch. Er bittet darum, sich mit Beschwerden über das Werk direkt an ihn zu wenden.