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Protest gegen Straßen-Ausbau

Die Wehlener und Österreicher Straße müssen saniert werden. Warum Anwohner mit den Plänen große Probleme haben.

Andreas Butans befürchtet, dass nach dem Straßenausbau wesentlich weniger Kunden in die Apotheke kommen.
Andreas Butans befürchtet, dass nach dem Straßenausbau wesentlich weniger Kunden in die Apotheke kommen. © Marion Doering

Der  Ausbau der Dresdner Ostmagistrale soll weitergehen. Nachdem Borsberg-, Schandauer und Wehlener Straße bis zum Tolkewitzer Schulcampus schon erneuert sind, sind nun das restliche Teilstück der Wehlener Straße bis Alttolkewitz sowie die Österreicher Straße dran. Derzeit läuft ein Planfeststellungsverfahren für die 1,8 Kilometer lange Strecke bei der Landesdirektion (LDS) dazu. Bis diesen Montag konnten Betroffene ihre Einwände gegen die geplante Streckenführung einreichen. Und davon gab es viele.

Wenn die Anlieferung schwierig wird

Andreas Butans ist der Filialleiter der Anker-Apotheke und derzeit häufig mit Kunden über den Straßenbau auf der Österreicher Straße im Gespräch. "Die Sanierung ist unbedingt erforderlich, da sind wir uns alle einig. Doch über das Wie hätte man im Vorfeld mit den Betroffenen sprechen können", sagt Butans. 

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Nach den Plänen von Stadt und Dresdner Verkehrsbetrieben (DVB) würde die bisherige Straßenbahn-Haltestelle Hermann-Seidel-Straße direkt vor die Apotheke in der Hausnummer 25 verschoben. Das hätte nicht nur zur Folge, dass Anlieferungen, die Butans ständig erhält, durch den erhöhten Bord der behindertengerechten Haltestelle schwieriger würden. Auch acht der bisher zwölf Parkplätze würden wegfallen. "Es gibt schon heute eine große Konkurrenz um die Stellplätze zwischen Anwohnern und Kunden", sagt der Apotheker. Er befürchtet, dass Kunden wegbleiben, die bisher auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause bei ihm eingekauft haben. 

Eine weitere Besonderheit der Planung ist, dass aufgrund der Fahrbahnverschiebung zur nördlichen Seite der dortige Fußweg schmaler würde. Doch genau dort befinden sich vielfrequentierte Läden wie Rossmann, die Fleischerei Lippmann oder ein Blumengeschäft. Vorm Fleischer wird in den Sommermonaten draußen gegessen. Das sei später wohl nicht mehr möglich, glauben die Anwohner. 

Insgesamt soll die Fahrbahn auf der Österreicher Straße schmaler werden. Gibt es bisher separate Autofahrstreifen, soll der Individualverkehr künftig auf den Gleisen fahren. Aus Sicht vieler Anwohner produziert das Stau mit steigendem Lärm und Abgasen im Vergleich zum jetzigen Zustand. 

Besonders kritisch sehen viele Laubegaster aber, dass es zur Straßenplanung keine Bürgerversammlung gegeben hat, wie es bei anderen Bauvorhaben durchaus üblich war. Dann hätten auch die weiteren Kritikpunkte wie die erschwerte Müllabholung oder Erreichbarkeit von Grundstücks- und Hofeinfahrten angesprochen werden können.   

Keine Veranlassung für Bürgerversammlung

Für eine solche Versammlung haben die Dresdner Verkehrsbetriebe keine Veranlassung gesehen. "Es gab doch für die Betroffenen die Möglichkeit, ihre Einwände vorzubringen. Jetzt muss die Landesdirektion entscheiden, wie mit ihnen umgegangen wird", sagt DVB-Sprecher Falk Lösch. Möglicherweise ändere sich dann noch etwas an der Planung. 

Zum Thema wegfallende Parkplätze verweist die Stadt darauf, dass deren Anzahl nicht ermittelt wurde. Zudem würde derzeit im Bereich der Österreicher Straße auch widerrechtlich geparkt, so das Straßen- und Tiefbauamt. Stellplätze würden nach der Sanierung entfallen, weil sich der Gleisachsabstand der Straßenbahn verbreitere und Sichtflächen an Einmündungen und Knotenpunkten freigehalten werden müssten. Außerdem entstünden beim Ausbau Schutzstreifen für Radfahrer und barrierefreie Haltestellen, wofür mehr Platz benötigt wird.

Baubeginn noch völlig offen

Am vergangenen Montag endete die Frist, in der Bürger ihre Einwände bei der Landesdirektion einreichen konnten. Jetzt fordert die Behörde Gegenstellungnahmen von der Stadt an, die Trägerin des Vorhabens ist, wie es im Amtsdeutsch heißt. "Wenn diese vorliegen, werden die Einwendungen auf einem Erörterungstermin erörtert. Dort sitzen sich die Einwender und die Vorhabenträgerin - unter Moderation der Landesdirektion Sachsen - gegenüber", sagt Ingolf Ulrich, der stellvertretende Pressesprecher der LDS.  Nach dem Austausch der Argumente erstellt die LDS den Planfeststellungsbeschluss.

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