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Österreichischer Thronfolger liebt einfache Gräfin

Im Schloss Groß Priesen/Velke Brezno verbrachte Sophie Chotek, die Frau des österreichischen Thronfolgers, ihre Jugend.

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Von Heinz Strohbach

Dass das Attentat der serbischen Nationalisten 1914 in Sarajewo in die erste Katastrophe des 20. Jahrhunderts führte, ist uns allen bekannt. Doch nur wenige werden wissen, dass die Frau an der Seite des Thronfolgers Ferdinand d’Este aus einer Familie stammt, die nur unweit der Grenze, zwischen Decin und Usti ihren Familiensitz hatte.

Sophie Chotek war die Tochter des Diplomaten Graf Bohuslav Chotek, der in österreichischen Diensten stand. Das brachte es mit sich, dass Sophie, die 1868 in Stuttgart geboren wurde, zwar ihre frühe Jugend auf Schloss Groß Priesen verbrachte, aber später mit den Eltern in verschiedenen europäischen Städten lebte, so auch in Dresden.

Franz Ferdinand lernte sie 1899 in Prag kennen und lieben. Doch Kaiser Franz Joseph I. war darüber nicht begeistert. Eine Dame aus dem niederen böhmischen Adel gehörte nicht in das habsburgische Kaiserhaus. Nur durch die Hartnäckigkeit Franz Ferdinands willigte er in eine sogenannte morganatische Ehe ein. Damit waren der Thronverzicht der Kinder und einschneidende Zurücksetzungen seiner Frau, der späteren Reichsgräfin von Hohenberg, im Hofzeremoniell verbunden. Ihre Heirat erfolgte deshalb auch am 1. Juli 1900 weit weg von Wien, doch ganz in unserer Nähe, im Schloss Reichstadt/Zakupy. Der Auftrag des alten Kaisers zum Manöverbesuch 1914 nach Sarajevo war gefährlich. Franz Ferdinand und Sophie wussten das. Doch gerade deshalb bestand sie darauf, ihren Gatten bei dieser schwierigen Mission zu begleiten. Beide fielen denn auch dem Attentat serbischer Nationalisten zum Opfer, und kurz danach stand Europa in Flammen.

Das Habsburger Hofzeremoniell war jedoch auch jetzt unerbittlich. In der Wiener Kapuzienergruft hätte nur Franz Ferdinand beigesetzt werden dürfen. Deshalb verfügte er schon im Testament, dass Schloss Artstetten in der Nähe von Melk an der Donau ihre sterblichen Überreste aufnehmen sollte. Es ist heute Museum. Doch zurück zu unserem Schloss. Es wurde im Auftrag von Graf Chotek, einem Vorfahren Sophies im Jahre 1842 im österreichischen Spätempirestil als Ersatz für das vorhandene alte Schloss, welches heute Altersheim ist, am Rand des Elbhanges errichtet und ist mit einem wertvollen Naturpark verbunden. Die Pläne lieferte der Wiener Bauherr Förster. Graf Karel Chotek war Oberstburggraf des Königreiches Böhmen. Er ist in die Geschichte als enormer Förderer Böhmens eingegangen. Sein Elan bei der Umgestaltung und Modernisierung des Landes zu einem modernen Industriestaat zeigte sich in der Verbesserung des Verkehrswesens, des Postwesens, der Ansiedelung neuer Betriebe, aber auch in der Verbesserung der Infrastruktur der Städte sowie im Bildungs- und Gesundheitswesen. Sein Nachfolger leitete am Schloss von 1885-1910 Umbauten nach Entwürfen des Dresdner Architekten Fleischer ein. Damit wurde das Gebäude der Neurenaissance angeglichen und stellt einen der letzten Feudalbauten in Böhmen dar.

Service: Anfahrt mit Bahn oder Pkw über Decin und rechtselbisch 14 Kilometer nach Velke Brezno.. Öffnungszeiten: Mai-September 9-18 Uhr, Montag Ruhetag. April u. Oktober 9-16 Uhr, Montag, Dienstag Ruhetag. Deutsche Führungen. Eintritt 50 Kc.