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Offener Brief an Jürgen Klopp

Der Triumph des Liverpool-Trainers reißt sogar SZ-Feuilletonchef Marcus Thielking vom Hocker, der sonst kein Fußballfan ist.

Jürgen Klopp
Jürgen Klopp © dpa

Lieber Jürgen Klopp!

Potztausend! Da brat mir einer ’nen Storch! Holla, die Waldfee! Alter Schwede! Schieß mich tot! Ich glaub’, mein Schwein pfeift! Mir fallen gar nicht so viele Redewendungen ein, wie ich baff bin: Mit Ihrem spektakulären 4:0-Sieg im Rückspiel gegen den FC Barcelona haben Sie die 0:3-Niederlage im Hinspiel wettgemacht – und ziehen mit dem FC Liverpool ins Champions-League-Finale ein. Kloppo hat’s mal wieder allen gezeigt. Kämpfen! Niemals aufgeben! An das Unmögliche glauben! Kein Wunder, dass Sie in Großbritannien als Held gefeiert werden. Die Briten können einen wie Sie gerade echt gut gebrauchen.

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Ich bin ja sonst kein allzu großer Fußball-Fan, aber solche Aufhol-Sensationen haben mich immer schon fasziniert. Nie werde ich vergessen, wie ich vor 20 Jahren zusammen mit zwei fanatischen Anhängern des FC Bayern das legendäre Finale gegen Manchester United im TV gesehen habe – die „Mutter aller Niederlagen“. Bis zur 90. Minute führt Bayern 1:0 – und dann schießt Manchester in der Nachspielzeit noch zwei Tore. Die beiden Kumpels haben geheult, sie taten mir irgendwie leid. Mir ist der FC Bayern zum Glück schnurz. Beim Pokalspiel von Dynamo Dresden gegen Bayer Leverkusen vor acht Jahren stand ich mit ein paar Kollegen im K-Block. Leverkusen führt bis zur 68. Minute 3:0, die ersten Schwarzgelb-Fans gehen schon grummelnd nach Hause – und dann schießt Dynamo tatsächlich noch VIER TORE UND GEWINNT!!!!! Meine Kollegen und ich wurden links und rechts von stiernackigen, tätowierten Dynamo-Anhängern umarmt, und ich glaube, ich habe noch nie in meinem Leben so laut gebrüllt. Vor Freude, natürlich.

Da kann man sagen, was man will: Solche Emotionen gibt’s halt nur im Fußball. Sie sind einer, der vor Emotionen platzt, aber der weiß, wie man sie in positive Energie verwandelt. Und solche Typen wie Sie braucht’s heute leider mehr denn je. Denn negative Energie erzeugen, das kann jedes trotzige Kleinkind. Und jeder Populist. Die wahre Kunst aber ist es, aus den Ängsten und Sehnsüchten, die uns alle umtreiben, die Kraft rauszuholen, die uns weiterbringt. Okay, ich will jetzt nicht sagen: „Wir schaffen das.“ Aber als Fußball-Trainer würden Sie mir doch jedenfalls darin zustimmen, dass man es mit der Einstellung „Das schaffen wir nie“ nicht weit bringt, oder?

Welche Hoffnung in hoffnungslosen Zeiten also können wir aus Ihrem Triumph schöpfen? Kommt der Frühling zurück? Wird der Sprit wieder billiger? Bleiben die Briten in der EU? Wird der Dresdner Fernsehturm wiedereröffnet? Wird die SPD verstaatlicht? Macht Phil Collins noch mal was mit Genesis? Bleibt die Rente sicher? Ist Sachsen noch zu retten? Sie haben mal so schön gesagt, in einem typischen Kloppo-Satz: „Es ist wie so oft im Leben, wenn die Waschmaschine kaputtgeht, ist am nächsten Tag der Trockner im Arsch – und dann gibt der Fernseher den Geist auf.“ Es bleibt wohl, im Leben wie im Fußball, alles sehr spannend.

Ihr

Marcus Thielking


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Der "Offene Brief" ist eine satirische Rubrik im Wochenend-Magazin der Sächsischen Zeitung.

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