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„Offener Brief“ an Mette Frederiksen

Dänemarks Regierungschefin will Grönland nicht an Donald Trump verkaufen. SZ-Redakteur Marcus Thielking ist erleichtert. Eine Satire.

Mette Frederiksen ist die  Ministerpräsidentin von Dänemark.
Mette Frederiksen ist die Ministerpräsidentin von Dänemark. © Wolfgang Kumm/dpa

Hej, Mette Frederiksen!

Können Sie das bitte noch mal sagen, ich höre so gerne zu, wenn Dänen reden: „Jeg kommer ikke til at gå ind i en ordkrig med nogen, ej heller med den amerikanske præsident.“ Herrlich! Diese Umlaute. Wörter wie Legoklötze. Ikke. Gå. Ej. Ihr Dänen seid einfach ein sympathisches Völkchen. 

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Aber was haben Sie denn nun gesagt? Schnell mal mit Google übersetzen: „Ich werde mit niemandem einen Krieg der Worte anfangen, auch nicht mit dem amerikanischen Präsidenten.“ Auweia. Das war aber auch wieder mal eine heikle Kiste. Trump. Grönland. Kopenhagen. Wer bitte denkt sich solche verrückten Geschichten aus? Als wär’s ein Märchen von Hans Christian Andersen.

Also, noch mal ganz von vorn: Trump wollte plötzlich Eure Arktis-Insel Grönland kaufen. Einfach so. Er hat’s ja. Und so eine Insel aus Eis kann man schließlich immer brauchen. Das klingt zwar erst mal ganz schön frech. Aber man muss auch sagen: Für Trumps Verhältnisse war das ja fast schon ein zivilisiertes Verhalten. Ich meine, andere Präsidenten schicken einfach ein paar Truppen auf die Krim – und zack, gehört die Halbinsel zu Russland. So kann’s auch gehen.

Unklar bleibt, warum Trump ausgerechnet Grönland haben wollte. Experten sagen: Wegen Russland. So eine Art Vorposten, der geostrategisch günstig liegt. Aber ich weiß nicht. Da hätte er doch besser Sachsen kaufen können. Das liegt noch näher am Ural. Und so ein Raketenstützpunkt mitten in Europa wäre doch genau das Richtige für ihn. Die Fotomontage mit dem Trump-Tower in einem grönländischen Dorf, die er getwittert hat, war natürlich ein Scherz, der von seinen eigentlichen Absichten ablenken sollte. Meine Theorie ist nämlich, dass Trump insgeheim doch an den Klimawandel glaubt – und schon mal ein paar Eisvorräte für den Ernstfall sichern wollte.

Ist Ihnen übrigens auch mal aufgefallen, dass es in letzter Zeit ständig Querelen mit irgendwelchen Inseln oder Halbinseln gibt? Grönland. Großbritannien. Krim. Jetzt auch noch Hongkong. Was ist denn da los? Inseln gelten doch sonst als Inbegriff der friedlichen Idylle. Viel frische Luft, von Wasser umgeben, wenig Grenzkriminalität – eigentlich beste Bedingungen für ein sorgloses Leben. Aber auf einmal scheint ein Fluch darüber zu liegen. Man traut sich ja kaum noch, nach Rügen oder Usedom zu fahren. Mich würde es jedenfalls nicht wundern, wenn die Chinesen bald beide Inseln kaufen, um dort riesige 5G-Mobilfunkmasten für den europäischen Kontinent zu errichten.

Auf jeden Fall danke noch mal, dass Sie in Sachen Grönland hart, aber herzlich geblieben sind. Mein nächster Urlaub geht bestimmt mal wieder nach Dänemark. Rød pølse. Legoland. Esromkäse. Trump, der seinen Besuch jetzt beleidigt abgesagt hat, weiß gar nicht, was ihm alles entgeht. Aber das ist vielleicht auch besser so, oder? Also, wenn ich das Geld hätte – ich hätte Dänemark längst gekauft.

Ihr Marcus Thielking

Der "Offene Brief" ist eine satirische Rubrik im Wochenend-Magazin der Sächsischen Zeitung.

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