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Offener Brief an Prince Harry

Der Herzog von Sussex will sich nebst seiner Frau Meghan vom britischen Königshaus trennen - eine satirische Life-Changing-Beratung.

Prinz Harry, Herzog von Sussex, erschüttert die Grundfesten der britischen Monarchie.
Prinz Harry, Herzog von Sussex, erschüttert die Grundfesten der britischen Monarchie. © Yui Mok/PA Wire/dpa

Zunächst einmal möchte ich Ihnen gratulieren. Der erste Schritt in Richtung Ihres höheren Selbst ist getan: Sie haben der Welt (und ihrer Oma) erklärt, dass Sie und ihre Frau Meghan sich als hochrangige Royals zurückziehen wollen. „Senior members“ des britischen Königshauses werden Sie in Zukunft sein, Altmitglieder sozusagen, und jetzt lassen Sie uns einmal gemeinsam Danke sagen, dass Sie diesen Entschluss gefasst haben! Nicht viele Menschen haben mit Mitte 30 diesen Weisheitsgrad erreicht wie Sie. Glückwunsch! Nun können Sie auch zugeben, dass Sie auf dem Coaching-Trip sind. Das ist doch gar nicht verwerflich, die halbe westliche Welt will sich weiterentwickeln. Ich habe da ein exklusives Angebot für Sie: „In fünf Schritten zu Ihrem perfekten Leben“. Gehen wir sie doch einmal zusammen durch und schauen, wie weit Sie sind. Den Überweisungsträger für die Life-Changing-Beratung schicke ich Ihnen dann per Post, danke, gern geschehen.

Erster Schritt: Gedanken und Gefühle achtsam wahrnehmen. Super, den haben Sie schon vollzogen. In dieser Fernsehdoku, die im Herbst auch bei uns lief, erzählten Sie dem Reporter von Ihrem Burnout. Entgegen der royalen Regel: Niemals beklagen, niemals erklären. Klasse, Harry!

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Zweiter Schritt: Raus aus der Opferrolle. Ich würde sagen, da haben Sie noch ein bisschen zu tun. Weil Sie sich an Ihre Mutter erinnert fühlen, die von Sensationsjournalisten in den Tod gejagt wurde, klagen Sie und Ihre Frau gegen ein englisches Boulevardblatt. Kann man machen, ist vielleicht nicht ganz so die beste Entscheidung in einem Land, das die Pressefreiheit so hoch steckt wie kaum ein anderes. Ich empfehle das Webinar „Raus aus der Opferrolle“, kostet nur 39,90 Pfund extra.

Dritter Schritt: Sich und anderen vergeben. Was Sie selbst angeht, haben Sie da eher keine Probleme. Aber sprechen wir über Ihren Bruder. Sie seien auf „unterschiedlichen Pfaden“, sagten Sie in dem genannten Film. Klingt nicht so aufgeräumt, oder? Harry, ich lade Sie ein, William wirklich zu verzeihen. Auch er muss als Erstgeborener Dinge ertragen. Die Last der Thronfolge wiegt schwer. Und die Sache mit dem Haarausfall, so was ist hart für einen Mann! Vergeben Sie ihm! Ommm...

Vierter Schritt: Dem Leben vertrauen. Gebongt. Bei geschätzten 12 Millionen Euro, die Ihre Mutter Ihnen vererbt hat, geht das ganz gut. Da bleibt noch ein bisschen was übrig für eine nächste Halbe-Million-Dollar-Party, die Meghan in New York ausrichtet, ein Zweitwohnsitz in Kanada ist auch drin.

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Fünfter Schritt: Schöpfer des eigenen Lebens sein. Der Anfang ist gemacht, toll, Harry! Vielleicht werden Sie ja doch noch zum Vorbild für Ihr eigenes Land, dem Sie jetzt so schnöde den Rücken kehren. Ich hab da eine Idee: Sie und ich machen eine gemeinsame, powervolle Live-Meditation im Internet, an der alle Briten teilnehmen können. „Loslassen für Genervte“. Dann klappt‘s auch mit dem Brexit.

Ihre Johanna Lemke

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