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Ost-Legenden fordern: Keine Absteiger in Liga eins bis vier

Ein Initiative von Fußballfans will mit prominenter Unterstützung die Änderung der Abstiegsregelung erreichen. Als Beispiel wird Dynamo Dresden genannt.

Jürgen Sparwasser, Dixie Dörner, Hansi Kreische und Klaus Sammer unterstützen eine Initiative von Fußballfans, die eine Änderung der Abstiegsregel fordern.
Jürgen Sparwasser, Dixie Dörner, Hansi Kreische und Klaus Sammer unterstützen eine Initiative von Fußballfans, die eine Änderung der Abstiegsregel fordern. © dpa (3), Jürgen Lösel (1)

Dresden. Im Osten geht bekanntlich die Sonne auf. Doch auf den Fußball bezogen, könnte hier bald eine Sonnenfinsternis stattfinden. Diese Gefahr sieht zumindest eine Initiative von Fußballfans, und sie ist nicht ganz unbegründet. Dynamo Dresden steigt aus der 2. Bundesliga ab, in der 3. Liga verabschiedet sich  Carl Zeiss Jena in die Regionalliga, Zwickau, Chemnitz, Magdeburg und Halle stecken mittendrin im Kampf um den Klassenerhalt. 

Dem Fußball im Osten geht es, zumindest was die Mannschaften im Ligabetrieb betrifft, offenbar tatsächlich so schlecht wie lange nicht. "Seit der Wende gab es im DFB eigentlich niemals so etwas wie echte Chancengleichheit oder Gleichbehandlung für den Fußball der ehemaligen DDR", meint die Fan-Initiative sogar und hat sich deshalb nun mit einem offenen Brief an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) gewandt.

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Darin wird vor allem die Ungleichbehandlung in den vergangenen Wochen kritisiert verbunden mit einer klaren Forderung: Bis zur 4. Liga soll es in dieser noch laufenden Saison lediglich Aufsteiger, aber keine Absteiger geben. Unterstützung erhält die Initiative  unter anderem von den Ostfußball-Legenden Hans-Jürgen "Dixie" Dörner, Jürgen Sparwasser und Peter Ducke. Auch Dynamos Ehrenspielführer Klaus Sammer, Hans-Jürgen Kreische und Hartmut Schade beteiligen sich an der Aktion.

Leistungssport unter diesen Bedingungen nicht möglich

Als Beispiel für ihre Kritik am DFB und DFL nennen sie Dynamo. "Kann man wirklich noch von Fairness oder Chancengleichheit sprechen, wenn eine Mannschaft wie Dynamo Dresden bei einem zweiwöchigen Trainingsrückstand aufgrund Zwangsquarantäne gleich in den ersten der drei englischen Wochen mit den Spitzenmannschaften der 2. Liga konfrontiert wird [...]", heißt es in dem Brief, der in den nächsten Wochen an DFB-Präsident Fritz Keller und DFL-Boss Christian Seifert geschickt werden soll.

Nach der Corona-Pause wurden bei Dynamo zwei positive Fälle festgestellt, die komplette Mannschaft musste daraufhin in Quarantäne. Andere Vereine hatten ebenfalls positive Fälle, wurden aber vom örtlichen Gesundheitsamt nicht in Quarantäne geschickt. Das aber empfinden die Initiatoren noch nicht einmal als ungerecht, sondern vielmehr das daraus folgende Ergebnis. Innerhalb von 29 Tagen musste die Mannschaft von Trainer Markus Kauczinski neun Spiele absolvieren - ein Hammer-Spielplan. "Jeder Sportmediziner und jeder Trainer wird bestätigen, dass Leistungssport unter diesen Bedingungen nicht möglich ist", heißt es in dem Brief.

Die Initiatoren stellen deshalb die Frage: "Opfert man hier nicht doch allzu bereitwillig einen ohnedies bei DFB und DFL wenig geschätzten Traditionsverein auf dem Altar der Fernsehgelder?" In dem Brief gehen sie dabei auch auf die generelle Entwicklung des Fußballs im Osten ein. Viele Vereine mussten seit der Wende immer wieder ihre besten Spieler verkaufen. "Den Vereinen blieb mangels Liquidität, Know-How und Netzwerk gar keine Chance, sich dagegen erfolgreich zu wehren", heißt es.

Corona-Politik des DFB als Sargnagel des Ostfußballs?

Hinzu kommt, dass damals viele sogenannte Glücksritter die Vereine überrannten, wie in dem Brief formuliert wird. Sie nahmen das Geld und gingen wieder. Zurück blieben herunter gewirtschaftete Vereine, die vor einem Berg voller Schulden standen. Auch dafür ist Dynamo Dresden das beste Beispiel. Der derzeit mitgliederstärkste Verein in den neuen Bundesländer qualifizierte sich 1991 für die Bundesliga, spielte vier Jahre dort, ehe er 1995 nach jahrelanger Misswirtschaft in die zweite Liga abstieg, für die Spielklasse aber keine Lizenz erhielt. Es folgte der Zwangsabstieg in die damals drittklassige Regionalliga.

Längst ist Dynamo in den Profifußball zurückgekehrt, besitzt mittlerweile rund zehn Millionen Eigenkapital und kann selbst den Abstieg in die 3. Liga finanziell verkraften. "Umso erschütternder ist es jetzt mitzuerleben, wie diese individuellen Erfolgsgeschichten nun zum Opfer der Corona-Politik von DFB und DFL werden", schreiben die Initiatoren in ihrem offenen Brief. "Hier ist man offenbar gedankenlos dazu bereit, die Ost-Vereine wie Jena, Magdeburg oder Dynamo Dresden über die Klinge springen zu lassen." 

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Von den schlechten sportlichen Leistungen der jeweiligen Mannschaften vor der Corona-Krise ist in dem Brief keine Rede. Vielmehr wird nun ein klares Bekenntnis des DFB und der DFL zu der Bedeutung des Ostfußballs gefordert. "Stehen Sie jetzt zu Ihrer so oft beschworenen Fußballfamilie, bevor die Sonne im Osten endgültig untergeht." 

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