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„Offensiv mit Parkinson umgehen“

Verstecken bringt nichts. Deshalb wollen sich erstmals Sachsens Parkinson-Selbsthilfegruppen in Zittau treffen. Die SZ sprach darüber mit Elmar Günther.

Von Jan Lange

Seit sieben Jahren weiß Elmar Günther, dass er an Parkinson erkrankt ist. Doch der 74-Jährige lässt sich von der Krankheit nicht unterkriegen. Vielmehr engagiert sich der langjährige Sportler aktiv in der Parkinson-Selbsthilfegruppe. Deren Vorsitzender Hartmut Kramer kommt aus Löbau und hat die Aufgabe vor gut einem Jahr übernommen. Die bisherige Bilanz fällt positiv aus: Die Selbsthilfegruppe konnte einige neue Mitglieder gewinnen und hat jeden Monat mindestens eine Veranstaltung organisiert. Nun bereiten Elmar Günther, Hartmut Kramer und ihr Vorstandskollege Siegfried Scholz aus Leutersdorf den nächsten Höhepunkt vor: das 1. Treffen aller sächsischen Parkinson-Selbsthilfegruppen. Im Mai 2014 soll dieses im Zittauer Rathaus stattfinden. Elmar Günther erzählt, wie es dazu kam.

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Herr Günther, in Zittau werden sich demnächst die Parkinson-Selbsthilfegruppen aus ganz Sachsen treffen. Warum wurde gerade Zittau ausgesucht?

Weil die Idee zu diesem Treffen von unserer Selbsthilfegruppe ausging. In einer Monatszeitschrift habe ich einen Bericht über den Parkinson-Tag in Aschaffenburg gelesen und mir überlegt, dass wir so etwas auch hier machen können. Ich habe dann den Zittauer Oberbürgermeister Arnd Voigt gefragt, der von der Idee sofort begeistert war. In den Räumen in Herrnhut, wo unsere monatlichen Veranstaltungen stattfinden, können wir dieses Treffen aber nicht ausrichten. Sie sind zu klein. Es gibt im Freistaat immerhin 24 Selbsthilfegruppen, von denen wir Mitglieder erwarten. Die Stadt Zittau wird uns deshalb den Bürgersaal im Rathaus zur Verfügung stellen.

Wie stark ist eigentlich die hiesige Selbsthilfegruppe?

Derzeit haben wir 45 Mitglieder, darunter auch einige Angehörige von Parkinson-Erkrankten. Die Gruppe wurde bereits 1992 in Ebersbach gegründet, heute ist sie für den gesamten Altkreis Löbau-Zittau zuständig. Mittlerweile kommen auch mehr als 30 Mitglieder aus Löbau und Zittau sowie deren umliegenden Gemeinden. Allein in den zurückliegenden zwölf Monaten konnten wir zwölf neue Mitglieder gewinnen. Unsere Flyer haben wir beispielsweise überall in Apotheken ausgelegt. Neben unseren monatlichen Veranstaltungen gibt es für Parkinson-Erkrankte in Löbau und Zittau sowie im Sommer in Obercunnersdorf auch ein wöchentliches Gymnastik- beziehungsweise Funktionstraining. Informationen dazu findet man auf unserer Webseite.

Es gibt doch aber sicher noch viel mehr Parkinson-Kranke im Altkreis?

Ja, das ist so. Es gibt eine Dunkelziffer. Ein Teil von ihnen weiß nicht, dass es eine Selbsthilfegruppe gibt, andere wollen mit ihrer Krankheit allein bleiben. Ich bin aber der Meinung, dass man offensiv mit seiner Krankheit umgehen sollte. Es bringt nichts, sich zu verkriechen.

Aber für jeden, der an Parkinson erkrankt, ist es doch erst einmal ein Schock, wenn er die Diagnose erfährt?

Ja, als ich 2006 von meiner Erkrankung erfahren habe, war ich erst einmal wie vor den Kopf gestoßen. Aber ich sagte mir dann, dass ich nicht nur daheimsitzen kann. Ich habe ja mein ganzes Leben Sport getrieben, da konnte ich nun nicht einfach so stillsitzen. Von meiner Ärztin erfuhr ich von der Parkinson-Selbsthilfegruppe. Damals gehörten ihr sechs Mitglieder aus Zittau an. Ich bin dann gleich in die Physiotherapie für Parkinson-Kranke eingestiegen. Mit dem Training und den Veranstaltungen können wir die Krankheit nicht aufhalten, aber den schweren Alltag für eine Weile verdrängen. So ist ein Gaudi-Kegeln nichts gegen unseren Kegelabend. Trotzdem freuen sich die Mitglieder immer darauf, auch wenn sie vielleicht am Ende keinen einzigen Kegel umgeworfen haben. Fürs nächste Jahr sind auch wieder zwei Kegelabende im „Waldkretscham“ in Walddorf geplant.

Sie wissen seit sieben Jahren von ihrer Erkrankung. Wie geht es Ihnen heute?

Der Bewegungsablauf ist eingeschränkt. Manchmal laufe ich, als wenn ich einen in der Krone sitzen hätte. Auch das Zittern ist ein großes Problem. Ballspiele kann ich heute keine mehr machen, dafür wandere ich viel. Wenn es geht, bin ich zwei- bis dreimal die Woche auf Tour. Früher bin ich auch viel gewandert, jetzt sind die Touren zwar kürzer, dafür aber intensiver.

Wie lange kann man mit der Parkinson-Krankheit leben?

Es gibt Leute, die bis zu 20 Jahre mit der Krankheit leben. Es stirbt niemand an Parkinson, es sind die Folgeerscheinungen, die den Erkrankten zu schaffen machen. Eines unserer Mitglieder ist vorigen Jahres gestorben, weil sie zum Beispiel nicht mehr atmen konnte. Sie war zu schwach dazu.

www.parkinson-ebersbach.de