merken
PLUS

Offizieller Baustart fürs Glasfasernetz

Bis zum Jahresende 2020 erhalten über 5 000 Haushalte, Firmen und Schule in Bischofswerda schnelles Internet.

Landrat Michael Harig am Donnerstag in Geißmannsdorf: „Ein Glasfaseranschluss wertet jedes Grundstück deutlich auf. Eigentümer sollten die Chance jetzt nutzen.“
Landrat Michael Harig am Donnerstag in Geißmannsdorf: „Ein Glasfaseranschluss wertet jedes Grundstück deutlich auf. Eigentümer sollten die Chance jetzt nutzen.“ © Steffen Unger

Bischofswerda. Elektromeister Gunter Israel surft seit zwei Jahren mit Turbogeschwindigkeit im Internet. Sein Glück: Vor seinem Firmensitz an der Neustädter Straße liegen bereits Glasfaserkabel. Der Handwerksmeister holte die Genehmigungen ein und schloss seine Firma an. Seine Erfahrung: eine Zeitersparnis von geschätzt 80 Prozent.

Mindestens 100 Mbit/Sekunde

Anzeige
Trendmarken in der Centrum Galerie
Trendmarken in der Centrum Galerie

Auch die Centrum Galerie ist mit vielen internationalen Marken und lokalen Händlern bei der langen Nacht des Shoppings dabei.

Andere in Bischofswerda warten noch händeringend auf das schnelle Internet. Und so war das Interesse von Vertretern aus Politik, Wirtschaft und von Schulen groß, als Landkreis, Stadt und Enso am Donnerstag zum offiziellen Start des Breitbandausbaus ins Geißmannsdorfer Autohaus Philipp eingeladen hatten. Dieses soll als einer der ersten Kunden in Bischofswerda von der zweiten Ausbaustufe des schnellen Internets profitieren. Doch nicht nur dort sind die Erwartungen hoch. Beim Verbandsmittelhersteller Temedia braucht man gute Internetverbindungen, um schneller mit dem Mutterunternehmen in Remscheid und mit den Kunden kommunizieren zu können, sagt Betriebsleiter Wolfgang Körber. Auch fürs Goethe-Gymnasium ist die Investition von Bedeutung. „Wir brauchen verlässliche und schnelle Technik. Tablets im Unterricht einzusetzen hat keinen Sinn, solange die Anschlüsse nicht reichen“, sagt Schulleiter Bodo Lehnig.

Mehr als 5 000 Haushalte, Firmen und Schulen in der Region Bischofswerda erhalten bis Ende 2020 einen Zugang zum schnellen Internet. Es ist Teil einer kreisweiten Initiative, die in dieser Dimension einzigartig in Deutschland ist. Bisher unterversorge Anschlussnehmer – das sind alle unter 30 Mbit/Sekunde – werden künftig mit Bandbreiten von mindestens 100 Mbit/Sekunde im Downstream und 20 Mbit/Sekunde im Upstream versorgt. Von einer technisch möglichen Gigabit-Bandbreite profitieren zudem rund 600 Unternehmen. Der Landkreis investiert 104,5 Millionen Euro. 69 Millionen Euro kommen vom Bund, 25 Millionen vom Freistaat. 10,5 Millionen sind Eigenmittel des Kreises. Doch der Freistaat beabsichtige, die Eigenmittel vollständig zu übernehmen, heißt es.

Kostenloser Hausanschluss

Man habe sich darauf verständigt, das Datennetz maximal auszubauen und setze deshalb auf Glasfaser – auch, um „nach oben offen zu sein. Denn die Technik wird sich weiter entwickeln“, sagte Landrat Michael Harig (CDU). Mit Blick auf Grundstückseigentümer appellierte er, die Chance, einen Hausanschluss zu errichten, jetzt zu nutzen und einen entsprechenden Gestattungsvertrag zu unterzeichnen – auch dann, wenn man selbst das schnelle Internet (noch) nicht nutzt. Dadurch kann der Anschluss bis zum Haus gelegt werden – für dessen Eigentümer geschieht das im Zuge es gegenwärtigen Ausbaus kostenlos. „Durch einen Glasfaseranschluss wird das Grundstück deutlich aufgewertet“, sagte Michael Harig, der den begonnenen Ausbau in seiner Bedeutung mit dem Bau der Eisenbahn vor 150 Jahren verglich. Damals wurde ländliche Gebiete erschlossen – eine Grundlage für deren Industrialisierung und Entwicklung. Heute geht es um die Wettbewerbsfähigkeit des ländlichen Raumes durch moderne Kommunikation.

23 Kilometer Tiefbau

Der Landkreis beauftragte das regionale Unternehmen Enso mit dem Breitbandausbau in Bischofswerda. „Beim Ausbau der Telekommunikationsnetze erschließen wir nicht nur Ballungszentren, sondern sorgen mit dem Anschluss auch kleinerer Ortschaften dafür, dass sich gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land entwickeln können“, sagte Frank Brinkmann, Vorstandsvorsitzender der Enso Energie Sachsen Ost AG. Bischofswerdas Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) erklärte mit Blick auf die langjährige Zusammenarbeit der Stadt mit dem Energieversorger: „Wir sind froh, dass kein Branchenriese von weither, sondern ein regionales Unternehmen den Auftrag erhalten hat.“

Für Bischofswerda ist es bereits die zweite Stufe der Zusammenarbeit mit der Enso bei der Schaffung von Voraussetzungen fürs schnelle Internet. Im Jahr 2017 erschloss das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 1 800 Objekte im Stadtgebiet und im Ortsteil Geißmannsdorf. Das Dresdner Unternehmen investierte damals 1,2 Millionen Euro – ausschließlich Eigenmittel. Über den geförderten Ausbau wird der eigenwirtschaftliche Ausbau jetzt erweitert. Dabei werden die vorhandenen Technologien für die Übertragung wesentlich höherer Datenraten ertüchtigt. In Zusammenarbeit mit örtlichen Firmen gilt es bis Ende 2020, 23 Kilometer Tiefbau zu bewältigen. 65 Kilometer Leerrohre und rund 640 Kilometer Glasfaserkabel müssen verlegt werden. Zum Vergleich: Beim Ausbau 2017 ging es um zehn Kilometer Tiefbau.