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Oft zerstört und immer wieder aufgebaut

Der Markt als Mittelpunkt der Stadt Zittau hat eine imposante und wechselvolle Geschichte.

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© SZ Thomas Eichler

Von Heike Schwalbe

Zittau. Der Markt in Zittaus Zentrum zeigt in seiner Form eine Besonderheit. Üblicherweise sind derartige Plätze rechteckig oder quadratisch. Doch der Zittauer hat eher die Form eines unsymmetrischen Rechteckes und verläuft an seiner nördlichen Seite in einem feinen Bogen hin zur Inneren Weberstraße und dem Johannisplatz wie ein verkehrtes L. Dieser Platz wird dominiert vom prächtigen Rathaus, einem Neorenaissancebau, und dem Gebäudeensemble ringsum. Die meisten dieser Häuser sind Barockbauten, haben oft kunstvolle Giebel, Erker, Fassaden sowie Korbbogenportale und Oberlichtgitter. Hervorzuheben sind die Stadtapotheke von 1519 und das Noacksche Haus, 1689 fertiggestellt, der 1710 erbaute Gasthof zur Sonne, die sogenannte Fürstenherberge, und auf westlicher Schmalseite das 1678 erbaute frühere Amtsgericht.Im Mittelalter begann die Geschichte der Stadt und bald auch die des Marktes. Frühzeitig gab es hier bereits kleine Siedlungen, und 1238 wurde Zittau erstmals in einer Urkunde erwähnt. Der Marktplatz in dessen Zentrum war viel größer, fast quadratisch und bezog die Johanniskirche ein. Der böhmische König Ottokar II. legte 1255 durch seinen Umritt Zittaus Größe fest, verlieh ihm neben dem Stadtrecht Vorrechte. Diese waren Grundlage des raschen Aufschwunges und Reichtums, denn hier blühten Wirtschaft und Handel.

Das erste Rathaus aus Holz in der Marktmitte wurde 1354 durch ein größeres, steinernes mit Bürgersaal und Stuben für Rat und Gericht ersetzt. Nach dem Stadtbrand 1359 bekam der Markt seine heutige Form, denn im Süden und Westen wurden Hausfronten vorgezogen, und im Norden entstand eine Häuserzeile vor der Johanniskirche. Außen am Rathaus gab es bald Gewerbebuden und darunter die alten Fleischbänke. Die Einwohnerzahl stieg stetig, und der Bauplatz am Markt wurde knapp. Die Häuser rückten enger zusammen, zeigten geschmückte Giebel, Lauben und Laubengänge. Das Rathaus kam 1531 an die Ostseite des 122 Meter langen Platzes, als an dieses das Handelshaus der Tuchmacher, das Gewandhaus, angebaut wurde. Ein großer Stadtbrand Mitte 1608 wütete auch am Markt, ein Neuaufbau der Gebäude erfolgte noch im gleichen Jahr.

Der schwärzeste Tag für Zittau kam im Siebenjährigen Krieg. Preußische Truppen hielten die Stadt besetzt, als am 23. Juli 1757 die Österreicher diese heftig bombardierten, was einen Großbrand auslöste. Die Zerstörung war gewaltig, fast alle Häuser wurden vernichtet. Der Markt sah schlimm aus. Die prächtigen Gebäude, zumeist Bierhöfe, waren nur noch Ruinen. Von 1840 bis 1845 entstand das neue, jetzige Rathaus an gleicher Stelle wie seine drei Vorgängerbauten. Am großen Durchgangsportal stehen zwei Statuen, und drinnen sind wieder ein prächtiger Bürgersaal, die geborgenen Löwen vom alten Rathaus sowie das Prunkwappen und wertvolle Bleiglasfenster aus Zittauer Werkstätten zu bewundern. Auch die Gebäude rund um den Markt entstanden wieder in alter Pracht.

Zu DDR-Zeiten erhielt der Markt den Namen „Platz der Jugend“. Auch damals wurde hier am Markt in den vielen Geschäften ringsum gehandelt. In dieser Zeit verlegte man den Busverkehr vom Platz an den Stadtring, und Kraftfahrzeuge wurden weitestgehend aus dem Zentrum verbannt. Seit circa 25 Jahren heißt der Markt wieder Markt, ist Zentrum und noch immer ein Anziehungspunkt für alle.