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Ohne Anschluss

In Kroptewitz gibt es nicht für alle eine öffentliche Abwasserentsorgung. Jetzt wird Hilfe signalisiert.

Von Tina Soltysiak

Thomas Wentzlaff und sein Nachbar Werner Laibach sind verärgert: Der Abwasserzweckverband Leisnig (AZV) hat ihre und weitere Grundstücke nicht an den neugebauten zentralen Abwasserkanal angeschlossen. Deshalb haben sie sich gestern mit Fred-Gerrit Griepernau, Geschäftsbesorger des AZV, sowie seiner Mitarbeiterin Heidi Wiede und Ortsvorsteher Michael Heckel getroffen, um ihrem Ärger Luft zu machen und Lösungsvorschläge zu besprechen. Am liebsten wäre es den beiden Männern, wenn die betreffenden Häuser an den bestehenden Kanal angebunden würden. Von ihren Häusern aus führt ein Graben parallel zur Straße bis zu einem Schacht in rund 200 Metern Entfernung.

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„Es kann doch nicht das Problem sein, ein Rohr zu verlegen. Das Gefälle reicht locker aus“, meint Wentzlaff. Die AZV-Mitarbeiter schauen skeptisch auf ihren Plan. Denn zwischen den angedachten Punkten geht die Straße leicht bergauf. Eine Freispiegelleitung sei wohl nicht machbar, dazu fehle das notwendige Gefälle, sind sie sich einig. Dennoch wollen sie im Interesse der Anwohner nochmals Nivellierungen in Auftrag geben.

Zentrale Entsorgung nie vorgesehen

Dieses Entgegenkommen müsste, wenn sie Dienst nach Vorschrift machen würden, nicht sein. „Im Abwasserbeseitigungskonzept des AZV ist nie vorgesehen gewesen, dass die Grundstücke zentral angeschlossen werden – weder in der ersten Fassung von 2004 noch in der überarbeiteten Variante von 2008“, stellt Griepernau klar. Es wäre einfach nicht wirtschaftlich wegen drei Grundstücken 200 bis 300 Meter Kanal zu bauen.

Fred-Gerrit Griepernau ist seit 22 Jahren im Dienste der Abwasserbeseitigung unterwegs, seit Februar im Raum Leisnig. Deshalb kann er aus dem Stand heraus noch zwei Alternativen zur Leistung mit freiem Gefälle anbieten: entweder eine Gruppenkläranlage für die betreffenden Grundstücke oder eine Druckleitung mit hauseigenen Pumpstationen.

Letztere Variante wollen die beiden Kroptewitzer Wentzlaff und Laibach auf jeden Fall umgehen. „Das müssen wir alles selbst zahlen und dann noch Abwassergebühren extra, das sehe ich nicht ein“, sagt Thomas Wentzlaff. Das sei schon aus finanzieller Sicht für den Arbeitslosen nur schwer zu handhaben, denn Zuschüsse vom Amt gibt es dafür nicht. Außerdem habe er von Bekannten gehört, dass die Hauspumpe aufgrund der Fäulnisgase schnell verschleiße und der Stromverbrauch auch nicht zu verachten wäre.

Obwohl ihnen die Freileitung lieber wäre, könnten sie sich mit der Gruppenlösung einer Kleinkläranlage prinzipiell anfreunden. Diese müsste für sechs Einwohner dimensioniert und ein geeigneter Standort gefunden werden. „Abwasserrechtlich betrachtet gilt dies wie ein Vollanschluss, die Grundstückseigentümer müssten sich jedoch einmalig anteilig an den Kosten für die Bauleistung beteiligen“, erklärt Griepernau.

Kanalbau bereits abgeschlossen

Der Bau von Kanal und Kläranlage in Kroptewitz, der kürzlich abgeschlossen wurde, hat rund 650 000 Euro gekostet. Refinanziert wird die Erschließung des Ortsteiles über die Beiträge und Gebühren der Anschlussnehmer. Etwa 200 Einwohner von Kroptewitz sind an diese neue Kläranlage angebunden. „Die Grundstücke werden durch das Verlegen von Abwasserleitungen an die zentrale Entsorgung aufgewertet“, so Griepernau. Er und seine Mitarbeiter wollen die drei Varianten sowohl technisch als auch wirtschaftlich auf den Prüfstand stellen. Alle Beteiligten wünschen sich eine schnelle Entscheidung. Denn die Zeit drängt: Bis Ende 2015 müssen alle Ortschaften im AZV-Gebiet über eine vernünftige Abwasserentsorgung verfügen.