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Ohne Berührungsängste

Bei einer Gesprächsrunde zur Gemeindefusion Thiendorf-Tauscha entdeckten die Vereine nach holprigem Beginn noch zahlreiche Chancen und viele Vorteile.

© Anne Hübschmann

Von Manfred Müller

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Es sind ausgerechnet die Ponickauer, die am Montagabend die Diskussion über eine mögliche Eingliederung von Tauscha nach Thiendorf in sachliche Bahnen zurücklenken. Das überrascht ein wenig, weil der Thiendorfer Ortsteil doch recht weit von Tauscha entfernt liegt und man den Einwohnern eine gute Portion Skepsis gegenüber den Eingemeindungs-Gedanken nachsagt. „Ich wohne in Ponickau, aber mein Sohn spielt in Tauscha Fußball, weil die einfach eine gute Jugendarbeit machen“, sagt Katrin Müller. Als Vertreterin der IG Dorfclub könne sie sich gut vorstellen, dass die Tauschaer beim Ponickauer Erntedankfest im September den Umzug mitgestalten. Ein Zusammengehen beider Gemeinden biete aus Sicht der Vereine gute Entwicklungschancen. Ähnlich äußerte der Vertreter des FSV 93 Ponickau. Die Sportler könnten im Nachwuchsbereich zusammenarbeiten – bei den Kindern gebe es da viel weniger Berührungsängste als bei den Erwachsenen.

Chancen und Risiken

Thiendorf und Tauscha sind schon seit über einem Jahrzehnt durch eine Verwaltungsgemeinschaft verbunden. Am Montag tagte in Sacka der Gemeinschaftsausschuss, und der hatte die Vertreter der örtlichen Vereine und Kirchgemeinden zu einer Diskussionsrunde über die Gemeindefusion eingeladen. Etwa 40 Leute waren ins Dorfgemeinschaftshaus gekommen, um über Chancen und Risiken eines Zusammengehens zu sprechen. Tauscha geht es finanziell nicht sonderlich gut, so dass sich beim reichen Nachbarn Thiendorf etliche Widerstände aufgebaut haben. Im Juni wird dort ein Bürgerentscheid zur Fusion stattfinden. Beide Gemeinden wollen im Vorfeld den Entwurf eines Eingliederungsvertrages erarbeiten, der den Einwohnern als sachliche Grundlage für ihre Entscheidung dienen soll. Das Arbeitspapier wurde in Sacka zunächst in groben Zügen vorgestellt. Die wichtigste Passage ist wohl jene, die besagt, dass notwendige Investitionen in der neuen Gemeinde ohne finanzielle Mehrbelastung für die Bürger über die Bühne gehen sollen.

Das war Thiendorfs Ex-Bürgermeister Armin Freund allerdings nicht genug. Jeder wisse, dass das Geld in der Gemeindekasse im Gewerbegebiet an der Autobahn verdient wird. Dafür müssten die Thiendorfer auch die damit verbundenen Belastungen in Kauf nehmen. Und nun kämen die Tauscha, die nicht mal ihre Kinder in die Grundschule nach Ponickau schicken wollen, noch mit ihren finanziellen Problemen. Fast hätte Freund, der eigentlich als Chef des Thiendorfer Sportvereins mit am Tisch saß, das Gespräch damit an die Wand gefahren. Zumal er den Tauschaern und seinem Amtsnachfolger indirekt Unehrlichkeit vorwarf. „Die Thiendorfer können eins und eins zusammenzählen“, hielt Neu-Bürgermeister Dirk Mocker entgegen. „Wenn sich eine arme und eine reiche Gemeinde zusammenschließen, kommt keine superreiche Gemeinde dabei heraus.“ Freunds Argumente verwunderten insofern, als er noch vor Jahresfrist die Position vertreten hatte, dass die Eingemeindung von Tauscha auch für Thiendorf erhebliche Vorteile mit sich bringt. Zum einen dadurch, dass die Gemeinde von der Einwohnerzahl her dann doppelt so groß wäre und weiteren Schritten bei der Gemeindegebietsreform entspannter entgegensehen könnte. Darüber hinaus müsste keine Reichensteuer mehr an den Freistaat bezahlt werden; es flössen sogar finanzielle Zuweisungen aus Dresden in den Gemeindehaushalt. Nicht zu vergessen die kulturellen Werte, die Tauscha in eine Ehe einbrächte. Einen ausgesprochen rührigen Landsportverein zum Beispiel oder eine vorbildlich organisierte Feuerwehr mit einer erfolgreichen Nachwuchsarbeit.

Spannungen sind unübersehbar

Er habe den Eindruck, dass etwa zwei Drittel der Leute für ein Zusammengehen der beiden Gemeinden sind, ein Drittel hingegen meine, sie würden ja sowieso nicht gefragt, sagte der Sackaer Pfarrer Eike Staemmler. Letztere müssten Fusions-Befürworter schon für sich gewinnen. Berührungsängste haben offenbar vor allem die Älteren, denen Thiendorf seinen Status als wohlhabende Gemeinde verdankt. Nach dem Generationswechsel im Bürgermeisteramt und im Gemeinderat stehen die Signale pro Tauscha, und die daraus resultierenden Spannungen sind nicht zu übersehen.

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