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Döbeln

Ohne Papa in den Kreißsaal

Tim Gründler durfte bei der Geburt seiner Tochter in der Leisniger Helios-Klinik nicht mit dabei sein. In Mittweida ist das noch anders.

Kim Prather hat am Mittwoch in der Helios-Klinik in Leisnig ihre Tochter Klara Gründler zur Welt gebracht. Deren Papa Tim Gründler durfte der Schwangeren nicht einmal die Tasche mit aufs Zimmer bringen.
Kim Prather hat am Mittwoch in der Helios-Klinik in Leisnig ihre Tochter Klara Gründler zur Welt gebracht. Deren Papa Tim Gründler durfte der Schwangeren nicht einmal die Tasche mit aufs Zimmer bringen. © privat

Leisnig. Die Geburt des eigenen Kindes ist und bleibt für Familien ein einmaliges und emotionales Erlebnis. Auch viele Väter wollen an diesem besonderen Moment teilhaben. So auch Tim Gründler. Der 26-Jährige ist am Mittwoch das erste Mal Papa geworden. Gesehen hat er seine kleine Tochter Klara aber bisher noch nicht. Dabei sollte das eigentlich ganz anders laufen.

„Meine Freundin hatte am Mittwoch einen Termin beim Frauenarzt“, erzählt der junge Mann aus Hartha. Der errechnete Termin war erreicht. Die Geburt sollte eingeleitet werden. Kim Prather rief ihren Freund nach dem Termin an, erzählte ihm, dass das Abenteuer Familie beginnen kann.

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 „Ich bin dann von Arbeit weg, nach Hause, habe meine Freundin abgeholt, ihre Tasche ins Auto gepackt. Dann sind wir nach Leisnig gefahren“, schildert der frisch gebackene Vater den Geburtstag seiner Tochter. Das Paar ging zum Empfang der Helios-Klinik, in der frohen Erwartung, bald gemeinsam das Baby in den Händen zu halten.

 Seine Freundin meldete sich in der Klinik an. Dann habe die Mitarbeiterin an der Anmeldung auf der Station angerufen. „Da hieß es auf einmal, dass ich nicht mit rein kann“, sagt Tim Gründler. Auch der behandelnde Arzt, in den das Paar noch Hoffnung setzte, konnte an der Situation nichts ändern.

Die Enttäuschung war bei beiden groß. Schließlich waren sie froh, dass es nach dem Besucherstopp für die Klinik hieß, dass werdende Väter bei der Entbindung noch mit dabei sein können. Das hatte unsere Zeitung am Donnerstag auch berichtet. Doch die Lage habe sich in der Zwischenzeit geändert, machte Klinik-Sprecherin Juliane Dylus deutlich.

Helios Klinik Leisnig Krankenhaus Haus D
Helios Klinik Leisnig Krankenhaus Haus D © André Braun

„Seit Mittwoch dürfen die Väter nicht mehr mit in den Kreißsaal“, sagte Dylus am Donnerstagvormittag. Jeden Tag werde in der Klinik die Lage neu bewertet. Die Entwicklung sei sehr dynamisch. Mit der Tatsache, dass seit Dienstag ein Corona-Patient in der Klinik behandelt wird, habe die Änderung aber nichts zu tun, betont die Klinik-Sprecherin. Zumal sich der betroffene Patient auch in einem anderen Gebäude der Klinik befinde.

Seine Freundin habe die Geburt gut überstanden, auch allein, sagt Tim Gründler. Kim Prather und die kleine Klara seien wohlauf. Im Klinikalltag spüre die junge Mutter wenig von der Aufregung um das Coronavirus. Aufgefallen sei ihr nur, dass das Klinikpersonal seit Donnerstag auch auf ihrer Station mit Mundschutz ausgestattet sei. Auch dies sei im Zuge der regelmäßigen Anpassungen der Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus umgesetzt worden, begründet die Kliniksprecherin.

Am Krankenhaus in Mittweida dürfen die Partner nach wie vor mit in den Kreißsaal, sagte Ines Schreiber am Donnerstag auf Nachfrage. „Die Betreuung von Schwangeren ist auch weiterhin gesichert“, so die Sprecherin der Landkreis Mittweida Krankenhaus gGmbH. Lediglich bei den geburtsvorbereitenden Terminen sollten keine Begleitpersonen dabei sein.

Tim Gründler hofft, dass seine Freundin und seine Tochter am Freitag die Klinik verlassen können. So zumindest wurde es der Familie am Donnerstag gesagt. Bisher hat er seine Tochter nur auf Fotos und Videos zu Gesicht bekommen. „19.42 Uhr ist unsere Tochter geboren worden. Ungefähr fünf Minuten später bekam ich einen Videoanruf über WhatsApp“, erzählt Gründler.

Er hatte zu Hause auf Nachrichten aus dem Krankenhaus gewartet. Und war am Ende erst einmal überrumpelt, dass seine Tochter schon auf der Welt ist. „Man hatte uns gesagt, dass es bei einer Einleitung bis zu zwei Tage dauern kann“, so der 26-Jährige. Aber Klara hatte es eilig. Nach nur zweieinhalb Stunden war die Geburt geschafft.

Die Freude über seine Tochter hat Tim Gründler inzwischen darüber hinweggetröstet, dass er bei der Geburt nicht dabei sein konnte. „Wir sind beide froh, dass Klara gesund zur Welt gekommen ist.“

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