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Ohne Sandsäcke gegen die nächste Flut

Die Leipziger Vorstadt in Dresden soll einen festen Hochwasserschutz bekommen. Dieser wird viele Grundstücke durchschneiden.

Am 6. Juni 2013 erreicht der Elbpegel bei 8,76 Meter den Höchststand. Hunderte Helfer sichern die Leipziger Vorstadt mit Sandsäcken.
Am 6. Juni 2013 erreicht der Elbpegel bei 8,76 Meter den Höchststand. Hunderte Helfer sichern die Leipziger Vorstadt mit Sandsäcken. © Robert Michael

Sandsäcke füllen, Sandsäcke stapeln, Brötchen schmieren, Kaffee kochen. Jeder half, wo er konnte, um die Leipziger Vorstadt am 6. Juni 2013 vor der Elbe zu schützen. Noch einmal soll es nicht in Menschenhand liegen, ob der Stadtteil nahe des Flusses überschwemmt wird oder nicht. Die Stadt schiebt jetzt einen durchgehenden Hochwasserschutz an.

Wie lang soll der Hochwasserschutz entlang der Leipziger Straße werden?

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Konkret geht es um den zweieinhalb Kilometer langen Abschnitt zwischen der Marienbrücke und der Pieschener Molenbrücke. Ab einem Pegelstand von sieben Metern wird das Gebiet überschwemmt. Sowohl bei der Flut 2002 als auch beim Sommerhochwasser 2013 stand es fast vollständig unter Wasser, obwohl das Gelände von der Elbe zur Leipziger Straße hin allmählich ansteigt.

Warum reicht es nicht, das Gebiet mit Sandsäcken zu schützen?

Nur den vielen freiwilligen Helfern war es beim letzten Hochwasser 2013 zu verdanken, dass sich die Elbe zwischen Marienbrücke und dem Ballhaus Watzke nicht über die Leipziger Straße ausbreiten konnte. Sie füllten Sandsäcke im Akkord, bis an den Rand ihrer Kräfte. Der personelle Aufwand sei jedoch extrem hoch gewesen, schätzt die Stadtverwaltung heute ein. Außerdem führte die Aktion dazu, dass die Leipziger Straße gesperrt werden musste und der Stadtteil schwer zu erreichen war. Nur eine feste Hochwasserschutzanlage könne das Gebiet sicher schützen und gewährleisten, dass das Gebiet auch bei einer Flut mit Autos und Straßenbahnen zugänglich bleibt, heißt es aus dem Rathaus.

Eine Fluthelferin sitzt am 6. Mai 2013 völlig erschöpft auf einer Sandsack-Barrikade an der Leipziger Straße. 
Eine Fluthelferin sitzt am 6. Mai 2013 völlig erschöpft auf einer Sandsack-Barrikade an der Leipziger Straße.  © Robert Michael

Heißt das, dass eine riesige Mauer auf die Elbwiese gesetzt wird?

Eine durchgängige Mauer oder einen zusammenhängenden Wall müssen die Anwohner nicht befürchten. Dies würde die städtebauliche Erscheinung der Leipziger Vorstadt zu stark beeinträchtigen, heißt es. Stattdessen ist eine Kombination aus Anböschungen mit aufgesetzten Mauerkronen, Mauern, Podesten und Geländeanhebungen vorgesehen. Deren maximale Höhen variieren zwischen 90 Zentimetern, etwa im Bereich der Showboxx, und 3,10 Metern, zum Beispiel unterhalb des Arzneimittelwerks und neben der Marienbrücke. Wo genau Böschungen und wo Mauern entstehen, ist noch unklar.

Fest steht dagegen, dass auf mobile Schutzwände weitestgehend verzichtet wird. Sie sollen nur dort eingesetzt werden, wo der Hochwasserschutz Straßen oder Grundstückshöfe schneidet, die passierbar bleiben müssen, beispielsweise auf der Uferstraße oder bei der Showboxx.

Wie wird der Hochwasserschutz genau verlaufen?

Im Auftrag der Stadt hat ein Ingenieurbüro mehrere Varianten erarbeitet. Die Stadtverwaltung hat sich die Vorschläge angeschaut und sich bereits auf einen Verlauf festgelegt. Ansetzen würde der Hochwasserschutz an der Marienbrücke. Von dort aus durchschneidet er die Kleingartensparte, quert die Uferstraße und setzt sich südlich des Arzneimittelwerkes fort. Im Bereich der neuen Hafencity ist ohnehin eine Geländeerhöhung zwischen den künftigen Wohnhäusern und dem Neustädter Hafen geplant, die Teil des Gebietsschutzes wird. Anschließend wird der Hof der benachbarten Showboxx durchschnitten. Von dort aus geht es südlich des Malteser-Gebäudes weiter, über das Grundstück der Architektin Regine Töberich, durch die Kleingartensparte „An der Fähre“ und vorbei an der nördlichen Kante des Stadions. Zwischen Moritzburger Straße und Molenbrücke soll der Schutz ziemlich dicht entlang der Leipziger Straße verlaufen.

Fix ist das alles noch nicht. Zunächst soll der Stadtrat diese Vorzugsvariante beschließen – als Grundlage für weitere Gespräche. Möglich ist somit, dass im Rahmen der Bürgerbeteiligung doch noch Teile der anderen Varianten zum Zuge kommen und sich der Verlauf ändert.

 Zum Schutz gegen das Hochwasser wurde auch 2002 auf der Leipziger Straße  ein Sandsackdamm errichtet.
 Zum Schutz gegen das Hochwasser wurde auch 2002 auf der Leipziger Straße  ein Sandsackdamm errichtet. © SZ/Thomas Lehmann

Wie schnell kann die Leipziger Vorstadt geschützt werden?

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