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Ohne Skulptur droht Leere an der Neiße

Das öffentliche Engagement zum Thema „Zukünftiger Standort der Rau-Skulptur“ freut mich, weil es mein Thema ist und Faktor im Lebensgefühl von uns Bürgern in unserer Stadt. Aus fachlicher Sicht allerdings...

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Das öffentliche Engagement zum Thema „Zukünftiger Standort der Rau-Skulptur“ freut mich, weil es mein Thema ist und Faktor im Lebensgefühl von uns Bürgern in unserer Stadt. Aus fachlicher Sicht allerdings sind die eingebrachten Standortvorschläge doch oftmals vordergründig und oberflächlich: Künstlerische und städtebauliche Aspekte sowie zeitlich prozessualer Zusammenhang werden ausgeklammert.

Das will ich erklären: Die Rau-Skulptur im öffentlichen Raum ist das einzige Relikt in unserem Stadtbild aus der Phase der Kulturhauptstadtbewerbung. In Farbe und Dimension setzt sie ein markantes Zeichen und ist – wenn auch künstlerisch nicht taufrisch – nicht zeitgenössische, aber moderne Kunst. Das ist neben all den nostalgischen Objekten in unserer Stadt (unter anderem „Badewanne“, Gänse) ein Durchbruch, der unausweichlich Konfrontation schafft.

Kunst als Störfaktor ist hier noch ungewohnt und doch wertvoll und ganz auf der Linie unserer Kulturhauptstadtbewerbung. Das sollten wir jetzt nicht verdrängen. Zudem: Die Rau-Skulptur war kein ungeliebtes Geschenk an die Stadt, sondern ein finanzielles Ringen. Der damalige Ankauf wurde erst durch umfangreiche Fördermittel der Kulturstiftung Sachsen und Aufstockung durch großzügige Spenden weniger Privatleute realisierbar.

Der derzeitige Standort war aus Politik- und Fachkreisen bewusst gewollt und nach damaligem Planungsstand aus meiner fachlichen Sicht genau der richtige: Die Skulptur ist eingebunden in den spezifischen Kontext unserer Stadt, nämlich einen abschließenden unübersehbaren Akzent auf dem Grenzareal mit Neiße und Altstadtbrücke zu setzen und doch den Blick frei zu geben auf die andere Seite; sie stellt ein optisches Gegenüber zum mächtigen bunten Turm der Dreiradenmühle dar; sie bildet einen Kontrapunkt zu den nostalgischen Gänsen und dem runden Bau der Ochsenbastei, eine innere Spannung, die Kunst spannend macht. Kritiker, die sich in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Skulptur darauf beriefen, dass das Objekt ja nicht für unsere Stadt gemacht sei, sondern schon in verschiedenen Städten gestanden habe, sei gesagt, dass sie zum damaligen Zeitpunkt bei uns einen aus meiner Sicht unvergleichlich überzeugenden und stadtspezifischen Platz gefunden hat.

Nun haben sich durch städtische Planungen für Freizeit und Erholung, durch Berzdorfer See und Uferpark mögliche Perspektiven für eine Umstellung der Skulptur ergeben und erregen die Gemüter. Neben schon damals vereinzelt eingebrachten Vorschlägen, die Skulptur einfach auf Parkplatz, Schulhof oder Kindergarten abzustellen, kommen ernstzunehmende Vorschläge für die beiden neuen Planungsgelände. Ich persönlich stehe nach wie vor zu dem jetzigen Standort. Die versetzte Skulptur würde große Leere hinterlassen. Sie hat sich inzwischen zu einem signifikanten Merkmal entwickelt. Den Uferpark am Massagelände halte ich bei derzeitiger Planung für zu eng und zergliedert. Für den Fall eines Standortwechsels favorisiere ich das breite, flache östliche Ufer-areal am Berzdorfer See. Hier ergäbe sich öffentlichkeitswirksam ein interessantes Spannungsfeld zwischen Natur und Kunstobjekt. Auch hier bleibt das Besetzen eines öffentlichen Raumes mit Kunst eine Art „Möblierung“, aber hier doch eine Rarität, die Kunst bewusst macht und wirken lässt, sich gegenseitig in ihrer Wirkung verstärkt: Kunst – Natur. Allerdings – und das möchte ich bei unserem irritierten Kunstverständnis nicht verhehlen – birgt dieser abseits gelegene Standort gegenüber dem derzeitigen Platz auch eine verstärkte Gefahr von Vandalismus in sich. Das wäre auf dem Massagelände in Nachbarschaft zum Stadtpark aber sicher ähnlich.