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Döbeln

„Ohne Wirtschaft ist am Ende alles nichts“

Positiv denken, ist das Motto vieler Unternehmer nach der Landtagswahl. Aber nicht alle sind optimistisch.

Thomas Kolbe, Präsident der IHK Mittelsachsen, hofft nach der Landtagswahl auf eine schnelle und stabile Regierung.
Thomas Kolbe, Präsident der IHK Mittelsachsen, hofft nach der Landtagswahl auf eine schnelle und stabile Regierung. © Dietmar Thomas - Archiv

Region Döbeln. Was die Wirtschaft brauche, sei Planungssicherheit, meint Thomas Kolbe, Präsident der IHK Mittelsachsen und Geschäftsführer der Firma Max Knobloch. Er hofft, dass nach der Wahl schnell eine stabile Lage eintritt und die spürbare Nähe der Politik zur Wirtschaft anhält, die in den vergangenen Monaten entstanden ist. 

„Es hat sich in Sachsen einiges bewegt“, meint Kolbe. „Ohne Wirtschaft ist am Ende alles nichts.“ Das müsse die Politik begreifen. Jede Ausgabe für Soziales und die Kultur müsse auch erwirtschaftet werden. Dass die AfD so stark geworden ist, sei zu erwarten gewesen. „Die Wähler haben entschieden. Ihnen ist hoffentlich bewusst, dass wir unser eigenes Land gestalten“, so Kolbe. In den nächsten Jahren werde die Wirtschaft 30 bis 40 Prozent der erwerbstätigen Menschen verlieren, weil sie in Rente gehen. Es beginne ein Transformationsprozess, in dem Menschen gebraucht werden. 

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Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Ein Baustein sei die Zuwanderung. „Die Gesellschaft lebt von der Willkommenskultur.“ Der Satz „Das freundliche Sachsen hat gewonnen“ sei ein gutes Motto. Es müsse alles getan werden, was für das Image der Region gut sei, Menschen sowie Firmen hierher zieht „und wir nicht abgehängt werden. Also, positiv denken.“

Besser nachhaltiger arbeiten

Walter Stuber, Geschäftsführer der Gerüstbau Gemeinhardt GmbH, glaubt nicht, dass die Wirtschaft auf diesem hohen Niveau weitermachen kann. Ständig weiter, höher, schneller – dieses Konzept gehe nicht auf. „Besser wäre, darüber nachzudenken, wie ich mit meinen Mitarbeitern und für die Umwelt nachhaltiger arbeiten kann“, so Stuber. „Bei manchen Dingen sollten wir uns auf das Alte zurückbesinnen.“ 

Unabhängig von der AfD sei bereits seit einem halben Jahr ein Wirtschaftseinbruch spürbar. Das wolle aber niemand wahrhaben. Der Fachkräftemangel sei die Folge der Preispolitik der Handwerker. Die Industrie habe die Preise für das Material erhöht, aber die Handwerker ihre Preise und dementsprechend auch die Löhne nicht. So erfolge ein Kurzschluss nach dem anderen.

„Wir hatten bisher einen Landwirtschaftsminister, der selbst Landwirt ist. Dem musste man nichts erklären“, sagt Jan Kalbitz, Vorstand der Obstland Dürrweitzschen AG. Er hofft, dass auch künftig ein Fachmann dieses Amt innehat. Ausländischen Mitarbeitern steht er positiv gegenüber, denn ohne sie gehe es im Garten-, Wein- und Obstanbau nicht mehr. Bereits im Februar kommen die ersten 50 zum Bäumeschneiden. Die Zahl steigt bis auf tausend Saisonkräfte in der Apfelernte. „Ich habe keine Anhaltspunkte, dass ihnen die einheimische Bevölkerung Resentiments entgegenbringt“, so Kalbitz.

Politik muss Entscheidungen treffen

Thomas Partzsch, Geschäftsführer der gleichnamigen Döbelner Firma, glaubt nicht, dass die Wahl große Auswirkungen auf die Wirtschaft haben wird, denn die großen Parteien seien weiter am Ruder. Für ihn steht die Frage: Wann ist die Politik bereit, Entscheidungen zu treffen? 

Außerdem müsse die Landesregierung erkennen, dass sie mit den Firmen reden sollte. Ostdeutschland konnte nach der Wiedervereinigung mithilfe von Fördergeld den Rückstand so lange aufholen, bis die Bürokratie so groß wurde, dass Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis mehr standen, „und die Firmen keine Lust mehr hatten, Fördergeld zu beantragen.“ Dank der AfD hätten die Politiker die Augen aufgemacht.

André Baldauf, Geschäftsführer der Waldheimer Speditionsgesellschaft, befürchtet, dass sich die Fraktionen der neuen Landesregierung mehr miteinander als mit den Notwendigkeiten in Sachsen beschäftigen werden. Der AfD fehle wiederum die Erfahrung, so dass es zweifelhaft sei, ob sie großen Einfluss nehmen kann. 

„Ich gehe davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage abkühlt“, so Baldauf. Das sei bereits seit sechs Monaten zu spüren. In Ostdeutschland sei es verwerflich, dass die Politiker nicht auf das Volk hören wollen. „Die Politik kann uns keine neuen Arbeitskräfte backen“, so Baldauf. Er hoffe, dass die Rezension einen Wertewandel bewirkt und die Menschen auch gegenüber dem Arbeitsplatz wieder mehr Respekt haben. (DA/rt)

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