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Ohne Zuschauer-Gewusel

Unter außergewöhnlichen Umständen ist in diesem Jahr das größte Sportereignis in der Stadtregion Hoyerswerda vorbereitet worden.

Mit Martin Schulz war ein waschechter Welt- und Europameister unter den Startern des KnappenMan. Er gewann auf der Sprintstrecke.
Mit Martin Schulz war ein waschechter Welt- und Europameister unter den Startern des KnappenMan. Er gewann auf der Sprintstrecke. © Foto: Mirko Kolodziej

Lohsa/Weißkollm. Ein Triathlon ist ein Triathlon. Am Strand zum Beispiel ziehen sich die Athleten vor dem Start die Badekappen über die Ohren, prüfen den Sitz der Schwimmbrillen und lassen zwecks Erwärmung die Arme kreisen. Manche Dinge ändern selbst Viren und dagegen ergriffene Maßnahmen nicht. Andere schon.

Am Sonntag stand der Hoyerswerdaer Klaus Globig an der Strecke. Seit dem dritten oder vierten (damals noch) Staffeltriathlon war er mit seinem Rennrad jedes Jahr dabei. Sein Team „Megakerls“ gehört sozusagen zur Standard-Ausstattung. Dieses Mal war – mit begrenzter Teilnehmerzahl und dem großen Ansturm wegen der vielen weltweit abgesagten Wettbewerbe – kein Startplatz zu bekommen. Klaus Globig meldete sich also als Wettkampf-Helfer.

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An ihm vorbei lief am Sonntag ein waschechter Welt- und Europameister sowie Paralympics-Sieger von 2016. Ohne Covid-19 wäre der Oschatzer Martin Schulz mit Sicherheit nicht am Dreiweiberner See gewesen. Denn er hatte sich für die Paralympics in Tokio qualifiziert, die dieser Tage normalerweise stattgefunden hätten.„Es ist ein schöner See und es ist eine schnelle Strecke“, lobte der 30-Jährige nach seinem Rennen über die Sprintdistanz. Die 750 Meter im Wasser waren in reichlich neun Minuten zurückgelegt. Dann folgten 27 Minuten für 20 Kilometer auf dem Rad und noch einmal 16-einhalb Minuten für die Fünf-Kilometer-Laufstrecke. Den Pokal für den Sieg musste sich Schulz dann wie alle anderen Erst-, Zweit- und Drittplatzierten selbst vom Sieger-Treppchen nehmen. Denn eine Übergabe war laut Hygiene-Konzept nicht erlaubt. Der guten Laune tat das keinen Abbruch. „Wenn es sich einrichten lässt, komme ich gern wieder her“, meinte Schulz. So wie ihn zog es am Wochenende Triathleten aus allen Himmelsrichtungen nach Weißkollm. An der gesperrten und daher zugeparkten Staatsstraße nach Lohsa konnte man das an den Auto-Kennzeichen erkennen: Leipzig, Dresden, Erzgebirge, aber auch Backnang bei Stuttgart, Pirmasens in Rheinland-Pfalz oder Köln waren da am Straßenrand vertreten.

Keine Ergebnis-Aushänge

Die Wettbewerbe liefen nicht ganz, aber doch großteils ohne die übliche Zuschauer-Kulisse ab. Auch das Schlachtenbummler-Verbot war ja Teil des Covid-19-Schutzkonzeptes. „Tja, wie fühlt es sich an, wenn AC/DC auf der Bühne steht und es sind keine Zuschauer da“, zog Vize-Landrat Udo Witschas eine Parallele. Am Strand mühte er sich mit fünf, sechs anderen Offiziellen ab, für wenigstens etwas Wettkampf-Applaus zu sorgen. Witschas war für die Organisatoren des Lobes voll. Dass dieses Jahr der europaweit einzige Langdistanz-Triathlon im Lausitzer Seenland zu absolvieren war, sei vor allem dem Sportbund Lausitzer Seenland – Hoyerswerda zu verdanken. Gesamtwettkampfleiter Harald Skopi berichtete, er habe das Gefühl gehabt, dass sich jeder einzelne Starter separat für die Organisation bedankt habe. Die „Hygienehinweise“-Schilder am Wechselgarten störten offenbar niemanden. Und auch der Umstand, dass die Ergebnislisten nicht ausgehängt werden durften, um die davor übliche Athleten-Ansammlung zu vermeiden, sorgte nicht für Murren.

Es waren dann auch weniger die Viren als die Vorfälle, die früher beim Triathlon zur Vergabe von „Pechvogel“-Pokalen führten. Ein Schulterbruch oder ein Schädel-Hirn-Trauma nach einem Sturz mit dem Fahrrad sind sicher ebenso unangenehm wie eine zumindest gefühlte Herzattacke beim Schwimmen. Aber für die Erstversorgung solcher Fälle standen nach altbewährter Art Sanitäter bereit. Auch das ist so ein Ding, das sich zum Glück nicht ändert.

Sieger auf der Mitteldistanz war Philipp Bahlke. Wie alle musste er sich seine Finisher-Medaille selbst nehmen. Die normale Übergabe durch jugendliche Helfer fiel dem Hygiene-Konzept zum Opfer.
Sieger auf der Mitteldistanz war Philipp Bahlke. Wie alle musste er sich seine Finisher-Medaille selbst nehmen. Die normale Übergabe durch jugendliche Helfer fiel dem Hygiene-Konzept zum Opfer. © Foto: Gernot Menzel
Wechselgarten
Wechselgarten © Foto: Gernot Menzel
Beim Schwimmen startete man in 30er-Gruppen.
Beim Schwimmen startete man in 30er-Gruppen. © Foto: Gernot Menzel

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