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„Ohne Zuschauer macht der Fußball keinen Spaß“

Dynamos Neuzugang Godsway Donyoh erklärt, was er von Geisterspielen hält und warum er seinen Vornamen auf dem Trikot trägt.

Ärgerlich ist die Zwangspause für Godsway Donyoh. Dynamos Winter-Neuzugang überzeugte zuletzt, wurde nun aber ausgebremst.
Ärgerlich ist die Zwangspause für Godsway Donyoh. Dynamos Winter-Neuzugang überzeugte zuletzt, wurde nun aber ausgebremst. © Lutz Hentschel

Es hätte ihn schlimmer treffen können. Die vergangenen trainingsfreien Tage musste Godsway Donyoh nicht in einem Hotelzimmer verbringen. Obwohl er zunächst nur für ein halbes Jahr an Dynamo ausgeliehen ist, hat der Winter-Neuzugang eine Wohnung in Dresden bezogen. Dort lässt es sich leichter aushalten, wenn die Bewegungsfreiheit durch das Corona-Virus vehement eingeschränkt ist.

Sportlich trifft Donyoh die mindestens bis zum 2. April andauernde Zwangspause in der 2. Bundesliga hart. Zumindest gehörte er zuletzt zu den Entdeckungen bei den Schwarz-Gelben. Man könnte die Mini-Siegesserie des Tabellenletzten sogar an ihm festzumachen. In den letzten beiden Spielen vor der Pause gehörte Godsway Donyoh erstmals zum Startelf-Personal, in beiden bereitete er einen Treffer vor, beide Partien gewannen die Dresdner und rückten dadurch wieder greifbar nah an die Nichtabstiegs-Region heran. Ausbauen lässt sich diese Serie vorerst nicht.

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Dennoch: Mit Donyoh kam bei Dynamo der Erfolg – das wäre eine schöne Schlagzeile, aber auch eine, die der 25-Jährige ablehnen würde. Wenn er über sich als Fußballer spricht, als Ghanaer macht er das im fließenden Englisch, dann verwendet er in fast jedem Satz das Wort Teamplayer. Dabei war er beim 2:1-Sieg im Derby gegen Aue, dem letzten vor der Corona-Pause, tatsächlich einer, der – neben Doppeltorschütze Patrick Schmidt natürlich – herausstach, der den Unterschied ausmachte, der seine Gegenspieler austanzte, in die Tiefe sprintete, gefährlich flankte. Bei seinem Debüt gegen Regensburg hatte er all das allenfalls angedeutet, nun scheint er tatsächlich angekommen zu sein in der neuen Mannschaft, dem neuen Verein, dem neuen Umfeld.

Defensivarbeit als Baustelle

Wobei, so ganz abschütteln kann er die Vergangenheit doch nicht. Das Verteidigen, das ist offensichtlich, gehört weiterhin nicht zu seinen Kernkompetenzen. „Es bleibt einem immer noch das Herz stehen, wenn er nach hinten arbeitet“, meint Trainer Markus Kauczinski. „Aber nach vorn passiert so viel. Ich lasse ihm deshalb seine Freiheit, reite nicht darauf rum. Er ist ein kreativer Spieler, der Tore vorbereiten kann. Wenn der Ertrag stimmt, nimmt man das in Kauf.“

Die Kritik hört Donyoh immer wieder. „Sie ist berechtigt, ich arbeite auch daran, habe mich schon ein bisschen verbessert“, findet er. Nach dem letzten Test in der Winterpause gegen Stuttgart hatte Kauczinski geurteilt, dass Donyoh „noch ein bisschen Zeit braucht, um sich an die Härte im Verteidigen zu gewöhnen“. Offensichtlich hat er das nun, zumindest ansatzweise. Dennoch ist es eine gewaltige Umstellung für ihn. Bei seinem Verein FC Nordsjaelland, von dem ihn Dynamo ausgeliehen hat, setzte der Trainer auf eine Kontertaktik.

Womöglich ist es aber auch nur eine Frage der Spielpraxis, beim Kopenhagener Vorstadtklub bestritt er in dieser Saison erst ein Spiel über 90 Minuten, gehörte mehrfach nicht mal zum Kader. „Warum, weiß ich nicht. Aber so ist Fußball nun mal“, sagt er und lacht.

Das macht Donyoh auffällig oft, er ist eine Frohnatur, sieht in fast allem das Positive. Nur wenn das Gespräch auf das Thema Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit kommt, fällt ihm das schwer. Die drohen, sollte die Zweitliga-Saison nach dem 2. April – oder wann auch immer – fortgesetzt werden. „Wir spielen nicht nur, weil wir Fußball lieben, sondern vor allem für die Fans“, erklärt er. „Ohne Zuschauer macht das keinen Spaß.“ Sein Urteil gelte unabhängig davon, ob Dynamo im eigenen oder fremden Stadion vor leeren Rängen antreten müsste. „Wir haben da keinerlei Vorteile, auch auswärts nicht. Denn unsere Fans kommen überall hin und sind lauter als die anderen.“

Starker Name auf Gottes Weg

Auch seinen Namen rufen sie vor Heimspielen inzwischen ähnlich laut wie die von Schmidt oder Broll, selbst wenn Donyoh für sächsische Zungen schon eine Herausforderung ist. Auf seinem Trikot steht ohnehin Godsway, sein Vorname also. Übersetzt heißt das Gottes Weg – der religiöse Bezug ist auch der Grund, warum er ihn bevorzugt. „Es ist ein starker Name, ich mag ihn“, erklärt er. Wie 13 Prozent der Ghanaer ist er Katholik. Gottesdienste hat er seit seinem Umzug aber noch nicht besucht. „Ich verstehe da zu wenig“, sagt er. „Dafür bete ich zuhause.“

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Dresden ist für Donyoh die erste Station in Deutschland, aber nicht in Europa. Mit 16 zog er von Afrika nach England, absolvierte die Nachwuchsschule von Manchester City. Danach ging es weiter über Schweden nach Dänemark. Geboren wurde er in Accra, die Hauptstadt von Ghana. Seine Mutter und seine zwei Schwestern leben in der westafrikanischen Republik. „Ich telefoniere oft mit ihnen“, sagt er. „Auch nach dem Derby gegen Aue habe ich mit ihnen gesprochen – über die Stimmung und auch meine Leistung.“

Es ist nicht die einzige Verbindung in seine Heimat. „Ich habe eine App, mit der ich TV-Sender aus Ghana empfangen kann.“ In den trainingsfreien Tagen hat er die sicher öfter mal genutzt.