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Olbersdorf bittet Besucher zur Kasse

Erstmals verpflichtet die Gemeinde Übernachtungsgäste, einen Obolus zu entrichten. Das Geld fließt in den Tourismus. Wer wann wie viel zahlen muss.

Die Infrastruktur wie der Spielplatz am Olbersdorfer See will bezahlt sein. Die Gemeinde beteiligt nun Übernachtungsgäste daran.
Die Infrastruktur wie der Spielplatz am Olbersdorfer See will bezahlt sein. Die Gemeinde beteiligt nun Übernachtungsgäste daran. © Matthias Weber (Archiv)

Mehr als zwei Jahre hat sich Olbersdorf Zeit gelassen und über den richtigen Weg gestritten: Ab 1. Januar 2021 wird die Gemeinde den Gebirgsorten Oybin, Jonsdorf und Großschönau nacheifern, erstmals eine Gästetaxe erheben und damit ihre Übernachtungsgäste an den Kosten für touristische Angebote beteiligen. Das hat der Gemeinderat während seiner jüngsten Sitzung beschlossen.

Das sind die Eckpunkte der vorerst fünf Jahre geltenden Vorschrift:

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Wer muss Gästetaxe zahlen?

Jeder, der in Olbersdorf gegen Geld übernachtet, aber kein Einwohner ist. Dabei ist es egal, ob der Besucher in einem Haus, einer Wohnung, einem Zimmer, einem Zelt oder einem Fahrzeug nächtigt. Besitzer von Datschen, Bungalows und Lauben müssen unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls ins Portemonnaie greifen. Verwandtschaftsbesuche dagegen sind ausgenommen, wenn kein Geld fließt. Befreit sind zudem unter anderem Kleingartenbesitzer, Kinder bis sechs Jahre, Schwerbehinderte und Angehörige von Datschen-Besitzern, wenn diese bezahlt haben. Ermäßigungen gibt es zum Beispiel für Jugendliche oder Teilnehmer an Tagungen und Lehrgängen.

Wie viel müssen Gäste zahlen?

Pro Übernachtung 1,50 Euro. Der Anreise- und Abreisetag werden zu einem Zahl-Tag zusammengefasst. Datschenbesitzer sollen eine Jahrespauschale von 60 Euro berappen.

Die anderen Orte im Zittauer Gebirge nehmen nur 1,40 Euro pro Tag. Dafür, dass Olbersdorf darüber liegt, gab es während der Gemeinderatssitzung mehrere Erklärungen. So hat zum Beispiel die Kalkulation der Kosten durch den Kämmerer ergeben, dass Olbersdorf einen höheren Bedarf als 1,40 Euro pro Gast hat und auch nehmen darf. Außerdem erwarten die Olbersdorfer, dass ihre Nachbarn in absehbarer Zeit die Gästetaxe anheben. Allerdings gab es im Rat auch Stimmen, die darauf hinwiesen, dass die anderen Gebirgsgemeinden mehr touristische Angebote besitzen und Olbersdorf durch die höhere Taxe vielleicht Gäste an die Nachbarn verliert.

Wie viel Geld erhofft sich Olbersdorf?

Rund 64.000 Euro pro Jahr. Das teilt Olbersdorfs Kämmerer Frank Müller auf Anfrage mit. 

Diese Summe ist aus seiner Kalkulation hervorgegangen, die dem Gemeinderat vorlag. Ein Baustein der Kalkulation sind die Gästezahlen. Laut Statistischem Landesamt hatte Olbersdorf im vergangenen Jahr reichlich 63.000 Übernachtungen. In der Zahl sind Übernachtungen bei Kleinvermietern aber nicht enthalten. 

Wofür wird das Geld ausgegeben?

Olbersdorf sei klamm in der Kasse, erinnerte Gemeinderat Matthias Frei (UBL) während der Sitzung an den Hauptgrund, warum die Gemeinde nun Gäste zur Kasse bittet. Das Geld soll zurück in den Tourismus fließen. "Ziel der Gemeinde ist es, das touristische Angebot mit den Erlösen aus der Gästetaxe zu erhalten und kontinuierlich zu verbessern", so Kämmerer Frank Müller. "Nach der Tourismus-Strategie des Freistaates wird eine künftige Förderung von Infrastrukturprojekten im Tourismusbereich voraussichtlich von einer angemessenen Beteiligung der Gäste abhängen. Auch unter diesem Aspekt hat sich der Gemeinderat für eine Einführung der Gästetaxe in Olbersdorf entschieden."

Diese Einrichtungen sollen laut Gemeindeverwaltung von der Taxe profitieren:

Was bekommen die Gäste für die Taxe?

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In erster Linie können sie die touristische Infrastruktur wie beispielsweise den Spielplatz und den Steg am See nutzen. Für sie werden auch Veranstaltungen angeboten. Zudem erhalten sie künftig im Gegenzug zum Geld eine Gästekarte und können - soweit es ein privater Anbieter möchte oder sich die Konditionen im ÖPNV ändern - den Nahverkehr, Veranstaltungen und Einrichtungen kostenlos oder mit einer Ermäßigung nutzen. Konkrete Angebote gibt es aber noch nicht. "Die Verwaltung bemüht sich aktuell um Partner, seien es Olbersdorfer Unternehmen und Einrichtungen oder die Nachbargemeinden für Angebote auf der eigenen Gästekarte oder um eine Beteiligung an der vorhandenen Gästekarte im Zittauer Gebirge", so Olbersdorfs Kämmerer Frank Müller.

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