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Olbersdorf ist Kommune des Jahres

Der Ostdeutsche Sparkassenverband hat eine Auszeichnung in Potsdam erhalten. Und es gibt noch einen zweiten Sieger aus der Region Zittau.

Olbersdorfs Bürgermeister Andreas Förster (2.v.l.) und KWV-Chef Karsten Hummel nehmen (2.v.r.) den Preis in Potsdam entgegen.
Olbersdorfs Bürgermeister Andreas Förster (2.v.l.) und KWV-Chef Karsten Hummel nehmen (2.v.r.) den Preis in Potsdam entgegen. © photothek

Dass ein Sieger aus der Zittauer Region kommt, ist schon besonders. Dass es gleich zwei Gewinner aus dem südöstlichsten Zipfel Sachsens gibt, ist hingegen außergewöhnlich. Dieser bemerkenswerte Erfolg ist bei der Verleihung des Unternehmer-Preises des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV) heute in Potsdam gelungen.

Die Gemeinde Olbersdorf ist als "Kommune des Jahres" ausgezeichnet worden. Als Unternehmen des Jahres durchgesetzt hat sich die Havlat Präzisionstechnik GmbH aus Zittau. Immerhin 234 Teilnehmer sind in den verschiedenen Kategorien für den Unternehmer-Preis nominiert gewesen. 

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Die begehrte Auszeichnung ist zum 23. Mal an Unternehmen, Kommunen und Vereine aus Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt verliehen worden. Aus jedem der vier Bundesländer gibt es ein Unternehmen, eine Kommune und einen Verein des Jahres. Die Gemeinde Olbersdorf und die Firma Havlat sind Sachsens Gewinner. 

Die Sieger zu küren, sei für die Jury keine einfache Aufgabe gewesen, so Michael Ermrich, der geschäftsführende OSV-Präsident.

Vom Abrisskandidaten zum Motor des Tourismus

Die Jury wählte Olbersdorf, weil sich die Gemeinde erfolgreich vom einstigen Industriedorf zum Erholungsort entwickelt hat. In einer Zeit, in der die Lausitz erneut vor einem Strukturwandel steht, ist die Gemeinde Olbersdorf ein positives Beispiel dafür, dass es auch eine Perspektive ohne die Kohle gibt. Olbersdorf musste den Strukturwandel bereits in den 1990er Jahren meistern. Nachdem 1991 die Kohleförderung eingestellt wurde, Arbeitsplätze verloren gingen und junge Menschen ihre Heimat verließen, stand der ehemalige Bergbauort vor einer unsicheren Zukunft.

Die durch das Ende des Tagebaus entstehende Unsicherheit nutzten die Olbersdorfer, um die Gemeinde schrittweise umzugestalten und weiterzuentwickeln. Aus dem Tagebauloch wurde der Olbersdorfer See, der heute zu den wichtigsten touristischen Attraktionen im Dreiländereck gehört. Am See wurde auch die O-See-Challenge etabliert, die heute Spitzensportler aus aller Welt anzieht. 

Auch die Schmalspurbahn, eine weitere touristische Attraktion, wurde erhalten. Die Gemeinde ist ein Motor der Tourismusentwicklung im Zittauer Gebirge, meint Bürgermeister Andreas Förster (FDP). Eine für die Jury beachtliche Entwicklung - war Olbersdorf doch in den 1980er Jahren noch ein Abrisskandidat.

Aber nicht nur im Tourismus ist die Gemeinde Olbersdorf neue Wege gegangen. Nach dem Niedergang des Maschinenbaus und der Textilindustrie, die zu DDR-Zeiten vielen Einwohnern Arbeit boten, wurden neue Arbeitsplätze geschaffen, indem sich neue Unternehmen ansiedeln konnten. Mit der Firma KSO ist zum Beispiel Europas modernste Schärerei im Ort beheimatet.

Im Wohnungsbau gestalte Olbersdorf seine Zukunft ebenfalls mit viel Engagement, heißt es lobend in dem kurzen Siegerfilm zur Preisverleihung. In der „Grundbachsiedlung“ sind zeitgemäße Wohnungen für Senioren, Familien und Singles geschaffen worden und das Umfeld wurde modernisiert. Ein Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. Laut Karsten Hummel, Geschäftsführer der Kommunalen Wohnungsverwaltung, geht es aber nicht nur darum, abzureißen, sondern auch neu zu bauen.

„Für uns ist der Preis Anerkennung und Wertschätzung für die Teamarbeit, welche die Gemeinde seit 1990 gemeinsam mit den Institutionen und Unternehmen des Ortes bei der Strukturentwicklung geleistet hat“, sagt Andreas Förster. Geschafft worden sei das aus eigener Kraft - ohne Milliarden des Bundes, die beim anstehenden Strukturwandel in der Lausitz zur Verfügung gestellt werden. Die Gemeinde könne nach Försters Worten auf die Auszeichnung und die damit verbundene öffentliche Würdigung stolz sein.

Viele neue Arbeitsplätze geschaffen

Für viele neue Arbeitsplätze in Zittau hat auch die Havlat Präzisionstechnik GmbH gesorgt. Das mittelständische Unternehmen ist heute einer der größten privaten Arbeitgeber im Landkreis Görlitz, heißt es in der Presseinformation zur Auszeichnung. Neben 245 Mitarbeitern sind 30 Auszubildende beschäftigt. "Wir sind sehr stolz und glücklich", erklärt Geschäftsführer David Havlat nach der Preisverleihung. Es sei eine große Ehre, so Havlat weiter, als Sieger eines ganzen Bundeslandes ausgewählt worden zu sein.

Ein Preisgeld ist mit der Auszeichnung nicht verbunden. Doch das ist für David Havlat nicht so entscheidend. Es sei Ehre genug, von einer so hochkarätig besetzten Jury ausgewählt zu werden. Für Havlat ist es in diesem Jahr bereits der zweite Erfolg: Beim Großen Preis des Mittelstandes der Oskar-Patzelt-Stiftung, Deutschlands wichtigstem Wirtschaftspreis, schafften es die Zittauer bis ins Finale.

Die beiden Havlat-Geschäftsführer Lars Friedrich (2.v.l.) und David Havlat (2.v.r.) nehmen den Preis als "Unternehmen des Jahres" entgegen.
Die beiden Havlat-Geschäftsführer Lars Friedrich (2.v.l.) und David Havlat (2.v.r.) nehmen den Preis als "Unternehmen des Jahres" entgegen. © photothek

Der heutige Preis sei eine Bestätigung für das, was in den vergangenen vier bis fünf Jahren am Standort Zittau getan wurde. Gleichzeitig ist er Ansporn, so Havlat, den Weg weiterzugehen. Aktuell hat Havlat eine Produktionshalle komplett erneuert, im Dezember sollen drei neue Produktionsanlagen geliefert werden. In Gebäude und Anlagen sind insgesamt rund fünf Millionen Euro investiert worden. David Havlat rechnet damit, dass im Februar die Produktion an den neuen Anlagen starten kann.

"Ihr innovatives Denken und vorausschauendes Handeln machen sie so erfolgreich. Damit leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität in unserer Region“, lobt Michael Bräuer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, die beiden Preisträger.

Dass es zwei Sieger aus dem Süden des Landkreises Görlitz gibt, ist zwar eine Seltenheit, aber nicht das erste Mal der Fall. Vor zwei Jahren wurden mit der Gemeinde Großschönau und der Zittauer Firma Digades ebenfalls eine Kommune und ein Unternehmen gleichzeitig vom OSV ausgezeichnet.

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