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Rote Karte für die Olsenbande

Als das dänische Gaunertrio 1970 erstmals über Görlitzer Leinwände flimmerte, geschah das in zwei Kinos gleichzeitig.

Benny, Egon und Kjeld eroberten vom ersten Film an auch in Görlitz ein begeistertes Publikum.
Benny, Egon und Kjeld eroberten vom ersten Film an auch in Görlitz ein begeistertes Publikum. © Nordisk-Film;

Dank der damals nagelneuen Freilichtbühne im Stadtpark war Görlitz dabei, als 1962 die „Sommerfilmtage“ in der DDR eingeführt wurden. Dabei lockten jeweils zwei Wochen lang besonders kassenträchtige Filme in hoher Kopienzahl in die Kinos unter freiem Himmel. Zum Dauer-Hit dieser „Sommerfilmtage“ entwickelten sich die Defa-Indianerfilme. Schon der erste („Die Söhne der großen Bärin“) brachte es 1966 auf über fünf Millionen Zuschauer.

1970 schnitten die Defa-Streifen „Hart am Wind“ und „Tödlicher Irrtum“ bestens ab, die Freilichtbühnen waren auch bei den Abenteuerfilmen „Der geheimnisvolle Mönch“ (UdSSR) und „Krieg der Prinzessinnen“ (Rumänien) sowie bei den Komödien „Unsere verrückte Familie“ (CSSR) und „Balduin, der Trockenschwimmer“ (Frankreich/Italien) bestens besucht. Zum absoluten Knüller wurde vor 50 Jahren aber die bereits 1968 in Dänemark gedrehte und 1969 von der Defa synchronisierte erste Folge der „Olsenbande“. Meist wird diese Erwerbs- und Synchronzeit vergessen, selbst eingefleischte Olsenbanden-Fans behaupten so falsch wie ausdauernd 1968 als DDR-Filmstart. Nein, es war 1970.

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Im ersten der letztlich 14 Filme sprach zum einzigen Mal Rolf Ludwig den Egon, während Benny und Kjeld bereits von ihren späteren Stammsprechern Peter Dommisch und Erhard Köster synchronisiert wurden. Karl-Heinz Oppel, der ab Film drei die Stimme von Egon Olsen gab, synchronisierte im ersten Streifen noch Kommissar Mortensen. Den kongenialen deutschen Dialog schrieb Wolfgang Woizick, der damit auch zum Schöpfer des legendären Ausdruckes „Mächtig gewaltig“ wurde. Dagegen wurden in Westdeutschland der erste und der zweite Film 1970 zum 86-minütigen Machwerk „Die Panzerknackerbande“ verstümmelt, zudem mit einer grottenschlechten Synchronisation.

Olsenbanden-Plakat 1970
Olsenbanden-Plakat 1970 © Archiv Ralph Schermann

Der Filmstart in Görlitz war 1970 etwas Besonderes. Die Freilichtbühne war mit ihren 1.300 Plätzen ausverkauft. Doch ausgerechnet an diesem Tag regnete es in Strömen. Als Regenvariante stand das Palast-Theater abends als Ausweich bereit, verfügte aber „nur“ über 1.000 Plätze. Deshalb waren 1.000 rote und 300 blaue Eintrittskarten für den Stadtpark verkauft worden. Wer eine rote Karte besaß, durfte statt 20 Uhr um 21 Uhr (Wegezeit von der Freilichtbühne) im Palast die Olsenbande sehen. Für Inhaber der blauen Bons zeigte dann das Capitol nach der regulären Abendvorstellung den Film ab 22 Uhr. Um das zu ermöglichen, brachte ein Bote jede im Palast abgelaufene Filmrolle zu Fuß in einer braunen Tragekiste sofort ins Capitol. Damit konnte die Olsenbande schon im Capitol beginnen, während sie im Palast noch gar nicht zu Ende war. Viermal lief der Bote durch den strömenden Regen.

Mittlerweile operierten unzählige private Olsenbanden auf Familien- und Betriebsfesten, mal als gelungene Parodie, meist aber einfach nur albern. Auch Theaterprofis spielten, selten perfekt, Szenen der dänischen Legenden nach. Ein Ende des Banden-Kults ist nicht abzusehen. Die „Sommerfilmtage“ dagegen hörten 1980 auf. Da führte die DDR die Sommerzeit ein, und fortan war es für einen Filmbeginn abends im Stadtpark noch viel zu hell.

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