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Olympia-Held kauft sich eigenen Bob

Nico Walther bereitet sich auf die Heim-WM und das Rennen seines Lebens vor – mithilfe einer Allianz.

Der Altenberger Bob-Pilot Nico Walther fährt zur Heim-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr volles Risiko – auch finanziell.
Der Altenberger Bob-Pilot Nico Walther fährt zur Heim-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr volles Risiko – auch finanziell. © Archivfoto: Bonss

Nico Walther wirkt entschlossen. „Ich denke, dass wir nächstes Jahr in Altenberg eine super WM fahren“, sagt der Olympia-Zweite im Viererbob und lächelt. Der 29-Jährige freut sich auf seine Heim-Weltmeisterschaft. Das ist ihm anzusehen. Es ist für den Altenberger die Chance seines Lebens, vor heimischem Publikum bei Welttitelkämpfen starten zu können und hoffentlich ganz, ganz weit vorn zu landen. Daraus macht er kein Hehl. Für dieses Ziel stellt er alles zurück und überlässt nichts dem Zufall.

„Wir sind mitten in der WM-Vorbereitung“, erzählt er. „Momentan arbeiten wir hart an der Athletik, um die Startzeiten zu verbessern.“ Daran haperte es in der Vergangenheit manchmal noch etwas. Dabei wirkt der großgewachsene, junge Mann mit den kurzen, akkurat gescheitelten Haaren schon jetzt wie ein Kraftpaket. Offizielles Wettkampfgewicht: 98 Kilo bei einer Größe von 1,88 Meter.

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Aber nicht nur sportlich und mental lädt sich Nico Walther vom BSC Sachsen Oberbärenburg für das Großereignis im nächsten Jahr auf der Bobbahn im Altenberger Kohlgrund auf. Auch materiell will der Bundespolizist mit der Weltspitze mithalten können. Und dafür greift er mit seinem Team ganz tief in die eigene Tasche. „Wir haben einen neuen Viererbob gekauft“, verrät er.

Der große Schlitten ist bestellt beim österreichischen Hersteller Wolfgang Stampfer und wird maßgefertigt. „Die Bobkonstrukteure sind dabei“, sagt der Pilot. Das neue Dienstfahrzeug vom Team Walther sei schon großteils fertig – und soll das Quentchen bringen, das bisher noch zum Siegen fehlte.

Die Entscheidung, im Viererbob umzusteigen von einem Gerät des staatlich finanzierten Institutes für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin auf eines von einem Privathersteller, sei schon im vergangenen Winter gefallen. „Der FES-Bob ist bissel langsam“, sagt Walther, „die anderen sind einfach besser.“ Lange überlegen musste er nicht, woran das liegen könnte. Denn Walther, der im Zweier- und im Viererbob fährt, hat den Vergleich. „Wenn man sieht, die anderen sind schneller auf der Bahn und das nur in der einen Disziplin, dann ist die Entscheidung klar.“ Trotzdem ist sie ihm schwergefallen. Den FES-Viererbob hätte er gestellt bekommen. Den neuen großen Schlitten muss er selbst bezahlen. „Der kostet 80 000 Euro.“ Aber das musste aus seiner Sicht sein und sei durchaus üblich in der Formel 1 des Wintersports, wenn man ganz vorn dabei sein will. Walther fährt volles Risiko mit Blick auf die Heim-WM. „Selbst wenn wir in Altenberg gewinnen, werden wir aus der Saison mit einem Minus gehen“, sagt er. Was viele Leute nicht wissen: Topathleten wie ein Nico Walther bekommen von verschiedenen Seiten Unterstützung und werden gefördert. Aber unterm Strich reicht das nicht, um mit der Weltspitze konkurrieren zu können. Walther braucht pro Saison um die 100 000 Euro – für Material, Transporter, Übernachtungen …

Bob-Pilot Nico Walther und die CDU-Landtagsabgeordnete Andrea Dombois. Sie verbindet nicht nur der Sport, sondern auch die CDU. Beide treten zur Landtagswahl an und stellten sich diese Woche in Altenberg im Bunten Häusel vor. 
Bob-Pilot Nico Walther und die CDU-Landtagsabgeordnete Andrea Dombois. Sie verbindet nicht nur der Sport, sondern auch die CDU. Beide treten zur Landtagswahl an und stellten sich diese Woche in Altenberg im Bunten Häusel vor.  © Egbert Kamprath

„Wenn wir ins Trainingslager fahren mit sechs Leuten, das zahlt immer der Pilot für die ganze Mannschaft“, sagt Nico. Seine Mutter Ina Walther ergänzt: „Als Bob-Pilot ist man Chef einer Firma.“ Er hätte es finanziell etwas leichter, wenn er woanders hingehen würde. An Möglichkeiten fehlt es nicht. „Ich habe jedes Jahr mindestens ein Angebot von einem anderen Standort“, sagt er. Aber die Frage eines Wechsels stellt sich für ihn nicht. „Ich bin geblieben. Das ist meine Heimat, mein Zuhause.“

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Um den Sport finanzieren zu können, wollte der Kreissportbund ähnlich wie beim Pirnaer Bob-Piloten Francesco Friedrich eine Allianz schmieden, ein Netzwerk knüpfen mit Sponsoren im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2018 in Südkorea. Doch das klappte in Altenberg nicht so wie in Pirna. So kam die Wahlkreisabgeordnete Andrea Dombois (CDU) ins Spiel. „Der Sport ist wahnsinnig teuer“, weiß die Dippserin aus ihrer langen Verbundenheit zum Sport in der Region. Als sie gebeten wurde zu helfen, zögerte sie nicht. Sie übernahm 2016 die Schirmherrschaft für die Bob-Allianz und ist Sponsorin. Zugleich suchte sie weitere Unterstützer. Heute sind das weit über 50, und es könnten durchaus noch mehr sein. Sie alle wollen helfen, dass Nico Walther nächstes Jahr zur Heim-WM Gas geben kann. Denn Spitzenleistungen sind immer auch der Grundstock, damit der Spitzensport in Altenberg weiter lebt und gefördert wird. Das ist für den Schulstandort genauso wichtig wie für den Tourismus.

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