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Was wird aus den Sommerspielen in Tokio?

Eigentlich wäre Olympia in dieser Woche eröffnet worden. Jetzt herrscht Leere. Unabhängig von der Verlegung wächst die Sorge, dass es auch 2021 nicht stattfindet.

Thomas Bach ist Präsident des Internationalen Olympischen Komitees und als solcher „für die Organisation der Spiele da, nicht für ihre Absage“.
Thomas Bach ist Präsident des Internationalen Olympischen Komitees und als solcher „für die Organisation der Spiele da, nicht für ihre Absage“. © dpa/Jean-Christophe Bott

Von Christian Hollmann und Lars Nicolaysen

Die schmerzhafte Leere wird der olympischen Welt am Freitag noch mal so richtig bewusst. Anstatt wie geplant mit einer prachtvollen Eröffnungsfeier in die Sommerspiele von Tokio zu starten, ringt die Sportwelt mit den Folgen der Verlegung ins nächste Jahr. Die Gastgeber und das Internationale Olympische Komitee mit seinem Präsidenten Thomas Bach an der Spitze klammern sich an die Hoffnung auf ein rechtzeitiges Ende der Corona-Krise für die Sommerspiele 2021. Doch die Sorgen und Zweifel sind gewaltig.

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Welche Auswirkungen hat die Verschiebung ins nächste Jahr?

Für gut 11.000 Athletinnen und Athleten ist das Ziel, auf das sie teilweise bereits seit Jahren hingearbeitet haben, jetzt noch mal zwölf Monate weiter entfernt – für die Trainings-, Karriere- und Familienplanung bei vielen ein heftiger Einschnitt. Für die Gastgeber und das Internationale Olympische Komitee laufen Mehrkosten auf, die einige Milliarden Euro umfassen. Verbände und Nationale Olympische Komitees müssen einerseits um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen und andererseits ihre Wettkampfkalender und Qualifikationsrichtlinien komplett überarbeiten.

Wie sicher ist die Ausrichtung der Spiele im Sommer 2021?

Die Sorgen und Zweifel sind groß. Falls nicht rechtzeitig ein Impfstoff die Coronavirus-Pandemie beendet, sind Sommerspiele mit Tausenden Sportlern und Millionen Fans kaum vorstellbar. Die Virologin Ulrike Protzer von der TU München erwartet höchstens ein aufs Minimum reduziertes Sportfest: „Nicht mit Massen von Menschen oder als ein großes Showevent, begleitet von kommerziellen Interessen, aber sie sind möglich als Sportveranstaltung.“ Etwa 70 Prozent der Japaner findet laut einer Umfrage, Olympia in Tokio sollte entweder noch mal verschoben oder abgesagt werden. Doch die Organisatoren und das Internationale Olympische Komitee halten an den Plänen fest und wollen im Herbst detaillierte Konzepte für Sommerspiele unter Corona-Bedingungen vorlegen.

Wie ist die aktuelle Situation im Gastgeberland?

Die Zahl der Corona-Toten in Japan überschritt jetzt die Marke von 1.000. Tokio rief kürzlich die höchste Alarmstufe aus, nachdem die Zahl der Infizierten erneut deutlich angestiegen war. Japan steckt in einer schweren Rezession. Die Industrieproduktion und die Exporte sind eingebrochen. Der bis zum Ausbruch der Corona-Krise boomende Tourismus ist zum Erliegen gekommen. Japans Regierung stemmt sich mit einem gigantischen Konjunkturprogramm gegen die Krise. Doch aufgrund der hohen Infiziertenzahl ist Tokio von einer umstrittenen Förderkampagne für die Tourismusbranche ausgenommen. Inlandsreisen dorthin werden nicht bezuschusst.

Zu den Olympischen Sommerspielen führt in diesem Jahr kein Weg. Und im nächsten?
Zu den Olympischen Sommerspielen führt in diesem Jahr kein Weg. Und im nächsten? © dpa/Ramiro Agustin Vargas Tabares

Wie weit sind die Vorbereitungen auf die Spiele im nächsten Jahr?

Nach erfolgreichen Verhandlungen mit den Eigentümern und Investoren stehen alle olympischen Wettkampfstätten und das Athletendorf auch 2021 wie ursprünglich vorgesehen bereit. Gekaufte Eintrittskarten bleiben gültig. Doch sie können ab Herbst auch umgetauscht werden. Freiwillige Helfer, die 2020 dabei gewesen wären, werden für 2021 im Volunteer-Programm bevorzugt. Am Kern der Spiele solle sich für die Sportler nichts ändern, verspricht Bach. Die Olympia-Macher haben deutliche Einsparungen angekündigt. Wo genau, dazu geben sie bisher keine Auskunft.

Wie könnte Olympia unter Corona-Bedingungen funktionieren?

Für Athleten und Funktionäre will Japan die Einreise erleichtern. Derzeit sind die Außengrenzen des Landes geschlossen. Die Teilnehmer aus aller Welt müssten sich eventuell nach Ankunft in Quarantäne begeben, sofern sie ihre Heimat verlassen dürfen. Für die Dauer der Spiele müsste ein hochkomplexes Hygienekonzept mit eigenen Blasen für die Olympioniken greifen. Laut Christoph Dobi, Olympiadirektor des Internationalen Olympischen Komitees, seien gut 200 Vorschläge gemacht worden, um die Gefahr von Infektionen einzudämmen. Fraglich ist, ob Zuschauer dabei sein dürfen. Doch Geisterspiele ausschließlich für das Fernsehen hat Bach ausgeschlossen. Auch viele Sportler sind dagegen.

Warum wurde Olympia angesichts der Ungewissheit nicht schon abgesagt?

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Für Bach sollen die Tokio-Spiele zum Symbol des Sieges gegen das Virus werden: „Die Olympischen Spiele können ein einzigartiger Meilenstein für die Welt sein.“ Für ihn wäre die Rettung der Sommerspiele auch ein persönlicher Erfolg zum Einstieg in seine zweite Amtszeit, eine Absage dagegen ein tiefschwarzer Fleck auf einer ohnehin schwierigen Präsidentschaft. Auch Japan will seinen Ruf als Meister der Organisation wahren und den Gesichtsverlust eines Scheiterns der Tokio-Spiele verhindern. Außerdem stehen neben dem olympischen Traum vieler Sportler für die Gastgeber auch Milliardeninvestitionen auf dem Spiel. Finanzielle Motive, beispielsweise die Sicherung der Fernseheinnahmen, dagegen hat Bach bestritten: „Die Absage der Spiele wegen höherer Gewalt wäre für das Internationale Olympische Komitee einfacher gewesen. Wir hätten die Einnahmen durch die Versicherung gehabt, aber wir sind für die Organisation der Spiele da, nicht für ihre Absage.“ (dpa)

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