merken
PLUS Dippoldiswalde

Olympia mit Papa als Vorspringer?

Die 14-jährige Lia Böhme aus Karsdorf ist die Skisprung-Hoffnung der Region. Das Talent bekam sie in die Wiege gelegt.

In ihrer Altersklasse bereits Deutsche Meisterin: Lia Böhme aus Karsdorf.
In ihrer Altersklasse bereits Deutsche Meisterin: Lia Böhme aus Karsdorf. © Jens Jahn

Zieeeeh, Lia, zieeeeh“, schallte es aus dem Auslauf der Kälbersteinschanze in Berchtesgaden. Oliver Böhme war aus dem Häuschen. Mit gutem Grund, denn seine Tochter Lia war allen davongeflogen: Mit der Bestweite von 56 Metern gewann sie im Februar die Deutsche Schülermeisterschaft im Skispringen. Die 14 Jahre alte Meisterin aus Karsdorf bei Dippoldiswalde krönte damit eine starke Saison. Ein Sieg beim Alpencup in Bischofsgrün, zwei Erfolge beim Deutschen Schülercup in Rastbüchl sowie weitere Podestplätze bei Kräftemessen der besten Skispringerinnen ihres Alters stehen in ihrer Vita.

Vater Oliver ist stolz auf seine Lia: „Sie hat einen sehr sicheren Sprungstil, hat sich jedes Jahr weiterentwickelt. Mit dem Sieg in Berchtesgaden sowie dem Erfolg in der Gesamtwertung des Schülercups steht sie unmittelbar vor dem Sprung in den C-Kader.“ Damit würde Lia zu deutschlandweiten Lehrgängen eingeladen, bekäme Ausrüstung und Bekleidung gestellt. „Ich wäre dann allerdings raus als Trainer. Das übernehmen dann hauptamtliche Übungsleiter“, erklärt der Vater.

PPS Medical Fitness GmbH
Physiotherapie bei PPS Medical Fitness
Physiotherapie bei PPS Medical Fitness

Krankengymnastik, Bewegungsbad, physikalische Therapie, Lymphdrainage, Massagen, Outdoor-Training - PPS Medical Fitness ist für Ihre Unterstützung rundum aufgestellt.

Der 42-Jährige ist seiner Tochter quasi das Vorbild. Auf den Sprungschanzen in Röthenbach im Osterzgebirge erlernte Böhme das Abc des Skispringens. Schnell entwickelte er sich zu einem der besten Schanzenpiloten seines Jahrganges. Wie zu DDR-Zeiten üblich, wurde Böhme auf die Sportschule nach Klingenthal delegiert. Doch das Heimweh verhinderte eine weitere Fortsetzung seiner Karriere. Lia ist nun ebenfalls in Klingenthal am Bundesstützpunkt. „Sie ist schon länger da im Internat, als ich es einst ausgehalten habe“, sagt der Vater anerkennend: „Ich ziehe den Hut vor ihr. Sie hat trotz des täglichen Trainings sehr gute schulische Leistungen.“Lia hat die Skisprung-Gene von ihrem Vater geerbt. Christfried Rüger, einstiger Heimtrainer von Oliver in Röthenbach, sagt nicht umsonst: „Wenn ich Lia heute sehe, dann erinnert mich ihr Mut und ihr Wille ganz stark an Olli.“ Vor wenigen Jahren holte der Vater seine Sprungski wieder heraus und steht mittlerweile als Vorspringer bei internationalen Großveranstaltungen am Start. So sprang er auch auf der Skiflugschanze in Oberstdorf.

Erst Sturz, dann Bestweite

Tochter Lia ist aus dem gleichen Holz geschnitzt. Im vergangenen Jahr beim Schülercup in Johanngeorgenstadt erlebten beide einen rabenschwarzen Tag. Nach einer Autopanne kamen sie verspätet am Wettkampfort an. Prompt vermasselte Lia ihren ersten Sprung. „Sie flog kopfüber in den Hang. Ich dachte, nun ist alles dahin“, sagt Oliver. Doch Lia blieb unverletzt. „Ihre einzige Sorge war, dass die Ski kaputt waren und sie nicht mehr springen könnte.“ Der Vater besorgte Ersatz und Lia schaffte im zweiten Durchgang Bestweite.

„Mir macht das Springen unheimlich viel Spaß. Ich will immer weit fliegen und ganz oben stehen“, sagt die mutige Schülerin, deren Vorbild die norwegische Weltmeisterin und Olympiasiegerin Maren Lundby ist: „Irgendwann möchte ich auch im Weltcup starten und bei Olympia. Am liebsten mit meinem Vater als Vorspringer.“ Ob ihr Vater dann noch in dieser Funktion aktiv ist, ist gleichwohl offen. „Man wird nicht jünger. Aber es wäre schon toll“, sagt Oliver, der auf dem Riesenbakken in Oberstdorf 150 Meter weit geflogen ist. Die persönliche Bestweite Lias liegt bei beachtlichen 94 Metern, aufgestellt bei einem Lehrgang im italienischen Predazzo.

Hinter beiden liegt auch eine wahre Odyssee auf der Suche nach Sprungschanzen. Im Osterzgebirge gibt es keine einzige mehr. Die einstigen Hochburgen in Altenberg, Geising oder Röthenbach sind längst stillgelegt. Also fuhren Vater und Tochter an den Kottmar, nach Zschopau oder Eilenburg. Mittlerweile startet Lia für den SV Zschopau und hat dort mit Achim Schaale einen rührigen Trainer. „Er betreut mich auch in dieser schwierigen Zeit der Coronakrise per Ferndiagnose. Ich bekomme Übungsaufgaben von ihm. Mein Vater schaut natürlich auch darauf, dass ich in dieser Zeit nicht faul werde. Aber das Skispringen selbst vermisse ich wahnsinnig sehr“, sagt Lia.

Mehr Nachrichten aus Dippoldiswalde lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Dippoldiswalde