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Oma Mizzi schwört auf Großfamilie

Fünf Kinder, 13 Enkel, 18 Urenkel – und Maria Ritscher mittendrin. Die Bischofswerdaerin genießt es. Auch weil alle zusammenhalten.

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© Regina Berger

Von Constanze Knappe

Maria Ritscher feierte vor Kurzem ihren 85. Geburtstag. Hundert Gäste feierten mit, allesamt Kinder, Enkel und Urenkel. Genannt wird Maria Ritscher schon immer Mizzi, eine in Wien gebräuchliche Ableitung ihres Vornamens. Im Sudetenland geboren, lebt sie seit 1953 in Bischofswerda. Beim Kaffeeklatsch verrät die Seniorin der SZ, warum sie auf ihre Großfamilie nie im Leben hätte verzichten wollen. Mit dabei beim Gespräch mit der SZ sind die Enkelkinder Bernd Ritscher (39), Lisette Rarisch (34) und Linda Ritscher (31).

Hallo zusammen, wie lebt es sich in einer Familie XXL?

Linda Ritscher: Gut. Man kann sich voll auf die Anderen verlassen. Wenn jemand ein Problem hat, ist immer einer zur Stelle.

Mizzi Ritscher: Es ist immer jemand da. Ich selber kann ja nicht Auto fahren, mein Lebensgefährte auch nicht mehr. Wenn es ums Einkaufen oder um den Garten geht, da brauche ich bloß anzurufen.

Hat eine Großfamilie Vorteile?

Lisette Rarisch: Ja. Es funktioniert wie ein Netzwerk, um diesen Begriff mal auf die Familie anzuwenden. Ich glaube, das trifft es ganz gut. Zum Glück leben wir ja auch alle im Umkreis von Bischofswerda.

Gibt es auch Nachteile?

Lisette Rarisch: Mir fällt keiner ein.

Linda Ritscher: Klar gibt es auch mal Streit. Aber das wird geklärt und dann ist es gleich wieder gut. Wir sagen uns offen die Meinung.

Wie oft sehen Sie sich alle zusammen?

Bernd Ritscher: Zu Omas Geburtstag, aber die Feier muss sie dann jedes Mal teilen, weil sie gar nicht alle unterkriegt. Ansonsten zu anderen runden Geburtstagen, aber mindestens einmal im Jahr. Sieben von uns sehen sich dafür täglich bei der Arbeit. Aus Opas Ofenbaufirma gingen zwei Betriebe hervor, die heute Ofen- und Heizungsbau sowie Fliesenlegerarbeiten anbieten.

Linda Ritscher: Wir sehen uns einmal im Jahr beim Enkeltreffen. Dann feiert die Oma mit uns Enkeln und allen Urenkeln ein großes Gartenfest.

Lisette Rarisch: Außerdem sehen wir uns einmal im Jahr beim Fußball, wenn Söhne, Enkelsöhne und angeheiratete Männer gegen eine andere Großfamilie spielen.

Mizzi, können Sie sich bei 13 Enkeln und 17 Urenkeln überhaupt alle Namen und Geburtstage merken?

Maria Ritscher: Ich habe alles im Kopf. Nur manchmal verwechsle ich etwas. Aber dafür habe ich einen großen Geburtstagskalender. Da stehen 51 Einträge drin. Inzwischen habe ich schon das 18. Urenkelchen. Vor fünf Wochen wurde Emil geboren. Ich denke, ein paar Urenkel kommen noch.

Wie viele Bilder gibt es denn in Ihrer Wohnung?

Maria Ritscher: Das sind schon einige. Zum 70. Geburtstag haben mir die Enkel einen großen Familienstammbaum mit lauter Bildern drauf geschenkt.

Warum ist die Oma die Beste?

Lisette Rarisch: Weil sie für uns alle noch die Socken stopft und strickt.

Linda Ritscher: Weil sie uns allen Obst und Gemüse aus ihrem Garten bringt.

Bernd Ritscher: Weil sie immer für uns da ist. Und erst der von ihr selbst aufgesetzte Kümmelschnaps…

Mizzi, großes Kompliment! Ihr Alter sieht man Ihnen ganz und gar nicht an. Wie halten Sie sich mit 85 Jahren so fit?

Maria Ritscher: Durch Gartenarbeit, da gibt es ja immer was zu tun. Im Haushalt mache ich auch noch fast alles selbst. Nur beim Gardinenaufhängen lasse ich mir helfen. Manchmal lassen aber schon ein bisschen die Kräfte nach. Um ehrlich zu sein, das ganze Jungvolk hält mich ebenfalls auf Trab. Es ist eigentlich immer jemand da. Aber ich bin Trubel gewöhnt. Ich war zu Hause das größte Mädel von zehn Kindern und musste deshalb schon als Schulmädel immer mit anpacken. Bei meinem Mann Günther in der Familie, da waren sie auch sieben Kinder zu Hause.

Ihre Oma hat für Sie in allen Lebenslagen immer einen passenden Ratschlag parat. Welchen denn?

Bernd Ritscher: Was im Garten wie zu machen ist. „Welcher Dünger der beste ist. Was man wann verschneiden muss….

Linda Ritscher: Bei uns hat es mit dem Nachwuchs nicht gleich geklappt. Der Rat von Oma: Ihr müsst probieren, wie es am besten passt. Und siehe da, es hat funktioniert. (Alle lachen .)

So viel Zusammenhalt ist ja nicht in allen Familien zwischen Alt und Jung selbstverständlich. Und dann machen Sie auch, was Ihre Oma Ihnen rät?

Bernd Ritscher: Ja, natürlich. Wir haben Respekt vor ihrer Lebenserfahrung.

Lisette Rarisch: So fit, wie unsere Oma ist, da ist jeder ihrer Ratschläge gut überlegt und kommt nicht verstaubt aus alten Zeiten daher. Unsere Oma ist immer gut drauf.

Großfamilien sind heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Werden Sie beneidet oder schief angeschaut?

Maria Ritscher: Es gibt viele, die uns beneiden.

Lisette Rarisch: Schief angeguckt wurden wir deswegen noch nie.

Mizzi, woher nehmen Sie so viel gute Laune?

Maria Ritscher: Das ist mir angeboren.

Lisette Rarisch: Ich war während meiner Ausbildung jeden Tag bei der Oma Mittagessen. Ich habe sie nicht einmal mit schlechter Laune erlebt.

Wurde das vererbt?

Lisette Rarisch: Ich denke schon. Wir haben alle in der Familie ein fröhliches Gemüt.