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Online am besten schon mit fünf Jahren

Eine Wissenschaftlerin aus Chemnitz erklärt im Interview wie Eltern ihren Kindern den Umgang mit digitalen Medien beibringen können und wann sie damit anfangen sollten.

Bei Jugendlichen sind Anleitungen für kreative Tätigkeiten sehr beliebt. Sogenannte Tutorials zeigen ihnen online Schritt für Schritt, wie man etwas bäckt, näht oder bastelt.
Bei Jugendlichen sind Anleitungen für kreative Tätigkeiten sehr beliebt. Sogenannte Tutorials zeigen ihnen online Schritt für Schritt, wie man etwas bäckt, näht oder bastelt. © 123rf.com

Kinder, die zu lange im Internet surfen, schlafen schlecht, sind unkonzentriert und anfällig für Gewichtsprobleme. Das zeigt eine Studie mit Minderjährigen aus Leipzig. Ärzte mahnen daher einen sinnvollen Umgang mit digitalen Medien an. Wie Eltern ihren Kindern den beibringen können und wann sie damit anfangen sollten, erklärt Sabine Völkel von der TU Chemnitz. Sie forscht zur digitalen Mediennutzung bei Kindern und entwickelt derzeit eine Vorschul-Lern-App.

Sabine Völkel von der TU Chemnitz
Sabine Völkel von der TU Chemnitz © PIAS

Frau Dr. Völkel, Vierzehnjährige verbringen bis zu fünf Stunden täglich vor Bildschirmen. Was machen die da?

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Dresdens beliebtes eintrittsfreies Festival für Kunst, Kultur und Bildung geht weiter und hat wieder viele Veranstaltungen in der ersten Augustwoche im Gepäck.

Nach aktueller Studienlage sind sie dreieinhalb Stunden davon online. Das Netz nutzen sie immer mehr für Unterhaltungszwecke und schauen dabei gern YouTube-Videos. Außerdem spielen soziale Medien eine große Rolle, Kommunikation mit Gleichaltrigen ist ihnen sehr wichtig, meist nutzen sie dafür WhatsApp und Instagram. Jugendliche verstehen die neue Medienwelt als eine Erweiterung der realen Welt.

Vielen Eltern macht das Angst, vor allem, weil Ärzte mantraartig die negativen Folgen beschreiben.

Die müssen sie nicht haben – wenn sie sich aktiv mit den Inhalten befassen und ihr Kind beim Entdecken der Medien begleiten. Ganz wichtig ist, auch mit Jugendlichen im Gespräch darüber zu bleiben: Was nutzt du? Was schaust du dir bevorzugt an? Manchmal muss man ihnen dabei helfen, Inhalte einzuordnen.

Welche Inhalte meinen Sie?

Hier geht es hauptsächlich um Werbung, um Meinung, darum, was wahr und was falsch ist. Kinder sind erst ab zwölf Jahren allmählich kognitiv selbst in der Lage, kritisch über Inhalte und Nutzungszeiten zu reflektieren. Mit ihnen darüber reden sollte man aber schon viel früher. Schon Grundschüler verstehen grundlegend, was zum Beispiel Werbung bezwecken möchte. Versteckte Werbung können sie aber erst ab dem beginnenden Jugendalter erkennen, wenn etwa ihre Stars auf Instagram oder YouTube Produkte promoten, die die Kinder dann gut finden und kaufen sollen. Eltern können ihnen das erklären und damit die Mediennutzung begleiten. Das ist für mich ein elementarer Punkt.

Eltern sollen aktiv sein, um den Kontakt zu ihrem Kind später nicht zu verlieren. Ist das nicht Panikmache?

Nein, sie sollten wirklich frühzeitig dran bleiben. Die Jugendlichen merken schnell, ob ihre Eltern die richtigen Ansprechpartner sind und sich auskennen. Sind sie das nicht, suchen sie sich andere Quellen. Das muss nicht heißen, dass die Eltern immer alles wissen müssen. Sie sollten sich auch nicht davor scheuen, sich mal was von ihren Kindern erklären zu lassen, zum Beispiel, wer oder was bei YouTube oder Instagram gerade angesagt ist. Es ist auch spannend, in diese Welt einzutauchen.

Ab wann würden Sie Kinder denn an das Internet heranführen?

So früh wie möglich und am besten spielerisch. Jedes Medium hat da seine Zeit. Tablets sind eine gute Möglichkeit, schon Vorschüler durch Lern-Apps und kindgerechte Spiele an die Thematik heranzuführen.

Sie sprechen von Fünfjährigen? Ist das nicht ein bisschen zeitig?

Unser Alltag wird immer digitaler. Kinder so lange wie möglich davon fernzuhalten, ist meiner Meinung nach nicht der richtige Weg. Im Vorschulalter, spätestens in der Grundschule, sollten sie gezielt mit neuen Medien in Kontakt kommen. Mit fünf Jahren sind Kinder meist motorisch dazu in der Lage. Das ist wichtig, damit sie diese als Informations- und Kommunikationsmittel kennenlernen und das Internet nicht nur als Unterhaltungsmedium verstehen, mit dem man nette Filme sehen kann. Im Kleinkind- und Kindergartenalter bleibt aber das Reale entscheidend. Dann sind echte, greifbare Anschauungsmaterialien unglaublich wichtig, um über die Haptik eine Vorstellung von der Form realer Dinge zu entwickeln.

Ab wann sind denn ein eigenes Smartphone oder Tablet sinnvoll?

Ein Familientablet können Kinder ab fünf Jahren nutzen, wobei Eltern den Zugang regeln und auf altersgerechte Inhalte achten sollten. Mit einem eigenen Tablet verhält es sich wie mit dem Smartphone. Beide sind internetfähig. Da sind wir wieder bei der Fähigkeit, Inhalte und eigenes Nutzungsverhalten hinterfragen zu können. Das gelingt ab elf, zwölf immer besser.

Jugendliche nutzen das Netz auch als Freiraum, um sich abzunabeln. Was können Eltern tun, damit sie sich darin trotzdem sicher bewegen?

Ich denke, dass nur eine Mischung aus Vertrauen und Aufklärung schon im Vorfeld hilft. Im Grundschulalter können Eltern unangemessene Inhalte durch Filterprogramme oder Profileinstellungen ausschließen. Später geht das nicht mehr so einfach. Jugendliche müssen wissen, was ein solcher Inhalt ist und wie sie den einordnen sollten. Darüber muss man mit seinem Kind sprechen. Außerdem sollte Eltern bewusst sein, dass viele soziale Netzwerke nicht für Jüngere vorgesehen sind, WhatsApp wird erst ab 16 empfohlen.

Das ist allerdings realitätsfern.

Dennoch muss man diese Absicherung der Unternehmen ernst nehmen. Die Eltern sind hier in der Pflicht. Sie müssen ihren Kindern vermitteln, dass persönliche Daten äußerst sensibel sind. Hier hilft ein wenig Kontrolle: Eltern sollten gelegentlich nachfragen, mit wem ihr Kind in Kontakt ist und was im Gruppenchat gepostet wird, zum Beispiel, um Cyber-Mobbing entgegenzuwirken.

Wie nehmen Jugendliche ihren Umgang mit dem Smartphone selbst wahr?

Es geht ihnen ähnlich wie uns Erwachsenen: Oftmals merkt man gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Aber sie empfinden sie nicht nur als angenehm, sondern durchaus auch als Stress, zum Beispiel, wenn WhatsApp-Nachrichten spät abends reinklingeln und der Schlaf gestört wird. Es ist wichtig, ihnen bewusst zu machen, dass sie nicht permanent online und verfügbar sein müssen. Klar formulierte Regeln sind da auch im Jugendalter sinnvoll.

Zum Beispiel, Onlinezeiten zu vereinbaren. Um sie zu kontrollieren, nutzen manche Eltern Überwachungssoftware. Reicht Vertrauen nicht mehr aus?

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Diese Software zu nutzen, ist ein starker Eingriff. Man braucht sie nicht, wenn man vorher Regeln in der Familie verabredet hat, und sich alle daran halten. Dafür eignen sich Mediennutzungsverträge gut, die sowohl Eltern als auch das Kind unterschreiben. Vorlagen dazu finden sich im Internet. Kinder können lernen, ein Zeitgefühl für die Onlinenutzung zu entwickeln, selbst wenn sie in die Spielewelt mit Tablets und Konsolen eintauchen. Dann stellt sich diese Frage im Jugendalter nicht so fundamental. Wer damit aber erst im Teenageralter beginnt, ist ziemlich spät dran. Bei kleineren Kindern ist es einfacher, Bildschirmzeiten konkret auszuhandeln und nachzuhalten. Dann haben die Eltern Inhalte und Zeiten gut im Blick und können es besser steuern. Bei den Jugendlichen bewirkt die Kontrolle eher das Gegenteil. Dann könnte man mit Bildschirmzeiten handeln und Wochenkontingente einführen. So erhalten ältere Kinder mehr Selbstbestimmung. Wenn an einem Tag intensiver das Smartphone genutzt wird, dann ist es auch mal okay. Dafür wird aber an einem anderen Tag weniger geschaut. Das muss sich in den Lebensalltag einfügen.

Das Gespräch führte Susanne Plecher.