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Dippser Onlinehändler wächst und wächst

Bisher ist der Versandhandel Ondis24 in einer alten Fabrikhalle in Schmiedeberg ansässig. Nun will er in Reichstädt bauen. Aber darum gibt's Diskussionen.

Kenneth Markert (li.) und Thomas Kreher stehen hier in der jetzigen Halle des Online-Versenders Ondis24. Das ist ein alter Industriebau, der zu klein wird, und durch eine neue Halle ersetzt werden soll.
Kenneth Markert (li.) und Thomas Kreher stehen hier in der jetzigen Halle des Online-Versenders Ondis24. Das ist ein alter Industriebau, der zu klein wird, und durch eine neue Halle ersetzt werden soll. © Egbert Kamprath

Der Onlineversender Ondis24 aus Schmiedeberg will ins Industriegebiet Reichstädt umziehen. Das Unternehmen bietet Kunststoffprodukte für Garten, Werkstatt und Haushalt und ist seit seiner Gründung 2010 schnell gewachsen. Angefangen hat es in einer Garage, dann ist Ondis24 in die ehemalige Ratsmühle in Dippoldiswalde gezogen, ehe es 2015 die Halle des ehemaligen VEB Ferdinand Kunert im Ortsteil Schmiedeberg als Lager einrichtete. Das ist ein imposantes Industriedenkmal, wird aber jetzt für den wachsenden Online-Versender zu klein und zu unpraktisch, wie Geschäftsführer Kenneth Markert erklärte, als er das Projekt am Mittwoch dem Technischen Ausschuss des Stadtrats Dippoldiswalde vorstellte.

Deswegen will Ondis24 jetzt ins Industriegebiet nach Reichstädt ziehen und dort  nach seinen Bedürfnissen eine neue Halle bauen. Die passen aber nicht ganz in die Planungsvorgaben, die in den 1990er-Jahren für das Industriegebiet festgelegt worden sind. In sechs Punkten soll der Neubau abweichen. Deswegen hat der Onlinehändler eine Bauvoranfrage gestellt. Wenn die Abweichungen zugelassen werden, will er die Fläche kaufen und dort bauen, informierte der Dippser Baubeigeordnete Peter Antoniewski. Es geht dabei um rund 21.000 Quadratmeter. Der Ausschuss musste dazu eine Stellungnahme abgeben. Das letzt Wort hat das Landratsamt. 

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Streit um viereinhalb Meter

Vor allem ein Punkt wurde stark diskutiert, die Höhe der neuen Halle. Sie soll 14 Meter erreichen. Der Bebauungsplan, der Anfang der 1990er-Jahre für das Industriegebiet aufgestellt wurde, sieht aber höchstens 9,50 Meter über der Erdkante vor. Markert erläuterte, dass seine Firma ein Hochregallager errichten will, in dem vier Paletten übereinander Platz finden sollen. Dafür muss die Halle innen zwölf Meter hoch sein. Niedriger zu bauen, wäre unwirtschaftlich. Die neue Höhe hatte auch schon der Ortschaftsrat Reichstädt abgelehnt, wie Ortsvorsteher Falk Hennig berichtete. Architektin Nicolette Bär von der Firma Freyler Industriebau, die für Ondis24 arbeitet,  legte dar, dass an der Oberseite die Halle zwei Meter tief in die Erde gebaut wird, also nicht mehr in voller Höhe herausragt.

Bedenken hat der Ortschaftsrat auch wegen eines zweiten Punktes. Die Vorgaben des Bebauungsplans verbieten eine reflektierende Oberfläche. Jedoch soll die Halle mit Metallsandwichpaneelen gebaut werden. Das hätte Vorteile bei der Wärmedämmung, würde aber etwas reflektieren, erklärte die Planerin. Hier forderte der Ortschaftsrat die Pflanzung von Bäumen, damit nicht die Autos auf der Ruppendorfer Straße geblendet werden.

In zwei weiteren Punkten verlangt der Bebauungsplan, dass die Fassaden und das Dach begrünt werden. Das will Ondis24 aber nicht. Erstens soll die Fläche direkt an der Halle befestigt werden, dort kann also kein Grün wachsen. Zweitens soll das Dach eine möglichst weite Strecke überspannen, damit innen wenig Stützen erforderlich sind. Ein begrüntes Dach wäre aber schwerer als eine einfache Deckung, also würde die Spannweite des Dachs verringert. Ohne Begrünung fiele allerdings auch die wasserspeichernde Wirkung das Dachs weg. Da müsste die Firma in anderer Form einen Ausgleich schaffen, forderte der Ortsvorsteher.

Ausschuss gibt Wirtschaftsförderung den Vorrang

Zwei weitere Punkte waren unstrittig. Die Halle soll einen 1,40 Meter hohen Sockel bekommen, damit die Ladebrücken, auf welche Ondis24 seine Pakete packt und mit denen es beliefert wird, direkt anschließen können. Das ist höher als im Bebauungsplan vorgesehen. Außerdem soll das Werbelogo an der Fassade vier Meter hoch werden, bisher sind zwei Meter zulässig. Das ist wichtig, damit die Lkw-Fahrer, die Ware bringen, die Firma gleich erkennen, argumentierten die Planer. Rolf Süßmann (AfD) wies noch auf ein zusätzliches Problem hin: Durch die Ansiedlung wird zusätzlicher Verkehr angezogen, der durch Reichstädt und Dippoldiswalde führt. 

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„Einerseits geht es um Wirtschaftsförderung, andererseits gibt es den Bebauungsplan“, sagte der Beigeordnete. Markert legte dar, dass sein Unternehmen unbedingt eine neue Halle benötigt und auch gerne in Dippoldiswalde bleiben will, weil es bisher im Stadtgebiet sich gut entwickeln konnte. Wenn es aber dafür keine Möglichkeit gebe, müsste Ondis24 sich an anderen Orten umsehen wie Kesselsdorf. Schließlich entschieden sich die Mitglieder des Technischen Ausschusses mit fünf gegen drei Stimmen dafür, dass die neue Halle in sechs Punkten von dem Bebauungsplan abweichen darf. Jetzt muss das Landratsamt noch über das Anliegen des Online-Händlers entscheiden. 

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