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Die ganze Gemeinde spendet für sein Grab

Ein Neukircher war beinahe mittellos gestorben. Dank einer aufsehenerregenden Aktion gibt es eine würdige Grabstätte und eine angemessene Trauerfeier.

Gerald Opitz, den in Neukirch alle nur Opi nannten, wird am 20. September beigesetzt.
Gerald Opitz, den in Neukirch alle nur Opi nannten, wird am 20. September beigesetzt. © privat

Neukirch. Susanna Jähne ist gerührt: „Die Beerdigung für Opi ist gesichert, die Spendenaktion war ein voller Erfolg.“ 

5.775 Euro an Spendengeldern konnte der TSV 90 mit Unterstützung der Gemeindeverwaltung im vergangenen Monat einwerben. Darunter, so erzählt es TSV-Geschäftsführerin Susanna Jähne, seien vor allem Einzelspenden der Neukircher. Auch Vereine der Gemeinde hätten sich beteiligt und unter ihren Mitgliedern zum Spendensammeln aufgerufen. Sogar über die Gemeindegrenzen hinaus fand die Aktion Anklang – auch Auswärtige leisteten einen Beitrag. „Die Höhe der einzelnen Spenden fiel sehr unterschiedlich aus“, resümiert Jähne. 

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Neben zahlreichen kleinen Spenden seien auch Beträge im niedrigen dreistelligen Bereich überwiesen worden – alles in allem mehr als genug Geld, um für den verstorbenen Gerald Opitz einen Liegeplatz auf dem Neukircher Gemeindefriedhof und eine angemessene Trauerfeier finanzieren zu können. „Das Engagement und die ehrliche Anteilnahme haben uns genauso überrascht wie das große Interesse der Medien“, zieht Jähne nach Ende des Spendenzeitraums ein Fazit der aufregenden Wochen.

Trauerfeier im Vereinshaus des TSV

Dank der großen Spendenbereitschaft sei es dem TSV nun möglich, statt des angestrebten, rudimentären Begräbnisses eine ordentliche Bestattung zu organisieren. „Wir haben einen Trauerredner beauftragen können“, freut sich Susanna Jähne. Gemeinsam mit Neukirchern, die den Verstorbenen gut kannten, soll in den nächsten Tagen dessen Ansprache vorbereitet werden. Auch ein gemeinsames Kaffeetrinken mit allen, die Opi die letzte Ehre erweisen wollen, lässt sich aus den nun vorhandenen Mitteln finanzieren. „Stattfinden wird das im Anschluss an die Beerdigung im Vereinshaus des TSV“, kündigt Jähne an. 

Der Termin für die Beisetzung steht inzwischen fest: Am 20. September soll Gerald Opitz um 14 Uhr zur letzten Ruhe gebettet werden. „Am zweiten Baumgrab in Neukirch wird er die erste Liegefläche bekommen. Es ist ein wirklich schöner Platz“, so Jähne. Vier Urnen können in einem solchen Grab beigesetzt werden. Die Einäscherung der sterblichen Überreste war bereits kurz nach dem Ableben des 63-jährigen Neukircher Originals durch die Gemeinde im Rahmen der kommunalen Pflichterfüllung finanziert worden. 

Um eine anonyme Seebestattung zu verhindern, riefen Sportverein und Gemeinde anschließend die Spendenaktion ins Leben. Von deren Ausgang zeigt sich auch Neukirchs Bürgermeister Jens Zeiler (CDU) angetan und findet die große Spendenbereitschaft „richtig gut“. Dass die Bürger seiner Gemeinde alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, um „ihrem“ Opi die letzte Ehre zu erweisen, findet er in Anbetracht von dessen Leistung nur folgerichtig: „Der Kerl hat so viel für Neukirch getan, jetzt soll er auch hier begraben werden“, bekräftigt das Gemeindeoberhaupt das Vorhaben.

Sollten nach der Bestattung noch Mittel übrig bleiben, sollen diese den Neukircher Vereinen zugutekommen. Nach welchem Schlüssel das Geld verteilt wird, wollen Gemeindeverwaltung und Mitglieder des TSV 90 Ende September entscheiden.

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Zur persönlichen Ausgestaltung der Trauerfeier ist der TSV 90 noch immer auf der Suche nach Material zum Leben von Gerald Opitz. Bilder, Anekdoten und sonstige Erinnerungen können per E-Mail an Susanna Jähne geschickt werden. [email protected]

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